Wie prägen die Nutzungen die Städte von morgen?

Verfasst von am 16.10.2020 - 5 min

Der Mensch, seine Bedürfnisse und sein Verhalten können wesentlich an der Gestaltung der zunehmend fragmentierten Städte von heute mitwirken. Wie? Designer, Architekten und Start-up-Unternehmen arbeiten täglich an diesem Thema.

Städte anhand von Daten gestalten

Kann die Stadt der Zukunft anhand von Daten gestaltet werden? Francesco Cingolani, Architekt und Designer, nutzt Daten, um neue städtische Gebiete entsprechend den Bedürfnissen und Wünschen der Bewohner zu bauen. „Anstelle der Stadt architektonische Gesten und Formen aufzuzwingen, geht es darum, auf Daten zuzugreifen, sie zu lesen und zu interpretieren und daraus Bauten oder eine Reihe von Bauten entstehen zu lassen“, erklärt er dem Medium der Inspiration von JCDecaux und fügt hinzu: „All diese Daten geben eine andere und präzisere Lesart der Immobilienprojekte und ihrer Auswirkungen. Diese Daten sind ein echtes Hilfsmittel bei der Gestaltung“.

Die Gestaltung liegt ihm – ebenso wie die Schaffung – in den Genen. 2014 gründete er „Volumes“, einen Coworking Space im 19. Arrondissement von Paris. Dieses Projekt basiert auf Communities und einem ständigen Wandel. Aus diesem „FabLab“ entstanden ein FoodLab, ein Schulungszentrum in Partnerschaft mit der École des Ponts ParisTech, das Herz der FabCity Grand Paris und „Reflow“, das erste europäische Forschungsprogramm in der Kreislaufwirtschaft. Welche Rolle spielt eigentlich ein „FabLab“ bei der Gestaltung der Stadt?

FabLabs und ihre Auswirkung in der Stadt

Die „Cité des Sciences et de l’Industrie“ in Paris (Industrie- und Wissenschaftszentrum) gibt die folgende Definition für FabLabs: „Ein FabLab (zusammengezogen aus dem Englischen „fabrication laboratory“, also „Fabrikationslabor“) ist ein offener Ort, an dem alle Arten von Werkzeugen, insbesondere computergesteuerte Maschinen, für die Gestaltung und die Herstellung von Objekten zur Verfügung gestellt werden.“ Das FabLab ermöglicht es also, Innovationen zu entwerfen oder sogar auf den Markt zu bringen: „Für kommerzielle Aktivitäten können in einem FabLab Ideen und Prototypen entwickelt werden, aber sie dürfen nicht mit den anderen Nutzungen in Konflikt geraten. Sie müssen über das FabLab hinaus und nicht innerhalb des FabLabs wachsen“, erklärt die Cité des Sciences.
Aber wie erfinden diese Labors konkret die Stadt von morgen neu?
Die FabLabs können zum Beispiel bei der Mobilität eine Rolle spielen. Dies ist der Fall des Labors im mobiLAB, ein 2019 geschaffenes Forschungszentrum zum Thema Mobilität der Zukunft. „Das mobiLAB fungiert als Labor für die sauberen öffentlichen Verkehrsmittel der Zukunft. Es verfolgt das Ziel, den Bewohnern einen hochwertigen Service zu bieten und die wirtschaftlichen Herausforderungen, die auf der Umwelt und den neuen Mobilitätsformen beruhen, einzubinden“, erklärte François de Mazières, Präsident des Gemeindeverbands Versailles Grand Parc, bei der Einweihung. Überall auf der Welt werden diese Kreativräume von Start-ups genutzt. Beispielsweise von dem amerikanischen Start-up Pix Moving, das hybride Fahrgestelle und Fahrgastzellen für autonome Fahrzeuge entwirft, die sich an die jeweilige Nutzung anpassen (Beförderung von Personen oder Paketen). Oder Plastic Road, das über ein modulares System aus einem FabLab eine Alternative zu Bitumen für den Straßenbau entwickelt.
Und wer passt sich den Nutzungen der Städte von morgen an?

Ein FabLab in Großbritannien
Fertigungswerkstatt in einem englischen FabLab – Darya Tryfanava via Unsplash

Die Entstehung der FabCities

Weltweit gibt es 28 FabCities mit 1.300 FabLabs. Die 2011 von Tomás Diez, Leiter des FabLab Barcelona, erfundene FabCity ist eng mit der Philosophie der FabLabs und ihrem Innovationsgeist verbunden. Im Jahr 2018 hieß es im Manifest der FabCity: „Wir geben den Menschen und der Kultur Vorrang vor technischen Objekten, um die Stadt zu einem lebendigen und resilienten Ökosystem zu machen. Autonome Fahrzeuge, digitale Werkzeuge, künstliche Intelligenz und automatisierte Maschinen müssen in den Dienst des Wohlbefindens und der Erwartungen der Menschen gestellt werden“. Somit passt sich die Stadt der Zukunft im größeren Maßstab und mit den FabLabs in ihrem Herzen den realen Bedürfnissen ihrer Bürger an. Und wie immer nehmen die Start-ups die Sache in Angriff.

So beispielsweise 2GetThere, ein holländisches Unternehmen, das autonome Fahrzeuglösungen in rund zehn Städten anbietet, darunter Schiphol in den Niederlanden und Masdar City in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach Angaben des Start-ups haben seine Fahrzeuge bereits mehr als 14 Millionen Menschen befördert. Andere setzen auf Flotten mit autonomen Kleinbussen, um die Fortbewegung in der Stadt einfacher zu machen. Wie May Mobility mit ihren elektrischen Kleinbussen in den Vereinigten Staaten oder Navya in Frankreich.

Innovationen wie diese werden die urbanen Mobilitätsformen weiter verändern und die Stadt entsprechend den Bedürfnissen ihrer Bewohner gestalten

 

Vincent Thobel, Journalist bei L’ADN
L’ADN ist das Innovationsmedium im Web und im Zeitschriftenformat, das jeden Tag die besten Konzepte der neuen Wirtschaft analysiert.

 

 

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