Sechs Öko-Viertel, die es in Europa zu entdecken gibt

Verfasst von am 24.03.2021 - 4 min

Wie können Städte nachhaltig entwickelt werden? Von London und Freiburg bis Grenoble und Stockholm – sechs Öko-Viertel zeigen auf vielfältige Weise, wie sich diese Frage beantworten lässt. Das gilt für Hochhäuser ebenso wie für die unmittelbare Nachbarschaft und den Zugang zu nachhaltiger Mobilität...

Sie kombinieren innovativen Wohnungsbau, intelligentes Ressourcenmanagement, kreislauforientiertes Recycling und eine Infrastruktur für geteilte Mobilität und Carsharing (vor allem in Europa). Die zahlreichen Öko-Stadtteile, die in den letzten Jahren in ganz Europa entstanden sind, verfolgen ein ähnliches Ziel wie die “intelligenten Inseln”, an denen Mobilize, die neue Dienstleistungsmarke der Renault-Gruppe, arbeitet, um die Energiewende zu fördern und eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.

 

#1 BedZED

Sutton (Vereinigtes Königreich)

Ein Vorbild für Ökodesign

Ökoviertel BedZED

Das Öko-Viertel Beddington wurde 2002 auf einer ehemaligen Mülldeponie in Sutton, einem Wohnbezirk im Süden Londons, eröffnet. Die Wohnsiedlung mit 82 Wohnungen trägt den Namen Beddington Zero Energy Development (kurz: BedZED). Der Name verweist auf das bei der Gründung gesetzte Ziel: eine Wohnanlage zu entwerfen, die keine fossilen Brennstoffe verbraucht. Er wird von Sonnenkollektoren gespeist und schützt die Bewohner hinter dreifach verglasten Fenstern und 50 Zentimeter dicken Wänden, die mit natürlichen Dämmstoffen gefüllt sind. Erkennbar an ihren Fassaden aus Holz und rotem Backstein, kompensieren die BedZED-Gebäude dank ihrer riesigen begrünten Dächer auch die durch menschliche Aktivitäten verursachten Treibhausgasemissionen. Noch heute zieht das Ökodesign von BedZEN neugierige Besucher aus aller Welt an.

#2 BO01

Malmö (Sweden)

Erneuerbare Energie und Wohnkomfort

Ökoviertel of Malmö (schwedische)

Malmö, die drittgrößte Stadt Schwedens, nützt die ehemaligen Industriegebiete von Västra Hamne, um ein Öko-Viertel zu bauen, das sich auch auf internationaler Bühne sehen lassen kann. Das 2001 ins Leben gerufen Projekt wurde zum Anlass genommen, eine Messe zum Wohnen der Zukunft auf europäischer Ebene zu etablieren. Auch ihr Name ist eng mit dem Projekt verbunden: Bo01. Das Malmöer Öko-Viertel, das zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen gespeist wird, legt besonderen Wert auf den Komfort seiner Bewohner und bietet dafür große Grünflächen, die von Fahrradwegen durchzogen sind, und ein Netz von Elektrobussen, die geräuschlos fahren.

#3 ZAC DE BONNE

Grenoble (Frankreich)

Wenn Ökonomie und Ökologie Hand in Hand gehen

Grenoble (Frankreich)

Die Initiative ZAC de Bonne in der Stadt Grenoble wurde 2003 ins Leben gerufen. Auf einer Fläche von 8,5 Hektar mit 40 % Grünflächen gibt das Öko-Viertel Antworten auf die ökologischen und sozialen Herausforderungen dichter Stadtgebiete. Die verbrauchsarmen Gebäude werden mit Solarzellen betrieben und beherbergen über 40 % Sozialwohnungen, eine Schule, einen Kindergarten, ein Kino und ein Einkaufszentrum. Jede Einheit verfügt über einen Tiefgaragenstellplatz, während Parkplätze im Freien kaum zu finden sind, um die Fläche für gemeinschaftliche Lösungen nutzen zu können. So befinden sich beispielsweise Carsharing-Stellplätze direkt vor den Gebäuden.

