Alles Wissenswerte zur Crit‘Air-Luftqualitätsplakette in Frankreich

Verfasst von am 30.12.2020 - 3 min

Es ist ein kleiner farbiger Aufkleber für die Windschutzscheibe. Die Crit’Air-Plakette ist nun in einigen französischen Großstädten wie Paris, Lille, Lyon oder auch Marseille Pflicht. Wo erhält man sie? Wie viel kostet sie? Welche Beschränkungen und Vorteile sind daran gebunden? Wir geben Ihnen alles Wissenswerte zur Crit‘Air-Plakette.

Was ist eine Crit’Air-Plakette?

„Crit‘Air“ ist die Handelsbezeichnung des von dem französosichen Ministerium für ökologischen und solidarischen Wandel ausgegebenen Luftqualitätszertifikats (Certificat de qualité de l‘air), mit dem der Schadstoffausstoß von Fahrzeugen bewertet wird.

Optisch ist die Crit‘Air-Plakette ein runder, fälschungssicherer und nicht ablösbarer Aufkleber, der wie die französische Versicherungsplakette auf der Windschutzscheibe angebracht wird. Die Crit‘Air-Plakette kommt in 6 verschiedenen Farben, je nach Schadstoffklasse des Fahrzeugs. Die ältesten und daher am stärksten umweltbelastenden Fahrzeuge bekommen eine graue Plakette mit der Nummer 5. Die saubersten Fahrzeuge hingegen erhalten eine lila Plakette mit der Nummer 1. Elektrofahrzeuge werden mit einer grünen Plakette ohne Nummer versehen: sie gelten ohne Berücksichtigung des Baujahrs als „sauber“.

Critair stickers

 Wozu dient die Crit‘Air-Plakette?

Die Crit‘Air-Plakette erlaubt den Zugang zu jenen französischen Städten, die Umweltzonen (zones à faible émission, ZFE) eingerichtet haben. Diese Zonen werden manchmal „Zonen mit begrenztem Verkehr“ (zones à circulation restreinte) genannt, wenn die Beschränkungen permanent sind (wie in der „Ultra Low Emission Zone“ in London), oder bei sogenanntem differenziertem Verkehr (circulation différenciée, wo nur bestimmte Crit‘Air-Klassen erlaubt sind, bei Überschreitung gewisser Luftverschmutzungsgrenzwerte). So erhalten nur Fahrzeuge, mit einem bestimmten Luftqualitätsstandard Zugang zu diesen Bereichen (ein Zugang bis Crit‘Air 3 schließt beispielsweise die Klassen 4 und 5 aus). Manche Gemeinden haben zudem  Vorteile für umweltschonende Fahreuge eingerichtet (kostenloses Parken, usw.), wobei die Bußgelder bei Nichteinhaltung bis zu 450 Euro gehen.

Paris

Muss man eine Crit‘Air-Plakette haben?

Die Crit‘Air-Plakette für alle Fahrzeuge, die in den Zonen mit begrenztem oder differenziertem Verkehr, sowie in manchen ZFE fahren oder parken, vorgeschrieben. Man muss sie also haben, um in Städten wie Paris, Lyon oder Lille, sowie in vielen weiteren französischen Städten, zu fahren. Dies betrifft sowohl in Frankreich als auch im Ausland gemeldete Fahrzeuge – selbst jene, die von den in diesen Zonen geltenden Verkehrsbeschränkungen befreit sind:  Rettungsfahrzeuge, öffentliche Transportmittel, Fahrzeuge öffentlicher Unternehmen, Fahrzeuge mit einer Behindertenkarte, Umzugswagen oder Lieferfahrzeuge.

Wie erfahre ich die Crit‘Air-Klasse meines Fahrzeugs?

Das französische Ministerium für ökologischen und solidarischen Wandel hat auf seiner Internetseite ein Tool bereitgestellt, mit dem man in wenigen Klicks erfahren kann,  welche Crit’Air-Plakette ihrem Fahrzeug entspricht. Dazu muss die EURO-Abgasnormklasse ihres Fahrzeugs angegeben werden, welche auf dem Fahrzeugschein angegeben ist.

Wo bestelle ich meine Crit’Air-Plakette?

