Elektroauto in Deutschland: Alles, was man wissen muss

Verfasst von am 12.05.2021 - 4 min

Das Elektroauto hat in Deutschland Fahrt aufgenommen – besonders seit 2020. Es ist nun Teil eines breiteren Bewusstseins für die ökologischen Aspekte der Mobilität und profitiert von staatlichen Anreizen und Förderungen. Eine industrielle Herausforderung, die von einem neuen Verhalten der Deutschen Autofahrer begleitet wird. Ein Überblick.

Seit wann gibt es in Deutschland Elektroautos?

In den 1990er Jahren erlebte das Elektroauto sein großes Comeback in den Designstudios und einigen Fabriken. Die Technologie wurde damals als abgasfreie Fortbewegungsalternative gesehen. Schon seit der Ankunft der ersten Autos geplant und im 20. Jahrhundert erprobt, erlebte der Elektromotor vor dreißig Jahren einen Aufschwung. Auf der Insel Rügen beispielsweise waren 1994 bereits batteriebetriebene Fahrzeuge im Umlauf, die einen Vorgeschmack auf spätere Serienmodelle und deren Einsatzmöglichkeiten – insbesondere Carsharing – gaben.

Seitdem hat sich das Konzept des Elektroautos stark verändert – bis hin zur Produktion im großen Stil. Ende der 2000er Jahre sorgten Durchbrüche bei der Lithium-Ionen-Batterietechnologie und die Erkenntnis der Notwendigkeit einer weltweiten Reduzierung der CO2-Emissionen europaweit und ganz besonders in Deutschland für ein Umdenken.

Der deutsche Markt begann sich bereits 2009 zu entwickeln. Damals verkündete die Regierung ihren Wunsch, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen zu sehen. Obwohl in den 2010er Jahren noch weit davon entfernt, haben sich die europäische Industrie, Infrastruktur und Energieversorgung gemeinsam weiterentwickelt.

So sind immer effizientere Fahrzeugmodelle entstanden, angepasst an ein von Jahr zu Jahr wachsendes Ladenetz. Auch der Renault ZOE startete 2013 erstmals auf dem deutschen Markt und gewann fortan mehr und mehr Anhänger: 2014 wurden in Europa 10.000 Stück verkauft, 2019 das Vierfache und 2020 das Zehnfache!

Das große deutsche „Regierungsprogramm Elektromobilität“ treibt seit 2016 gemeinsam mit den Bundesländern und Automobilherstellern den Umstieg auf Elektromobilität voran. Steuerliche Anreize und Kaufsubventionen für Privatpersonen, Flotten und Gewerbetreibende sind ein neues Instrument, um die Verbreitung von Elektroautos zu unterstützen.

Aktuelle Entwicklungen am Elektroauto-Markt in Deutschland

Im Jahr 2020 wurde die Entwicklung des Elektroauto-Marktes durch verstärkte Förderungen und Kaufanreize im Rahmen des Konjunkturpakets des Landes gefördert. Und die Ergebnisse dieser Politik sind beachtlich: Jedes zwanzigste bundesweit verkaufte Auto im Jahr 2020 fährt mit Strom. Mit fast 200.000 verkauften Elektroautos in Deutschland im Jahr 2020 hat sich die Zahl der Neuzulassungen      in nur einem Jahr verdreifacht.

Dieser segensreiche Boom bestätigt auch einen grundlegenden Trend: Immer mehr Deutsche entscheiden sich für Elektroautos. Und das gilt gleichermaßen für Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge. Auch deren Zulassungen steigen seit 2011 kontinuierlich an. 

Haben die deutschen Autofahrer das Elektroauto für sich entdeckt?

Im Jahr 2019 waren 45.000 der 3,5 Millionen verkauften Fahrzeuge in Deutschland Plug-in-Hybride und 63.000 Elektroautos. Ein Jahr später ist die Gesamtzahl der Neuzulassungen zwar unter die 3-Millionen-Marke gesunken, nun fährt aber schon jeder 6. Neuwagen vollelektrisch. Der Renault ZOE ist in Deutschland besonders beliebt: ein Drittel der in Europa verkauften ZOE wurde in Deutschland gekauft. Ein starkes Zeichen für den Erfolg dieses Modells auf dem europäischen und internationalen Markt. 

 

RENAULT ZOE

Die Ladeinfrastruktur und deren Rolle für die Entwicklung der Elektromobilität in Deutschland

Die Anzahl der Ladestationen im öffentlichen Bereich hat einen großen Einfluss auf die Entscheidung der Autofahrer, elektrisch zu fahren. Aus diesem Grund weiten Bund, Länder und Industriepartner die Infrastruktur flächendeckend aus. Derzeit gibt es in Deutschland 30.000 Ladestationen, in den nächsten Monaten sollen 43.000 weitere installiert werden – vor allem an regulären Tankstellen. Bis 2030 sollen über eine Million öffentlicher Ladestationen den Reichweitenbedarf der deutschen Autofahrer decken.

Parallel dazu erleichtert die erhöhte Reichweite von Elektroautos deren Nutzung. So kann zum Beispiel ein Renault ZOE heute mit einer einzigen Ladung* bis zu 395 Kilometer weit fahren. 

Deutschlands Rolle auf dem europäischen Mobilitätsmarkt

Als das bevölkerungsreichste Land Europas hat Deutschland auch den größten Automobilmarkt des Kontinents. Emissionsfreie Fahrzeuge** werden hier immer beliebter. Seit Ende 2019 hat das Land sogar Norwegen überholt und belegt den Spitzenplatz bei den Zulassungen von Elektrofahrzeugen (in absoluten Zahlen). Lediglich bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur liegt Deutschland hinter Ländern wie Frankreich zurück – das sollte sich durch den proaktiven Ansatz der Behörden aber schnell ändern. Und schließlich gehört Deutschland zu den fünf führenden Nationen weltweit, wenn es um die Förderung der Elektromobilität geht.

 

* WLTP: Worldwide Harmonised Light Vehicle Test Procedure. Der Standard-WLTP-Zyklus entspricht 57 % der Fahrten in der Stadt, 25 % der Fahrten Überland und 18 % der Fahrten auf der Autobahn.

** Weder atmosphärische CO2-Emissionen noch Schadstoffemissionen während der Fahrt (ohne Verschleißteile).

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