In Südkorea zeigt Songdo, wie die Smart City von morgen aussehen wird

Verfasst von am 22.06.2018 - 3 min

Unter den neuen Städten, die in den letzten fünfzehn Jahren entstanden sind, hat Songdo das Smart City Konzept am weitesten vorangetrieben: Alle Infrastrukturen sind darauf ausgerichtet, den Komfort und die Sicherheit der Einwohner zu verbessern und gleichzeitig die ökologischen Auswirkungen ihrer Aktivitäten mittels einer kontinuierlichen Analyse der entsprechenden Daten in Grenzen zu halten.

Die in der Nähe des Flughafens von Seoul errichtete Stadt Songdo wird wohl nie die unendlichen Staus erleben, die die Hauptstadt Südkoreas tagtäglich lähmen. Auf den Straßen dieser Trabantenstadt, die etwa 50 Kilometer von Seoul entfernt gebaut wurde, analysieren Tausende von Sensoren den Verkehr. Sie erkennen Staugefahren und passen die Routenanweisungen für die Fahrer in Echtzeit an die Verkehrsverhältnisse an.

Songdo wurde wie ein lebender Organismus gebaut

Der Geschäftsbezirk von Songdo

Songdo ist eine Planstadt, die von einem Konsortium privater Investoren förmlich aus dem Boden gestampft wurde. Ihr Ziel? Das Testen der Infrastrukturen, die morgen mit Hilfe der kontinuierlichen Analyse aller Daten im Zusammenhang mit den menschlichen Aktivitäten zur Entstehung der Smart City beitragen werden.

Das Computerhirn von Songdo wertet diese Informationen aus, um ein optimales Funktionieren der verschiedenen öffentlichen Dienstleistungen zu ermöglichen: Wasser- und Stromversorgung, öffentliche Verkehrsmittel, Stadtverwaltung usw. Die Planer der Stadt definieren Songdo als eine „ubiquitäre“ Stadt, d.h. als ein Gebilde, dessen Systeme wie bei einem lebenden Organismus miteinander verwoben und vernetzt sind.

In Songdo begegnet man zum Beispiel keinem Müllwagen mehr, denn alle Gebäude sind über ein pneumatisches System direkt mit einer unter der Erde versteckten Recyclinganlage verbunden. Die von dieser Anlage erzeugte Wärme wird zurückgewonnen und zur Beheizung der Büros und Wohnungen verteilt. Überall werden die Nutzungen überwacht und der Verbrauch so genau wie möglich gemessen, um eine neutrale oder sogar positive Kohlenstoffbilanz auf Ebene der Stadt zu erhalten.

Auch oberirdische Parkplätze gibt es kaum: Alle Parkgaragen sind unterirdisch, um möglichst viel Platz für die städtischen Infrastrukturen, für die Fußgänger und für die Natur zu lassen.

Die Smart City, ein Modell der Zukunft

Zurück auf der Straße: Dank der unzähligen Sicherheitskameras, die die Stadt überwachen, ist das System in der Lage, bei einem Unfall automatisch die Einsatzkräfte zu alarmieren. Es leitet auch die Fahrzeuge um, die auf der betreffenden Strecke unterwegs sind, indem es mit den Navigationssystemen der Autos interagiert. Dank der Erkennung des Nummernschilds kann es auch die verunfallte Person identifizieren: Bei Notfällen kann auf diese Weise direkt auf die Patientenakte zugegriffen werden, um die Versorgung zu verbessern.

Das Modell der Smart City wirft natürlich berechtigte Fragen auf, wie z.B. im Zusammenhang mit dem Datenschutz. Aber es veranschaulicht gut, wie es mit intelligenten Netzwerken in Zukunft möglich sein wird, den Verkehrsfluss zu verbessern und den Verbrauch der Ressourcen zu optimieren. Während Songdo seine Entwicklung fortsetzt, denken seine Konstrukteure darüber nach, ihr Konzept in Nachbarländer wie China oder Indien zu exportieren. Sie sind zuversichtlich, dass das Modell alle Gemeindeverwaltungen interessieren wird, die mit den sozialen und ökologischen Problemen einer rasanten Urbanisierung konfrontiert sind.

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