Die Energiewende verstehen

Verfasst von am 03.06.2020 - 5 min

Die „Energiewende“ ist einer der wichtigsten Aspekte der Ökowende, die für ein nachhaltigeres Wirtschafts-, Sozial- und Umweltmodell eintritt. Sie ist in aller Munde und – was noch wichtiger ist – sie ist im Gange. Was steckt hinter diesem Konzept, worum geht es und welche Auswirkungen hat die Energiewende auf die Mobilität?

Die Energiewende: ein ökologisches Ziel

Der Begriff Energiewende bezeichnet die Veränderung der Produktionsweise und des Verbrauchs der Energie hin zu einem sparsameren System, das auf kohlenstoffarmen und erneuerbaren, sauberen und sicheren Energien basiert. Und das betrifft beinahe alle menschlichen Aktivitäten, wie Heizung, Beleuchtung, Transport, Industrie usw. Es geht um die Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe (Erdöl, Gas und Kohle), nicht erneuerbarer, CO2-emittierender Energieträger zugunsten regenerativer Energiequellen, die als unerschöpflich gelten, wie Sonne (Solarenergie), Wind (Windkraft), Wasser (Wasserkraft), Wärme aus dem Untergrund (Geothermie), Gezeitenbewegung (Gezeitenenergie) oder organische Materie (Biomasse).

Die Energiewende basiert auf zwei Schwerpunkten: eine Energieproduktion mit weniger CO2-Ausstoß, aber auch eine Reduzierung des Gesamtverbrauchs durch Steigerung der Energieeffizienz. Ihr Ziel ist es, mit weniger mehr zu erreichen. Diese allmähliche Umkehr von einem Energiemodell zum anderen ist der Grund, warum wir von „Wende“ sprechen.

 Windkraftanlage auf dem Land

Die wichtigsten Herausforderungen der Energiewende

Kampf gegen die globale Erwärmung

2017 stammten 80,7 % aller Treibhausgasemissionen der Europäischen Union aus der Stromerzeugung. Die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Gas zur Erzeugung von Strom setzt Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid (CO2) frei, der eines der wichtigsten Treibhausgase ist (81 %). Da die Erderwärmung die Folge der zunehmenden Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre ist, würde die Aufgabe fossiler Brennstoffe zugunsten kohlenstofffreier Energien automatisch zur Begrenzung der Emissionen – insbesondere von CO2– beitragen.

Schutz der Bevölkerung und der öffentlichen Gesundheit

Die Erwärmung des Klimas stört das Gleichgewicht in der Atmosphäre, was insbesondere zu einer Zunahme extremer Wetterereignisse (Stürme, Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren) führt, die eine direkte Gefahr für die Bevölkerung darstellen und wesentliche menschliche Aktivitäten wie die Landwirtschaft bedrohen.
Überdies werden bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe neben den Treibhausgasen, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind, auch andere Schadstoffe emittiert, wie beispielsweise Feinstaub, die die Luftqualität beeinträchtigen. Da die Energiewende auch auf die Reduzierung dieser Emissionen abzielt, leistet sie zusätzlich einen Beitrag zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

Senkung des globalen Energieverbrauchs

Energiewende bedeutet auch, den Energieverbrauch durch eine sparsamere Lebensweise und weniger Energieverschwendung zu senken.
Ziel ist es, einen unnötigen Energieverbrauch zu vermeiden und ein System so zu optimieren, dass es für die gleiche Leistung weniger Energie benötigt. In der Bau- und Renovierungsbranche, oder auch in der Automobilindustrie können strengere Normen beziehungsweise Änderungen an Heizsystemen eine Reduktion der jährlichen Heizkosten von 90 Prozent bewirken. Dies bezeichnet man als Energieeffizienz. Die Entwicklung der Smart Grids und der Datentechnologien der Smart Cities wird in Zukunft die Umsetzung entsprechender Maßnahmen zur Förderung der Energieeffizienz ermöglichen.

Sonnenkollektoren in Kenia

Die weltweite Energiewende

Die Energiewende ist nicht nur eine Zukunftsvision, sondern bereits voll im Gange. Die NGO WWF hat in einem Bericht „15 Signale“ ermittelt, die den Fortschritt der Energiewende auf der ganzen Welt aufzeigen. Im Jahr 2015 beispielsweise machten die erneuerbaren Energien 90 % der neuen Stromerzeugungskapazitäten aus.
Der Fortschritt der Energiewende lässt sich auch an der Zahl der dadurch geschaffenen Arbeitsplätze messen. Die Internationale Arbeitsorganisation schätzt, dass die grüne Wirtschaft bis 2030 weltweit 24 Millionen Arbeitsplätze schaffen wird. Im Energiesektor bedeutet dies vor allem die Änderung des Energiemix, die Förderung von Elektroautos und die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden.

