Europas Niedrigemissionszonen

Verfasst von am 25.03.2020 - 5 min

In einer Niedrigemissionszone dürfen nur die schadstoffärmsten Fahrzeuge fahren. Diese Bereiche sollen dazu beitragen, die Luftverschmutzung in den Städten zu reduzieren. Immer mehr Kommunen in rund einem Dutzend europäischer Staaten haben sich dazu entschlossen, ihren Stadtbereich umweltfreundlicher zu gestalten und greifen auf diese Maßnahme zurück.

Was ist eine Niedrigemissionszone?

Véhicules sur route

Eine Niedrigemissionszone ist ein Stadtgebiet, in dem die Zufahrt und der Verkehr auf die schadstoffärmsten Fahrzeuge beschränkt ist. Die Zufahrtskriterien für diese Zonen werden von den Behörden im Hinblick auf die technischen Merkmale und das Alter der Fahrzeuge festgelegt: Im Allgemeinen sind Fahrzeuge mit älteren Motoren bzw. ohne Schadstofffilter in solchen Zonen verboten.

Der Nutzen dieser Niedrigemissionszonen für die öffentliche Gesundheit kann durch die tägliche Fernmessung der Luftverschmutzung ermittelt werden. Die Einführung eines Fahrverbots für Fahrzeuge mit besonders hohem Schadstoffausstoß führt zu einem Rückgang der Feinpartikel – und Treibhausgasemissionen, da diese Umweltbelastungen durch eine Verringerung der Fahrzeuge in der Stadt gesenkt werden.

In Niedrigemissionszonen verhängt die Behörde in der Regel Bußgelder gegen Fahrer, die sich nicht an die Fahrverbote halten. In einigen Länder wird die Schadstoffklasse der Fahrzeuge anhand spezieller Umweltplaketten (die gut sichtbar auf die Windschutz geklebt werden) oder Kameras (die das Kennzeichen mit dem Eintrag bei der Fahrzeugregistrierungsstelle abgleichen) kontrolliert.

Niedrigemissionszonen können sich auch in Ökovierteln befinden, wo man auf sanfte Mobilität setzt. Mehrere, im Bereich der Elektromobilität führende europäische Länder ergreifen Initiativen für eine umweltfreundlichere Stadtentwicklung. Es entstehen Smart Cities – futuristische Städte, in denen Energieeffizienz, automatisierte Verkehrskontrollen oder Datenerfassung das Lebensumfeld und die ökologischen Auswirkungen dieser Viertel verbessern.

Eine Umweltmaßnahme mit vielen Namen

Zonen, die einem schadstoffarmen Verkehr vorbehalten sind, werden ganz unterschiedlich bezeichnet. In Frankreich nennt man die Zonen mit den niedrigsten Umweltschutzauflagen „Zones de Protection de l’Air“ (ZPA). Seit 2017 wird in diesen Gebieten, die oft die Größe mehrerer Gemeinden haben, ein differenziertes Verkehrssystem angewendet: Die ältesten Fahrzeuge oder solche ohne Partikelfilter sind in Zeiten erhöhter Luftverschmutzung verboten.

In den sogenannten ZFE oder „Zones à faibles émissions“ gilt das Fahrverbot für Fahrzeuge mit dem höchsten Schadstoffausstoß nicht nur für einen bestimmten Zeitraum, sondern grundsätzlich. Ein Schild kennzeichnet den Beginn und das Ende dieser Zonen. Die Kommunen entscheiden darüber, welche Fahrzeugkategorien in ihrem Stadtgebiet erlaubt sind. Nur Fahrzeuge mit bestimmten Crit’Air-Umweltplaketten sind dazu berechtigt, in diese Zonen einzufahren.
Der Begriff „Zone à Faible Emission“ ersetzt den bis zum Ende 2019 benutzten Begriff „Zone à Circulation Restreinte“ (ZCR) gleich den verkehrsberuhigten Zonen.

Auf internationaler Ebene bezeichnet man mit dem englischen Begriff „Low Emission Zone“ oder LEZ generell Niedrigemissionszonen. Auch die Abkürzung „ZEZ“ für „Zero Emission Zone“ ist weit verbreitet. In diesen Zonen dürfen nur Elektroautos und emissionsarme öffentliche Verkehrsmittel fahren.

