Ökomobilität: die neue Art der Fortbewegung

Verfasst von am 20.03.2020 - 7 min

Die Ökomobilität betrifft alle Themen der Mobilität und alle Lebensweisen in Zeiten der Energiewende. Aber wie kann sie in den Alltag der Stadt- und Landbewohner integriert werden? Und mit welchen Mitteln lässt sie sich konkret umsetzen, damit sich alle damit wohlfühlen?

Ökomobilität: Worum geht es?

Das Prinzip der Ökomobilität umfasst sowohl Initiativen als auch Infrastrukturen für eine nachhaltige Mobilität, sei es in der Stadt, in stadtnahen Gebieten oder auf dem Land. Stellen Sie sich vor, dass öffentliche Dienstleistungen, Geschäfte, Schulen nahe beieinander liegen und leicht erreichbar sind, während auf den Straßen Straßenbahnen, Elektroautos von Car-Sharing-Flotten oder autonome Elektroautos und auf den Radwegen Personal Transporters und Fahrräder unterwegs sind.

All diese Fahrzeuge könnten zum Beispiel auf einer Fahrbahn fahren, die 10 bis 20 % der Sonnenstrahlen absorbiert. Der Straßenbelag könnte dann diese Energie an die umliegenden Gebäude weiterleiten, um damit Wasser zu erwärmen. Auf den Bürgersteigen würde wieder Platz für Pflanzen geschaffen, die bei Hitzewellen wohltuenden Schatten spenden könnten. Jeder würde die Fahrbahn mit einem Verkehrsmittel der sanften Mobilität nutzen, das Teil eines nachhaltigen Entwicklungsansatzes wäre.

Ökomobilität vs. Elektromobilität, worin liegt der Unterschied?

Zu den Lösungen der Ökomobilität gehört auch die Elektromobilität mit Car-Sharing, Fahrrädern, Personal Transporters und allen anderen nachhaltigen Fortbewegungsmitteln. Hinzu kommen sämtliche Infrastrukturen, mit denen der Verkehr erleichtert wird. Die Ökomobilität umfasst also die Nutzung sauberer Fahrzeuge und all das, was ihren Einsatz ermöglicht: Ladestationen, erneuerbare Energie, Fahrbahngestaltung usw.

Die drei Säulen der Ökomobilität

Electric vehicles on the charging points

Gegenwart und Zukunft der Ökomobilität beruhen auf drei Säulen:

Multimodalität und Intermodalität

Um das Ideal der Ökomobilität zu erreichen, bedarf es einer Vielzahl verfügbarer Verkehrsmittel. Ob in der Stadt oder auf dem Land: Jeder Mensch sollte zu jeder Tages- und Nachtzeit Zugang zu einem oder mehreren Verkehrsmitteln haben, die seinen Bedürfnissen entsprechen. Intermodalität hingegen bedeutet, für einen Weg mehrere Verkehrsmittel zu nutzen und diese so miteinander zu verketten. Diese beiden sich ergänzenden Konzepte sind eine Grundlage für die Verbesserung des Angebots nachhaltiger Mobilität.

Carsharing mit sauberen Fahrzeugen

Multimodalität und Intermodalität beruhen in erster Linie auf sauberen Fahrzeugen, die gemeinsam genutzt werden. So bietet beispielsweise das Free Floating Carsharing den Vorteil, dass die Fahrzeuge überall geparkt werden können. Auf der ganzen Welt entwickeln die Autohersteller und traditionelle Mietwagenfirmen gemeinsame Carsharing-Angebote. Meistens beginnen diese Partnerschaften mit Tests in einer Stadt. Anschließend kommen sie in anderen Gebieten, die über ein geringeres Mobilitätsangebot verfügen, zum Einsatz.

Neue Technologien

Heutzutage stehen auch zahlreiche Apps für die Angebote der Ökomobilität zur Verfügung. So erfolgt der Zugang zu Carsharing-Fahrzeugen oft nur durch einen einzigen Klick. Und alles, was wir aus der Science-Fiction-Literatur kennen, könnte durchaus Wirklichkeit werden!