Das Luftqualitätszertifikat und die Plakette können direkt auf der Seite des Ministeriums bestellt werden. Die Registrierung des Fahrzeugs und die Vergabe des Crit‘Air-Plakette sind endgültig und müssen daher nicht erneuert werden. Alle seit dem 1. Januar 1997 zugelassenen Fahrzeuge sind davon betroffen.

zoe parking

Wie teuer ist ein Crit‘Air-Zertifikat?

Der Preis der Crit‘Air-Plakette ist für alle Fahrzeuge derselbe. Der Betrag deckt Verwaltungs-, Druck- und Versandkosten, aber auch die Kosten für die Aufrechterhaltung und Entwicklung des Dienstes. Seit dem 1. März 2018 kostet sie in Kontinentalfrankreich 3,62€ (ohne Versandkosten).

Klassifizierung der Crit‘Air-Plakette-Farben nach Fahrzeug

Die Crit‘Air-Plaketten haben verschiedene Farben, je nach Abgasklasse des betroffenen Fahrzeugs. Diese Klassifizierung der Fahrzeuge wird von dem Ministerium anhand der EURO-Normklasse des Fahrzeugs und anderer Umweltkriterien erstellt. Die Farbe der Crit‘Air-Plakette gibt also an, von welchen Verkehrsbeschränkungen das Fahrzeug betroffen ist.

Grüne Crit‘Air

Grüne Crit‘Air-Plakette

Die weiße Plakette mit dem grünen Rand ist den saubersten Fahrzeugen verbehalten: den Elektro- und Wasserstofffahrzeugen. Sie hat keine Nummer, da diese Fahrzeuge im Betrieb als „sauber“ gelten, egal wie alt sie sind.

Crit‘Air 1

Lila Crit‘Air-Plakette 1

Sie wird Erdgasfahrzeugen (NGV oder LPG), Plug-In-Hybriden und Benzinern der Klassen EURO 5 und EURO 6, die nach dem 1. Januar 2011 zugelassen wurden, vergeben.

Crit‘Air 2

Gelbe Crit‘Air-Plakette 2

Für Benziner der Klasse EURO 4 (Januar 2006 bis Dezember 2010) und Dieselfahrzeuge der Klassen EURO 5 und EURO 6 (ab Januar 2011).

Crit‘Air 3

Orange Crit‘Air-Plakette 3

Für Benziner der Klassen EURO 2 und EURO 3 (Januar 1997 bis Dezember 2005) und Dieselfahrzeuge der Klasse EURO 4 (Januar 2006 bis 2010).

Crit‘Air 4

Braune Crit‘Air-Plakette 4

Für Dieselfahrzeuge der Klasse EURO 3 (Januar 2001 bis Dezember 2005).

Crit‘Air 5

Graue Crit‘Air-Plakette 5

Für Dieselfahrzeuge der Klasse EURO 2 (Januar 1997 bis Dezember 2000).

Welche Crit‘Air-Plaketten dürfen in Paris und im Pariser Raum fahren?

In Paris, sowie in 56 umliegenden Gemeinden, die ganz oder zum Teil innerhalb der A86 (großer Autobahnring von Paris) liegen, erstreckt sie die größte ZFE Frankreichs. Seit 2019 sind die Fahrzeuge der grauen Crit‘Air-Plakette 5, sowie ältere Fahrzeuge, die keiner Crit‘Air-Klasse angehören (vor Januar 1997 zugelassen), dort verboten. All diese Regeln werden in den kommenden Jahren verschärft (verbot der Crit‘Air-Klasse 4 im Jahr 2021, Klasse 3 im Jahr 2022, Klasse 2 im Jahr 2024). Ziel ist, dass ab 2030 nur noch saubere Fahrzeuge (mit einer grünen oder lila Plakette, also Elektro- oder Hybridautos) im Pariser Raum fahren. Diese ZFE soll auf insgesamt 80 Gemeinden ausgeweitet werden. Die Stadt Paris selbst (ohne Wälder und Autobahnring) ist bereits jetzt strenger, da Fahrzeuge mit der braunen Crit‘Air-Plakette 4 dort verboten sind.

 

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