Energiewende und Mobilität

Die Verkehrsmittel – insbesondere solche, die mit Treibstoff fahren – haben einen hohen Anteil am Energieverbrauch und an den Emissionen. Auch hier gilt der Grundsatz „weniger und besser“. Der Sektor ist allein für 30 % der EU-Treibhausgasemissionen verantwortlich – hinter der Energieproduktion, aber noch vor der Landwirtschaft und der Industrie.

Energiewende und Elektroauto

 Renault auf Straßenansicht Sardinien Italien
Die Energiewende und die Entwicklung des Elektroautos scheinen eng miteinander verflochten zu sein – speziell im Hinblick auf die CO2-Emissionen, die ein Elektroauto über seinen gesamten Lebenszyklus erzeugt. Das beginnt damit, dass es beim Fahren kein COausstößt*. Die Herkunft des Stroms, den es zum Fahren benötigt, ist ebenfalls entscheidend, denn je mehr er aus erneuerbaren Quellen stammt, desto positiver ist die Energiebilanz des Fahrzeugs. Laut Angaben der Europäischen Umweltagentur stößt ein Elektroauto, dessen Strom zu 100 % aus erneuerbaren Quellen stammt, über seinen gesamten Lebenszyklus viermal weniger COaus als ein Benziner. Der Stiftung FNH (Fondation Nicolas Hulot pour la nature et l’homme) zufolge hat ein Elektroauto bereits jetzt – unter Berücksichtigung des heutigen durchschnittlichen Energiemix in Frankreich – eine zwei- bis dreimal positivere CO2-Bilanz als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Gleichzeitig fördern die Technologien der Elektroautos die Einbindung der erneuerbaren Energien in den Strommix. Intelligentes Laden und bidirektionales Laden (Vehicle to Grid) gleichen Angebot und Nachfrage aus und tragen so zur Regulierung und Stabilisierung des Stromnetzes bei, um kohlenstoffarmen, billigeren Strom für alle verfügbar zu machen. Zusätzlich wird der EE-Strom dank der stationären Speicherung mithilfe von Second-Life-Batterien konstant verfügbar gemacht.

Bleibt noch die Reduzierung der Auswirkungen der Herstellung, die für die Entwicklung des Marktes für Elektroautos entscheidend ist. Sie betrifft insbesondere die Gewinnung der Rohstoffe, die Effizienz der Produktionsmethoden, die Entwicklung der Batterien und die Entwicklung des Recyclings.

Innovative Mobilitätssysteme für die Energiewende

Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen des Verkehrs bis 2050 um 90 % zu reduzieren. Um dies zu erreichen, muss sich auch unser Nutzungsverhalten ändern. Angefangen – im Personenverkehr zum Beispiel – mit der Reduzierung des Mobilitätsbedarfs durch Förderung des Arbeitens im Home Office. Mit einer stärkeren Zentralisierung der Städte, die sich besser für „aktive“ Verkehrsmittel (zu Fuß gehen, Fahrrad) und den öffentlichen Verkehr eignen. Eine weitere Möglichkeit sind die Shared Mobility-Lösungen. Dienste wie Fahrgemeinschaften oder Carsharing im Selbstverleih zielen insbesondere auf die Verringerung der Verkehrsintensität und die Optimierung der Nutzungsrate eines Autos ab, insbesondere in Städten. In der Zukunft werden vernetzte und autonome Elektroautos effiziente Lösungen für die Städte sein, um den Verkehrsfluss zu verbessern, einen Teil des gegenwärtig für den Autoverkehr reservierten Raums verfügbar zu machen und die Lebensqualität der Stadtbewohner zu verbessern.

Der Erfolg der Energiewende erfordert daher eine Änderung der Energiepolitik, aber auch eine Änderung unseres Verhaltens und unseres Lebensstils. Die Herausforderung ist zwar immens, aber sie beinhaltet auch Innovationen und Möglichkeiten zur Beschleunigung dieser Wende, wie die Entwicklung der Elektromobilität beweist.

 

* Weder CO2-Emissionen noch regulierte Luftschadstoffe beim Fahren, ausgenommen Verschleißteile.

Copyrights: inakiantonana, Mlenny, CarlFourie, LEMAL Jean-Brice, PLANIMONTEUR

 

Wie Elektrizität das Automobil, die Energie, die Territorien verdändert...

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