Die ZFE-Niedrigemissionszonen in Frankreich und die Crit’Air-Umweltplakette

In Frankreich gibt es derzeit vier ZFE-Niedrigemissionszonen: eine im Großraum Paris, eine in Lyon, eine weitere in Grenoble und eine vierte in Straßburg. Der Verkehr in diesen Bereichen wird mithilfe der Crit’air-Umweltplakette geregelt. Diese Vignette ist für sechs Schadstoffklassen erhältlich, wobei die Vignette Crit’Air 0 für Fahrzeuge mit Null Emissionen, beispielsweise Elektroautos, vergeben wird und die Vignette Crit’Air 5 für Fahrzeuge mit besonders hohem Schadstoffausstoß. Ältere, als besonders umweltbelastend geltende Verbrennermodelle werden schlichtweg keiner Klasse zugeordnet und laufen unter „non classés“. Beantragt werden diese Umweltplaketten online unter certificat-air.gouv.fr.

Paris du dessus

Die ZFE-Niedrigemissionszonen im Großraum Paris

Im Großraum Paris wurde eine „Zone à Faible Émission“ eingerichtet, die die ganze Stadt Paris und 82 Kommunen des Innenrings abdeckt, wobei noch nicht alle Kommunen die entsprechenden Verordnungen erlassen haben. Die geografische Grenze bildet die Autobahn A86. Im Raum Paris (ohne die Ringautobahn, den Bois de Boulogne und den Bois de Vincennes) sind Fahrzeuge mit Crit’Air-Schadstoffklassen 4 und 5 sowie Fahrzeuge ohne Crit’Air-Plakette verboten. In den Vororten sind in allen Kommunen der ZFE-Niedrigemissionszone des Großraums Paris die Crit’Air-4-Plaketten zulässig. Die Fahrverbote dürften sich mit der Zeit auf andere Fahrzeugkategorien ausdehnen: 2024 wird die Stadt Paris Fahrzeuge mit einer Crit’Air-Klasse von über 2 aus der Innenstadt verbannen und somit ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge als schadstoffreichste Emissionsquelle aussprechen.

Niedrigemissionszonen und ihre Umweltplaketten in Europa

2019 gab es in rund einem Dutzend Länder circa 300 Niedrigemissionszonen. Die jeweilige Euro-Schadstoffklasse verweist, wie auch beim Crit’Air-System, generell darauf, welche Fahrzeuge einfahren dürfen. Die konkreten Bedingungen jedoch sind von Land zu Land unterschiedlich. In einigen Städten muss man sich online anmelden, um fahren zu dürfen, in anderen muss man auf dem Postweg eine Plakette (für die Windschutzscheibe) anfordern. Reisende in Europa sollten sich also vorher genauestens über die Zufahrtsbedingungen der jeweiligen Städte erkundigen!

Registrierung für Niedrigemissionszonen in Belgien

Die belgischen Niedrigemissionszonen, genannt ZFE oder „Zones de Basses Émissions“, sind nur wenigen Fahrzeugen vorbehalten. Sie befinden sich in Brüssel und in Antwerpen und dürfen nur befahren werden, wenn die Fahrzeuge auf den Websites der beiden Kommunen registriert wurden. In die belgische Hauptstadt dürfen nur Dieselfahrzeuge einfahren, die nach Januar 2006 zugelassen wurden (Abgasnorm Euro 3).
Seit Januar 2020 gibt es auch in Gent Niedrigemissionszonen. Mechelen wird bald folgen, ebenso wie die Gemeinden Namur, Eupen und Lüttich in der wallonischen Region.

Eglise Bruxelles

“Milieuzones“ – Die Umweltzonen der Niederlande

Amsterdam, Rotterdam und Utrecht haben „Milieuzones“ eingeführt, in denen bestimmte Fahrzeugkategorien verboten sind. Eine Vorabregistrierung ist nicht erforderlich, Diesel-Pkws aus der Zeit vor 2001 dürfen jedoch in Utrecht und Rotterdam nicht fahren. Diese Beschränkungen sollen im Laufe des Jahres 2020 in der aktuellen Gesetzgebung auf nationaler Ebene harmonisiert und in Amsterdam, Rotterdam, Utrecht, Amhem und Maastricht einheitlich angewendet werden. Der Einsatz von Elektroautos wird in den Niederlanden innerhalb von Öko-Vierteln gefördert.

