Maßnahmen zugunsten von Elektroautos in der Stadt

Verfasst von am 29.04.2020 - 4 min

Großstädte kämpfen mit hohen Schadstoffbelastungen und führen deshalb Zufahrtsbeschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ein. Elektroautos sind bis auf das Zufahrtsverbot für Fußgängerzonen nicht von diesen Beschränkungen betroffen.

Um die zunehmenden Schadstoffbelastungen in den Stadtgebieten einzudämmen, bereiten Städte ihre Zukunft mit unterschiedlichen Maßnahmen vor. Sie sollen für einen flüssigeren Verkehr und eine Verringerung der Schadstoffemissionen sorgen. Mehrere von ihnen haben bereits mehr als 230 Niedrigemissionszonen (oder auf Englisch LEZ für Low Emission Zone) in Europa sowie Zonen mit beschränktem Verkehr eingerichtet.

Die Maßnahmenvielfalt der Städte

London, wo bereits 2003 eine City-Maut eingeführt worden war, hat mehrere konzentrisch angelegte Niedrigemissionszonen mit starken Verkehrsbeschränkungen abgegrenzt: Fahrzeuge mit einer Schadstoffklasse unter Euro 4 (Zulassung vor Januar 2006) dürfen in diese Stadtgebiete nur noch nach Zahlung einer recht hohen Zufahrtsgebühr (umgerechnet ungefähr 14,5 Euro zuzüglich 13,50 Euro City-Maut) einfahren. Missachtet man diese Vorschriften, muss man mit einem Bußgeld von 185 Euro rechnen – das schreckt die meisten Verkehrssünder ab. Ab 2021 wird diese Maßnahme für das gesamte Stadtgebiet gelten.

In einigen Stadtgebieten plant man Zufahrtsverbote für bestimmte Fahrzeugkategorien, wobei gerade kleinere Städte jeweils ihr eigenes System haben. In Utrecht (Niederlande) beispielsweise gilt in bestimmten Zonen ein Zufahrtsverbot für Dieselfahrzeuge, die vor 2001 hergestellt wurden. In Köln dürfen Dieselfahrzeuge, die vor 2006, und Benzinfahrzeuge, die vor 1993 gebaut wurden, nicht mehr ins Stadtzentrum einfahren. In Italien erließen 106 Städte, unter anderem Rom, Bologna, Florenz, Palermo, Mailand, Genua und Turin, ähnliche Zufahrtsbeschränkungen. In Spanien haben Kommunen mit über 50.000 Einwohnern – das heißt, 138 Städte – beschlossen, gezielt gegen die hohen Schadstoffbelastungen vorzugehen und Niedrigemissionszonen eingerichtet.

Frankreich organisiert sich und bringt neue Maßnahmen auf den Weg

Auch in Frankreich werden Verbrennungsfahrzeuge künftig mehr und mehr aus dem Stadtbild verbannt. Paris und 15 weitere Metropolen, von denen einige bereits das System des differenzierten Verkehrs auf der Grundlage des Crit’Air-Umweltplakettensystems nutzen, haben neue Maßnahmen auf den Weg gebracht. Seit dem 1. Juli 2019 sind Fahrzeuge mit einer Crit’Air-Umweltplakette der Schadstoffklasse 4 (Dieselfahrzeuge älter als 2006) im Innenstadtbereich von Paris verboten.

Im Großraum Paris ist in 49 von 79 Vorstädten das Befahren der Niedrigemissionszonen für Fahrzeuge mit Crit’Air 5-Umweltplakette, das heißt, für Diesel aus der Zeit vor 2001 und Verbrennungsfahrzeuge älter als 1997, verboten. Auch andere französische Großstädte, wie Lille, Lyon, Marseille oder Grenoble, haben dieses Umweltplakettensystem eingeführt und werden das Befahren des Innenstadtbereichs für Verbrennungsfahrzeuge je nach Baujahr und Motor untersagen.

Elektroautos in der Stadt sind im Vorteil

Neuen ZOE Innenstadt
Neben der Tatsache, dass Elektroautos freie Zufahrt zu den Stadtzentren haben (außer zu den Fußgängerzonen) und für ihren Kauf finanzielle Beihilfen gewährt werden, genießen sie auch im Stadtgebiet klare Vorteile. So sind beispielsweise viele Parkplätze speziell für sie reserviert und einige davon sogar kostenlos. Das Aufladen, ob langsam oder schnell, ist in bestimmten Einkaufszentren oder an Car-Sharing-Stationen sogar kostenfrei.

Werden Fahrzeuge von Fahrgemeinschaften genutzt (mindestens zwei Insassen), dürfen sie bestimmte Bus- oder Taxispuren befahren. Künftig könnten ihnen Streckenabschnitte oder Fahrstreifen an Schlüsselpositionen, wie beispielsweise an Ringstraßen, vorbehalten sein. Ein ideales Transportmittel also, erst recht, wenn es mit Elektroautos und somit emissionsfrei genutzt wird.*

Beihilfen für den Kauf von elektrisch Nutzfahrzeugen und Pkws

In Frankreich werden Privatpersonen neben dem Umweltbonus auch regionale Zulagen für den Kauf eines Elektroautos angeboten. Die Métropole Grand Paris beispielsweise hält zusätzlich zu den bereits bestehenden Beihilfen einen Zuschuss von bis zu 6000 Euro bereit (das Angebot ist den ersten 1000 Antragstellern vorbehalten). Der Käufer eines Renault ZOE kann seine Rechnungssumme also auf 17.000 Euro reduzieren (inklusive 6000 Euro Bonus und Abwrackprämie). In Okzitanien steht Privatpersonen das System „Eco-cheque mobilité“ zur Verfügung: Die Beihilfe beläuft sich auf 30 % des Fahrzeugwertes, mit einer Obergrenze von 1000 Euro für einen Steuerpflichtigen und 2000 Euro für einen nicht steuerpflichtigen Bürger. Auf der vom französischen Umweltministerium zusammen mit der Vereinigung zur Entwicklung von Elektromobilität AVERE eingerichtete Website „Je roule en électrique“ können Sie sich über die verfügbaren Hilfen informieren.

Neben dem Personenverkehr nimmt auch der Bedarf an Stadtlogistik insbesondere durch das Wachstum des E-Commerce zu. Er bewirkt einen explosionsartigen Anstieg der Lieferungen in den Stadtzentren. Um den strategischen letzten Kilometer zurückzulegen, – oft von Logistikzentren außerhalb der Städte aus – erweist sich das elektrische Nutzfahrzeug aus ökologischer Sicht als das effizienteste. Einige Städte bieten Unterstützung beim Kauf elektrischer Nutzfahrzeuge und bei der Einrichtung von Infrastrukturen an. London (Großbritannien) hat beispielsweise einen Finanzierungsplan in Höhe von 23 Millionen Pfund aufgestellt, um Unternehmen Anreize zur Umstellung ihrer Flotten auf Elektrofahrzeuge zu geben.

Inzwischen dürfen nur noch elektrische Pkws und Nutzfahrzeuge in die Stadtzentren großer Agglomerationen einfahren. Ein Aspekt, der beim Kauf eines neuen Autos unbedingt zu beachten ist.

 

 

*Weder CO²-Emissionen noch regulierte Luftschadstoffe beim Fahren, ausgenommen Verschleißteile

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