Wie verbessert die französische Armee ihre CO2-Bilanz?

Verfasst von am 10.11.2020 - 6 min

Ein Ende 2019 vom amerikanischen Pentagon in Auftrag gegebener Bericht sagt den Zusammenbruch der US-Armee in den nächsten 20 Jahren aufgrund des Klimawandels voraus. Wie sieht es in Frankreich aus?

Im Jahr 2019 hat das französische Ministerium der Armeen 835.000 m3 Erdölprodukte verbraucht. Damit ist es der größte Energieverbraucher des Landes. 73% dieses Verbrauchs dient der Mobilität der Boden-, Marine- und Luftflotten. Angesichts dessen wendet sich das Ministerium nun seiner CO2-Bilanz zu. Damit werden gravierende Änderungen am aktuellen System erforderlich. Aber wie sollen diese aussehen?

Weniger, besser und sicherer Verbrauchen

In einer Rede am 25. September gab die Armeeministerin von Frankreich, Florence Parly, bekannt, man wolle „bis 2050 CO2-Neutral werden“, bevor sie hinzufügte: „Bis 2025 werden wir 60 Millionen Euro in die Entwicklung innovativer Projekte im Energiebereich investieren“.
Die Devise des Ministeriums ist einfach:
„Weniger, besser und sicherer verbrauchen”. Doch wie setzt man das um?

Soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert werden? Ja. Soll die Energieversorgung robuster gestaltet werden? Ja. Soll die französische Energiesouveränität gestärkt werden?
Ja und nochmals ja. Momentan steht in Aussicht, die Forschung an und Entwicklung von alternativen – bisher nicht genannten – Brennstoffen zu fördern:
„Mittel- und langfristig stehen uns vor allem alternative Brennstoffe, die nicht aus fossilen Energien gewonnen werden, in Aussicht. Diese haben den bedeutenden Vorteil, mit unseren heutigen und den in den nächsten Jahren entwickelten Geräten kompatibel zu bleiben“, erklärte die Ministerin.

Auf anderen Energien basierende Technologien werden auch in Betracht gezogen, wie zum Beispiel die Wasserstoff-Technologie, die seit ein paar Jahren den Vorzug der Exekutive genießt. Florence Parly verkündet, dass „der Luftfahrtsektor einen (…) ehrgeizigen Kurs, der mit Wasserstoff betriebene Flugzeuge für 2035 plant, eingeschlagen hat“.
Zudem arbeiten die französische Rüstungsbeschaffungsbehörde DGA (Direction Générale de l’Armement) und die frz. Agentur für Innovation in der Verteidigung AID (Agence de l’Innovation de Défense) laut Angaben der DGA zusammen an der Entwicklung einer Brennstoffzelle zur „Versorgung der Infanterieausrüstung „Félin“ (Fantassin à équipements et liaisons intégrés; Infanterist mit integrierter Ausrüstung und Verbindung) für Bodentruppen.“

Sie arbeiten ebenfalls an „einem Mini-Drohnen-Projekt mit einer Wasserstofftankstelle, zu der die Drohne regelmäßig zur Versorgung zurückfliegt.“

So kann der Verbrauch von fossilen Brennstoffen verringert werden. Kann dies auch für andere Geräte verwendet werden?

Fahrzeuge verändern

„Wir werden also eine funktionsfähige Energiepolitik entwickeln:
Wir werden hybride, elektrische und sauberere Systeme haben, womit wir auch operative Ziele verfolgen. Dies bedeutet leisere und robustere Systeme mit höherer Reichweite“,
erklärte die Ministerin bei ihrer Ansprache. Die Veränderung und Hybridisierung der Fahrzeuge sind sowohl in Bezug auf die CO2-Bilanz als auch auf taktische Operationen von großem Vorteil. Grünere, leisere Fahrzeuge könnten zur strategischen Ausrichtung des Ministeriums werden. Das eindeutigste Beispiel ist das Panzerfahrzeug „Griffon“: „Hiermit kündige ich Ihnen an, dass wir bis 2025 ein Demonstrationsmodell des hybriden Griffon für die Landstreitkräfte bauen werden“ sagte sie. Die Zeitung Le Figaro bestätigt, dass die strategische Ausrichtung eines der Hauptmotive ist: „Diese leisen Fahrzeuge mit geringer Wärmesignatur besitzen für auf Diskretion bedachte Einsatzkräfte konkrete Vorteile“. Für die Marine „einen hybriden vielseitig einsetzbaren Frachtkahn, der zu 75% der Zeit auf Batteriebetrieb zählen kann“ fügte Florence Parly hinzu.

Die Armee hat ebenfalls beim Flottendesign auf Öko umgestellt. Bisher nur bei einzelnen Projekten oder Forschung & Entwicklung, da dieser neue Ansatz nicht sämtliche bestehenden Schiffe ersetzen (es sind zu viele und wäre zu teuer), sondern die Armee von morgen planen soll. „Diesen Öko-Designreflex müssen wir auch für unsere Rüstungsprogramme haben. Damit haben wir bereits begonnen, da zum Beispiel die Ausschreibung für die Überseepatrouillen von Ende 2019 Energieeffizienzanforderungen beinhaltete“, erklärte die Ministerin, und fügte weiters hinzu: „Diese Öko-Design- und Energieeffizienzanforderungen werden vollwertige Auswahlkriterien werden“. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn: „Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit unseren deutschen Partnern für die Antriebe der Panzer und Kampfflugzeuge von morgen berücksichtigt ebenfalls die Problematiken der Hybridisierung und des Energieverbrauchs“.

Selbst die Berufe ändern sich! Der „Benzindienst“ der Armee wird zum „Dienst für operative Energie“ umbenannt.

Die Patrouille de France – Joe Desousa via Unsplash
Die Patrouille de France im Flug

Zum Wandel ausbilden

Der Schriftsteller George Santayana sagte mit Recht: „Das schwierigste am Bildungswesen ist Ideen in Erfahrung umzuwandeln“. Mit diesem Ziel werden die Regierung und das Armeeministerium „die 25.000 jungen Leute, die der Armee beitreten, entsprechend der energiebezogenen Herausforderungen und Nutzverhalten ausbilden. Wir werden ebenfalls Weiterbildungen fördern. Wir bilden sie mit einem Green-Tech-Modul in der digitalen Akademie des Ministeriums auch zum sparsamen Umgang mit Datenübertragung aus“, erklärt man uns seitens des Ministeriums. Zu dieser Politik kommt folgendes hinzu: „Bei den Ausschreibungen des Ministeriums werden verstärkt Kriterien für umweltfreundliche Entwicklung eingeführt, um Software-Entwickler zu animieren, ihre Produkte so „schlank“ wie möglich zu gestalten“. Es wird also sowohl intern als auch bei den Ausschreibungen sensibilisiert.

Digitale Aspekte nehmen in Umweltfragen eine immer wichtigere Rolle ein. Bei der Luftfahrt zum Beispiel, „haben wir entschieden, die Qualität der Ausbildung durch die Einführung virtueller, aber mit der Realität verbundener Simulationen zu verbessern“ und so den Anteil realer und dadurch umweltschädlicher Übungen zu reduzieren. Dafür wurde in Mont-de-Marsan ein Simulationszentrum eingerichtet.

Mit ihrem Engagement zur Umweltschonung und zur übergreifenden Verbesserung ihrer CO2-Bilanz will die Armee innerhalb der nächsten 30 Jahre von Khaki auf Grün umsteigen.

 

Vincent Thobel, journalist bei l’ADN
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