Niedrigemissionszonen und ihre Plaketten in Deutschland

Deutschland war eines der ersten Länder, das Niedrigemissionszonen, genannt Umweltzonen, eingeführt hat. Hunderte von Städten wenden das System des differenzierten Verkehrs an: Nur Dieselfahrzeuge, die nach 2006 zugelassen wurden, Benziner, die nach 1993 zugelassen wurden und natürlich Elektroautos dürfen in die Innenstadt einfahren. Eine bei zugelassenen Händlern erhältliche Umweltplakette berechtigt zum bußgeldfreien Befahren dieser Zonen. Einige Städte griffen zu drastischeren Maßnahmen, wie zum Beispiel Hamburg, Stuttgart oder Berlin. Hier werden Dieselfahrzeuge mit einer Schadstoffklasse unterhalb der Euro 6-Norm für ganze Streckenabschnitte oder Stadtviertel verboten.

Italien verlangt Online-Registrierung für Touristen

In Italien wurden in über 100 Kommunen die vor allem für Touristen geltenden „Zona a traffico limitato“ (ZTL) eingeführt. Sie ermöglichen die Regulierung des Automobilverkehrs auch unabhängig von Umweltkriterien. In einigen Städten dienen diese Umweltzonen dazu, das Kultur- oder Naturerbe vor Ort zu schützen. Die Gebietswahl der Umweltzonen hängt also von mehreren Faktoren ab. Die Kommunen haben das System auf nationaler Ebene nicht harmonisiert: Wenn Sie also in Italien von einer Stadt zur nächsten fahren, sollten Sie sich vorher erkundigen, ob beispielsweise eine Online-Registrierung notwendig ist.

Niedrigemissionszonen und ihre Plaketten in Spanien

In Madrid wurde eine Umweltplakette zum Befahren der „Zona de baja emisión“ eingeführt, sie betrifft jedoch nur Fahrzeuge mit spanischer Zulassung: In der iberischen Hauptstadt stellen die Gastgeber den ausländischen Besuchern „Einladungen“ aus, damit sie vorbehaltlich eines neuwertigen oder schadstoffarmen Fahrzeugs in das Stadtzentrum einfahren dürfen. Dieselfahrzeuge vor 2006 und Benziner vor 2000 sind in den zentralsten Bezirken verboten.

Auch in Barcelona wurde ein Gebiet abgegrenzt, in dem Benzinfahrzeuge mit einer Schadstoffklasse unter Euro 2 und Dieselfahrzeuge unter Euro 4 ab 2020 unter der Woche von 7 Uhr bis 20 Uhr nicht einfahren dürfen. Dieser Bewegung dürften sich in den nächsten Jahren 138 weitere spanische Städte anschließen, denn die Kommunen sind gesetzlich dazu verpflichtet, ab einer Größe von 50 000 Einwohnern Umweltzonen einzurichten.

Niedrigemissionszonen und ihre Plaketten in Portugal

In Lissabon gibt es zwei Zonen, die tagsüber nur für Fahrzeuge bestimmter Schadstoffklassen zulässig sind: Das historische Zentrum, in das nur Fahrzeuge mit einer Zulassung ab 2000 einfahren dürfen, und das äußere Stadtgebiet, in dem Fahrzeuge mit einer Zulassung ab 1997 fahren dürfen.

Niedrigemissionszonen und ihre Plaketten in Großbritannien

Im Frühjahr 2019 führte London eine besonders strenge Umweltzone, die „Ultra Low Emission Zone“ oder „ULEZ“ ein. Wer mit einem umweltschädlichen Fahrzeug in diese kameraüberwachte Zone einfährt, muss eine hohe Abgasgebühr zahlen: Jedes vor 2006 (Benzin) und 2015 (Diesel) zugelassene Auto ist davon betroffen und wird mit einer Tagesgebühr von etwa 15 Euro belegt.

Die Einführung von Umweltzonen in Europa beruht auf einer globalen Politik. Durch das schrittweise Verbot der umweltschädlichsten Fahrzeuge in den Stadtzentren der europäischen Metropolen regen die Behörden die Menschen dazu an, umweltbewusst zu denken und neue Verkehrsmittel in Betracht zu ziehen. Hier steht natürlich das Elektroauto an vorderster Stelle: Da es die Umwelt weder mit Treibhausgasemissionen noch mit Abgasen belastet, kann es in sämtliche Niedrigemissionszonen Europas unbehelligt einfahren.

 

Copyright : deberarr, zorazhuang, LeoPatrizi, Drazen_

 

Wie Elektrizität das Automobil, die Energie, die Territorien verdändert...

ich entdecke das ereignis
 

Bleiben Sie dran! Erhalten Sie den Newsletter #EasyElectricLife.

Ich melde mich an

Meistgeteilte Artikel