Belle-Île-en-Mer: bald eine neue Smart Island

Verfasst von am 21.09.2018 - 5 min

Sonnenkollektoren, intelligente Ladestationen, stationäre Energiespeicher und Elektroautos im Selbstverleih: Belle-Île-en-Mer wird bald ein Vorbild für die Energiewende sein. Ziel des von Renault und Morbihan Énergie geleiteten Projekts ist es, die Abhängigkeit der Insel von der Versorgung mit fossilen Brennstoffen vom Festland zu reduzieren und die Entwicklung der Elektromobilität zu fördern.

Renault setzt das Smart Island Projekt fort. Nach Porto Santo unterzeichnete Renault am 20. September eine Absichtserklärung über die Teilnahme am Energiewendeprojekt der Insel Belle-Île-en-Mer in der Bretagne. Dieses Projekt im Rahmen der Umweltpolitik der Ponant-Inseln will die Nutzung erneuerbarer Energiequellen mit Hilfe von Stromspeichern und intelligenten Steuerungslösungen fördern. Die Elektromobilität ist die Speerspitze dieser Initiative, die von lokalen Mandatsträgern und Enedis, dem Betreiber des lokalen Stromnetzes, unterstützt wird.

Förderung erneuerbarer Energien

ZOE im Hafen von Belle-Ile

Seit 2019 steht den Inselbewohnern und den Besuchern von Belle-Île-en-Mer eine Flotte von Elektroautos im Selbstverleih zur Verfügung. Diese Fahrzeuge – Renault ZOE und Kangoo Z.E. – werden an einem Netz von Ladestationen, die in der Nähe der wichtigsten Sehenswürdigkeiten installiert sind, mit Strom betankt.

Die gesamte Flotte nutzt den Überschuss an elektrischer Energie, die von den Sonnenkollektoren auf den Dächern der größten öffentlichen Gebäude erzeugt wird. Die Infrastruktur wird von Morbihan Énergie installiert, die bereits zur Einrichtung zahlreicher Ladestationen im gesamten Departement beigetragen hat.

„Unser Beitrag ist das intelligente Ladesystem, mit dem das Laden der Elektroautos gestartet werden kann, wenn die Gebäude mehr Energie produzieren als sie verbrauchen“, sagt Nicolas Schottey, Leiter des New Business Energy-Programms der Groupe Renault.

Nicolas Schottey, Leiter des New Business Energy-Programms der Groupe Renault
Nicolas Schottey, Leiter des New Business Energy-Programms der Groupe Renault

Ein Beispiel? „Die Sonnenkollektoren auf dem Dach der Schule heizen und beleuchten die Unterrichtsräume, aber die an den Wochenenden oder während der Schulferien erzeugte Energie wird nicht direkt vom Gebäude verbraucht. Also benutzen wir sie zum Laden der Autos“, erklärt er. Ziel des Systems ist es also, im Sinne kurzer Versorgungsketten und der Unabhängigkeit vom Festland die Energie so nahe wie möglich am Erzeugungsort zu verbrauchen.

Verantwortlicher Renault ZOE in Belle-Île-en-Mer

Die Agentur Locatourisle, die Elektroautos vermietet, wird die von Renault entwickelten Flottenmanagement-Tools nutzen können, um die Fahrzeuge zu lokalisieren, das Laden zu optimieren und den Carsharing-Service über die Renault Mobility App zu betreiben.

Speichern von Sonnenenergie zum Heizen

Das Projekt beschränkt sich nicht nur auf die Mobilität. Es will auch andere Anwendungen fördern, bei denen der Energieverbrauch durch einen lokal erzeugten Strom optimiert wird. Zu diesem Zweck kommt die stationäre Stromspeicherung zum Einsatz.

Renault wird das größte Feriendorf der Insel mit Second-Life-Batterien aus seinen Elektroautos versorgen. Sie werden den tagsüber durch Sonnenkollektoren erzeugten Strom speichern und ihn abends wieder abgeben – hauptsächlich in Form von Wärme für die Bungalows der Urlauber. Da das Feriendorf nun in der Lage ist, jede Ferienwohnung einzeln zu heizen, dürfte es seine Öffnungszeit verlängern können, die bisher aufgrund der hohen Betriebskosten der Zentralheizung begrenzt war. Das große Thalassozentrum auf Belle-Île könnte mit einem ähnlichen System ausgestattet werden, mit dem in diesem Fall das für die Behandlungen verwendete Meerwasser erwärmt werden könnte.

In beiden Fällen bietet die Energiespeicherung zusätzliche Flexibilität und das Versprechen hoher Einsparungen.

Demokratisierung innovativer Anwendungen

Verantwortlicher Renault ZOE in Belle-Île-en-Mer

Das Feriendorf wird auch eine Ladestation für die Elektroautos im Selbstverleih erhalten – eine gute Möglichkeit, den Urlaubsgästen die Vorteile des Carsharings zu zeigen.

„Das Projekt in der Größenordnung von Belle-Île soll zeigen, wie die Mobilität mit Hilfe von Elektroautos anders angegangen werden kann: Das Carsharing richtet sich sowohl an die Bewohner – ständige Bewohner oder Besitzer eines Zweitwohnsitzes auf der Insel – als auch an Touristen“, fügt Nicolas Schottey hinzu. Mit staatlicher Unterstützung werden auch Schulungs- und Sensibilisierungsveranstaltungen organisiert.

Das „Smart Island“-Modell zukunftsfähig machen

Es handelt sich um ein groß angelegtes Projekt, aber das ist für Renault keine Premiere. Die Gruppe verfügt über Erfahrungen aus einem „Smart Island“-Pilotprojekt auf Porto Santo[https://easyelectriclife.groupe.renault.com/fr/tendances/territoires/a-porto-santo-cap-sur-la-transition-energetique/], einer Nachbarinsel von Madeira (Portugal). Dort war die Ausgangslage noch schwieriger, da diese Insel wirklich im Meer isoliert ist, ohne Stromversorgung vom Festland. Die Probleme sind jedoch sehr ähnlich. Und auch die Methode, denn der Autohersteller arbeitet Hand in Hand mit einer Vielzahl von Partnern. Öffentliche und private Akteure unterschiedlicher Sparten, sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene, schaffen die Voraussetzungen für Energiewende und Elektromobilität.

„Wir entwickeln Gesamtlösungen mit Hilfe von bereits bewährten, aber auch neueren Technologien, um den lokalen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Optimierungen, die auf Belle-Île umgesetzt werden, können auf die anderen Ponant-Inseln, aber auch auf Städte oder Stadtviertel übertragen werden“, bemerkt Nicolas Schottey.

 

Copyrights: Yannick BROSSARD und Olivier MARTIN-GAMBIER

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