#4 VAUBAN

Freiburg (Deutschland)

Großer Maßstab, kleine Entfernungen

Ökoviertel Vauban (Deutschland)

In der Nähe von Freiburg in Deutschland gelegen, beherbergt der 40 Hektar große Stadtteil Vauban mehr als 5.500 von Bäumen eingebettete Wohnungen. Die Gebäude reihen sich in Längsrichtung aneinander, die Dächer sind nach Süden ausgerichtet und mit Solarzellen bedeckt. In Vauban wird die Fortbewegung zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln ebenso gefördert wie die Nutzung neuer urbaner Mobilitätsformen. Die Bewohner sind auch aufgefordert, sich an der Schaffung von Lösungen zu beteiligen, die zu ihrem täglichen Leben passen. So wurde in den frühen 2000er Jahren eine gemeinnützige Organisation gegründet, die einen Carsharing-Service betreibt.

#5 HAMMARBY SJÖSTAD

Stockholm (Schweden)

Elektromobilität an vorderster Front

econeighborhood Hammarby sjostad

Das am Ufer eines Sees liegende ehemalige Industrie- und Hafengebiet Hammarby Sjöstad wurde im Zuge der schwedischen Bewerbung für die Olympischen Spiele 2004 renoviert. Das 1996 begonnene Projekt sollte die Entwicklung eines Stadtteils fördern, in dem Innovation und Ökologie zusammenkommen. Mit einer Kapazität von 30.000 Einwohnern ist Hammarby heute eine weltweite Referenz für Öko-Viertel. Zu den Initiativen der Stadt gehörte beispielsweise ein kostenloses Carsharing-Angebot mit Renault ZOE in Zusammenarbeit mit Hertz im Jahr 2018. Die Elektromobilität im Allgemeinen ist weit entwickelt – neben Autos fahren auch die Busse der Stadt mit Strom – und die lokalen Behörden fördern diese Art der Fortbewegung stark.

#6 Lombok

Utrecht

Nächster Halt: Vehicle-to-Grid

Radfahrer und ZOE in Utrecht

Das Öko-Viertel Lombok im niederländischen Utrecht gibt einen Vorgeschmack auf die Rolle, die das Elektroauto in sogenannten Smart-Citys spielen wird. Die Bewohner haben Zugang zu einem Carsharing-Service mit 150 Renault ZOEs, deren Batterien durch Solarpaneele auf den Dächern der umliegenden Gebäude aufgeladen werden. Wenn das Stromnetz stabilisiert werden muss, können diese Autos auch einen Teil der gespeicherten Energie wieder abgeben. Dieses Prinzip nennt man Vehicle-to-Grid – ein wichtiger Schritt zur Optimierung der Art und Weise, wie Energie erzeugt, verteilt und verbraucht wird.

econeighborhood Copenhagen

Die Mobilität in Öko-Vierteln

Einer der Schwerpunkte von Öko-Vierteln ist es, “sanfte Mobilität” zu etablieren. Schon in der Planungsphase wird darauf geachtet, dass Nachbarschaften rund um Wohnungen, Dienstleister und Geschäfte errichtet werden. Nachhaltige Mobilitätsformen wie – oft kostenloses – Carsharing sind leicht zugänglich, Fahrradwege sind überall vorhanden. Elektro- und Plug-in-Hybrid-Autos werden bevorzugt, auch außerhalb der Öko-Nachbarschaft, Ladestationen sind flächendeckend vorhanden.

Diese sauberen Mobilitätslösungen erfordern auch die Nahtlosigkeit des Verkehrsnetzes über die Öko-Nachbarschaft hinaus. Dies ist der erste Grundstein für die Neugestaltung einer Stadt und ihrer Mobilität im Allgemeinen. Ein Beispiel entsteht in Wien. Der im Bau befindliche Stadtteil „Wildgarten“ ist eine Erweiterung der österreichischen Hauptstadt. Es wird den Bewohnern zahlreiche Grünflächen und fast 650 Ladestationen für Elektrofahrzeuge bieten. In Italien ist die Öko-Nachbarschaft Quattro passi in der Provinz Treviso ein nachhaltiges Co-Housing-Projekt mitten auf dem Land, das aus nur acht Gebäuden besteht. Das Viertel ist ausschließlich Fußgängern und Radfahrern vorbehalten, aber direkt mit einem großen Parkplatz und einer Mitfahrzentrale verbunden. In Eko-Viikki, einem Öko-Viertel in Helsinki, wurden nur halb so viele Parkplätze wie Wohneinheiten gebaut, um die Nutzung alternativer Verkehrsmittel zu fördern. Die Straßen innerhalb des Viertels und die zur Anbindung an das restliche Netz wurden übrigens aus Abfallmaterialien gebaut.