Renault entwickelt diverse elektrische und autonome Konzeptfahrzeuge, um die Mobilität in der Stadt zu erleichtern. Mit dem EZ-GO beispielsweise – einem Robo-Taxi mit futuristischem Design – können bis zu sechs Personen selbstständig durch ein definiertes Gebiet befördert werden. Die Bestellung des Fahrzeugs erfolgt über eine App, die Lokalisation der Fahrgäste über GPS.

Die Herausforderungen der nachhaltigen Mobilität

Road sign for electric vehicle charging stations

Eine der Herausforderungen der nachhaltigen Mobilität besteht darin, die Mobilitätsbedürfnisse aller zu erfüllen, unabhängig von der geographischen und finanziellen Situation der einzelnen Personen.
Um Lösungen zu finden, werden Initiativen ergriffen, insbesondere mit Unterstützung der Automobilhersteller. In Frankreich beteiligen sich diese beispielsweise an einem Experiment mit autonomen Fahrzeugen, das 2019 in 16 Städten gestartet wurde, um bestimmte Gebiete zu erschließen. In den Vereinigten Staaten, Japan und Deutschland werden autonome Autos seit etwa zwei Jahren getestet, wobei jeweils bestimmte Bedingungen gelten. So können in Japan die Fahrzeuge fernüberwacht werden, während in Deutschland immer eine Person am Steuer sitzen muss.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Entfernungen zu verkürzen, so dass jede Person leichter und schneller an ihr Ziel gelangen kann. Das bedeutet, dass die relevanten Orte (Dienstleistungen, Geschäfte usw.) näher an die Wohngebiete herangeführt werden müssen. In Frankreich zum Beispiel bezweckt das 2017 gestartete Programm „Action Cœur de Ville“ die Wiederbelebung von 222 Stadtzentren sehr unterschiedlicher mittelgroßer Städte wie Dunkerque oder Bagnols-sur-Cèze, indem es ein neues Gleichgewicht zwischen Dienstleistungen und Geschäften herstellt. Dies spiegelt sich beispielsweise in der Gründung von Einkaufszentren in der Nähe kleiner Geschäfte wider.

Und schließlich profitiert die Ökomobilität von neuen Arbeitsweisen im Beruf, die keine täglichen Fahrten ins Büro mehr erfordern. Mit der Entwicklung freiberuflicher Tätigkeiten, von Coworking und Homeoffice für Arbeitnehmer lassen sich die Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz auf das Wesentliche beschränken.

Die wichtigsten Akteure der nachhaltigen Mobilität

Letztendlich ist jeder ein Akteur der Ökomobilität. Um dies auch zu erreichen, braucht es eine konkrete öffentliche Politik. Laut einer 2017 veröffentlichten Studie der Arcadis-Gruppe ist Hongkong weltweit der Ort mit der nachhaltigsten Mobilität, insbesondere dank der besonders effizienten U-Bahn. In Europa ist Wien – die Hauptstadt Österreichs – ein Vorbild mit einer autofreien Innenstadt und überwiegend elektrischen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Automobilhersteller spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von elektrischen und autonomen Fahrzeuglösungen, die den Herausforderungen der Ökomobilität und der nachhaltigen Mobilität gerecht werden. Dies gilt auch für alle Unternehmen, die Innovationen für einen sauberen Individual- oder öffentlichen Verkehr schaffen.

Die Ökomobilität umfasst somit alle Transportmöglichkeiten jedes Einzelnen, jedes Unternehmens, jeder Kommune, um zu einer neuen nachhaltigen und sanften Form der Mobilität zu finden. Und dies geschieht durch Innovationen, öffentliche und private Initiativen und gemeinsame Überlegungen der verschiedenen Interessengruppen.

 

Copyright : LeoPatrizi, Tramino, Elektronik-Zeit

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