Auf dem Weg zum größten stationären Energiespeicher Europas

Verfasst von am 25.09.2018 - 5 min

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Renault kündigte den Start seines Projekts Advanced Battery Storage an und will bis 2020 den größten stationären Energiespeicher Europas bauen. Das Ziel: Einen wesentlichen Beitrag zur Einspeisung erneuerbarer Energien in die Stromnetze leisten.

Das am 25. September von Renault bekannt gegebene Projekt hat ein in Europa noch nie dagewesenes Ausmaß: Renault kündigte die Entwicklung einer Lösung zur stationären Energiespeicherung ausschließlich auf der Grundlage von Elektroautobatterien an. Auf Dauer wird dieser Speicher mindestens 60 MWh speichern und eine Leistung von 70 MW liefern können, was ihn zur größten Anlage dieser Art macht, die je in Europa gebaut wurde.

Elektroautobatterien für die Energiewende nutzen

Erweiterte Infographie zur Batteriespeicherung

„Eine der größten Herausforderungen bei der Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Energiemix besteht darin, die zu einem gegebenen Zeitpunkt auftretenden Differenzen zwischen Stromverbrauch und Stromerzeugung zu kontrollieren“, erklärt Nicolas Schottey, Leiter des Programms Nouveaux Business Energie, Groupe Renault.

Die Schwierigkeit besteht drin, im Stromnetz die Balance zwischen Angebot und Nachfrage zu halten, indem zwischen unregelmäßig zur Verfügung stehenden Energiequellen hin- und herjongliert wird. Schon die geringste Abweichung zwischen Verbrauch und Produktion löst Störungen aus, die die Stabilität der Stromfrequenz (50 Hz) beeinträchtigen können.

„Unsere stationäre Speicherlösung soll diese Differenzen ausgleichen: Sie gibt ihre Reserven in dem Moment ab, in dem ein Ungleichgewicht im Netz entsteht, und sorgt dafür, dass die Auswirkungen dieses Ungleichgewichts nicht zu spüren sind“, erklärt Nicolas Schottey. Durch das Ausgleichen dieser für die Stabilität des Netzes gefährlichen Schwankungen erhöht das stationäre Speichersystem die wirtschaftliche Attraktivität von kohlenstoffarmen Energien. Die verfügbare Energie von 60 Mwh entspricht einer Speichermenge, die den Bedarf von über 5 000 Haushalten deckt.

Containerweise Elektroautobatterien

Groupe Renault Advanced Battery Storage

Diese stationäre Speicherung des Stroms erfolgt in hochgesicherten „Seecontainern“. Im Innern dieser Container sind Elektroautobatterien auf Gestelle montiert und mit einem Ladesteuersystem ausgestattet. Sie werden durchgehend überwacht. Für diesen Speicher werden sowohl Second-Life-Batterien als auch neue Batterien benutzt, die später wieder im Rahmen von Kundendienstleistungen als Standard-Ersatzbatterien genutzt werden können.

Dieses Batterienetz ist an ein umfassendes Überwachungs- und Kontrollsystem angeschlossen, dass das Laden und Entladen in Abstimmung mit den Netzbetreibern steuert. Die Umwandlung des Gleichstroms aus den Batterien in Wechselstrom für das Stromnetz wird durch Umrichter gewährleistet, die in den Containern installiert sind. Die gespeicherte Energie steht dem Stromnetz also umgehend zur Verfügung.

Diese Batteriespeicher werden an strategisch günstigen Orten gelagert, wo spezielle Anschlüsse an das Stromnetz zur Verfügung stehen. Bis jetzt wurden drei Standorte ausgewählt. Die beiden ersten befinden sich in Frankreich in den Renault-Werken von Douai (Nordfrankreich) und Cléon (in der Normandie), der dritte in Deutschland, genauer gesagt in Nordrhein-Westfalen in einem ehemaligen Kohlekraftwerk, das gerade stillgelegt wird. Bezeichnenderweise spielt dieser symbolträchtige Ort der Kohleindustrie im Ruhrgebiet eine Vorreiterrolle bei der Energiewende. Weitere Standorte werden derzeit noch untersucht.

Ein Ecosystem für die Energiewende

Die Energiewende ist nur möglich, wenn alle an einem Strang ziehen. Diese Überzeugung hat Renault dazu veranlasst, mit renommierten institutionellen Anlegern und innovativen Start-ups in Energiefragen zusammenzuarbeiten.

An dem Projekt sind spezialisierte Integratoren sowie The Mobility House, ein Technologieunternehmen mit Sitz in München, beteiligt. Es teilt die gleiche Überzeugung wie Renault, insofern, als es das Elektroauto als Bestandteil des Stromnetzes sieht, das darüber hinaus zu dessen Stabilität beitragen kann.
The Mobility House wird das operative Management des Programms übernehmen. Dieses Projekt mobilisiert über den Fonds de Modernisation Ecologique des Transports (FMET) neben Renault noch andere Geldgeber, darunter die Banque des Territoires und die japanischen Gruppen Mitsui und Demeter, die allesamt Spezialisten für Projekte im Zusammenhang mit der Energiewende sind.

Die ersten Installationen werden Anfang 2019 abgeschlossen sein. Die Speicherkapazität soll im Laufe der Zeit schrittweise auf 2 000 Elektroautobatterien erweitert werden. Dann wird das System die 60-MW-Schwelle erreicht, oder eher überschritten haben.

Copyrights: iStock und Groupe Renault

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