solar pannels

Die Kennzeichnung von Öko-Vierteln

Die meisten Länder in Europa haben ihre eigenen Zertifizierungen für die Entwicklung nachhaltiger Nachbarschaften entwickelt – entweder durch Gesetzgebung oder durch NGOs. In Großbritannien zum Beispiel ist die Öko-Nachbarschaft BedZED mit der “One Planet Living”-Zertifizierung des WWF ausgezeichnet.

In Frankreich gibt es das Label “EcoQuartier”, das aus dem Gesetz vom 3. August 2009 im Rahmen der Umsetzung der Grenelle-Umweltgespräche resultiert. Es ist in vier Stufen unterteilt und basiert auf einem Rahmen von zwanzig Verpflichtungen, wie z. B. der Erhaltung der biologischen Vielfalt, kohlenstoffarmer Mobilität und der Berücksichtigung der Bedürfnisse der Nutzer. Dieses Label hat internationales Interesse geweckt, vor allem weil sein Ansatz an verschiedene Projekte angepasst werden kann. So erhielt in Japan die nachhaltige Funabashi Morino City in der Stadt Funabashi, die auf einem stillliegenden Industriegelände errichtet wurde, 2016 das Label EcoQuartier Stufe drei. Der Stadtteil San Antonio in Cali, der drittgrößten Stadt Kolumbiens, erhielt das Label der Stufe zwei. Beide haben sich bereits für die nächsthöhere Stufe beworben.

Öko-Viertel in Belgien werden mit dem “Quartier Durable” (Nachhaltige Nachbarschaft)zertifiziert, das auch den Preis „Green City Belgique“ (Grüne Stadt Belgien) vergibt. 2018 erhielt das Öko-Viertel James, südlich von Namur, den begehrten Preis.

Die Verleihung einer Auszeichnung, welche auch immer es sein mag, setzt voraus, dass Nachhaltigkeitskriterien sowohl vor als auch während der Umsetzung des Projekts erfüllt wurden. Dazu müssen die Bewerber in der Vorphase einen Antrag bei der Zertifizierungsstelle einreichen. Bauträger, Kommunen und Bewohnervereinigungen können sich um die Zertifizierung bewerben.

Merkmale einer Öko-Nachbarschaft

Unabhängig von dem Land, in dem sie sich befinden, erfüllen Öko-Viertel sehr ähnliche Grundsätze, die darauf abzielen, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren. Dazu gehört die sanfte Mobilität, mit der die Installation von Ladestationen für Elektro- oder Plug-in-Hybridfahrzeuge einhergeht, genauso wie der Ausbau von Fahrradwegen, Sonnenkollektoren und Vehicle-to-Grid-Technologie. Die Nutzung erneuerbarer Energien fördert Autarkie und die Nutzung erneuerbarer Energien. Hinzu kommt das Ecodesign: Gebäude oder einzelne Häuser werden aus nachhaltigen Materialien gebaut. Sie sind sehr gut isoliert und verbrauchen daher wenig Energie. Grünflächen und Bäume bieten nicht nur höhere Lebensqualität für die Bewohner, sie fördern auch die Artenvielfalt und schützen vor sommerlicher Hitze. Ein Abfallsystem mit Kompostierung und Recycling ist ebenfalls unerlässlich. Eine Öko-Nachbarschaft ist auch ein Anstoß für positive Verhaltensänderungen, wie gegenseitige Hilfe und Geselligkeit.

 

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