Elektroautos drehen auf!

Verfasst von am 16.09.2018 - 2 min

Adieu, du Welt der Stille? Seit dem 1. Juli 2019 müssen Elektroautos laut sein! Das sieht eine neue europäische Norm vor, die die Sicherheit verbessern, aber nicht zu zusätzlicher Lärmbelästigung führen soll. Wir klären auf.

Elektroautos und Geräuschlosigkeit

Seit jeher sind wir es gewohnt, Autos schon von weitem zu hören: Der Krach von Verbrennungsmotoren ist unverkennbar. Dieser Sound ist jedoch nicht ohne Probleme für die öffentliche Gesundheit in den Großstädten: Schlafstörungen, schädliche Auswirkungen auf das Hormon-, das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem…

Hier haben Elektroautos einen enormen Vorteil! Im Gegensatz zu einem Verbrennungsmotor, der die bei der Verbrennung von Treibstoff freigesetzte Energie zur Erzeugung von Bewegung nutzt, funktioniert ein Elektromotor mit elektromagnetischen Feldern und ist geräuschlos. Es ist nur ein leises Pfeifen zu hören, das hauptsächlich auf das eingebaute Untersetzungsgetriebe zurückzuführen ist. Erholsam für die Ohren… aber möglicherweise unberechenbar für die anderen Verkehrsteilnehmer, die nur selten so leise Autos gewohnt sind.
Es besteht daher ein echtes Risiko, dass die Geräuschlosigkeit von Elektroautos zu Unfällen durch Unaufmerksamkeit führt. Am stärksten gefährdet: Fußgänger (besonders Kinder, Blinde und Sehbehinderte) und Radfahrer.

Müssen Elektroautos Krach machen?

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Um jegliche Risiken zu vermeiden, trat am 1. Juli 2019 ein neues Gesetz der Europäischen Union in Kraft. Die schon im Frühjahr 2014 gebilligte Richtlinie 540/2014 schreibt für Elektroautos verbindlich die Installation eines „akustischen Fahrzeug-Warnsystems“ oder AVAS vor. Kurz: ein Geräuschgenerator! Tatsächlich waren einige Automobilbauer dem Aufruf schon zuvorgekommen.

Das gilt insbesondere für Renault: Der ZOE verfügt schon seit 2014 über einen kleinen Lautsprecher vorne beim Motor, der Warntöne abgibt. Der Fahrer kann unter drei Signalen wählen, die aber alle zwei Merkmale aufweisen: ein Ton, der sich je nach Geschwindigkeit ändert, so dass Passanten heraushören können, ob das Fahrzeug beschleunigt oder abbremst, und eine Deaktivierung bei einer Geschwindigkeit von über 30 km/h. Ab diesem Tempo reichen die Geräusche der Reifen oder auch des Luftzugs entlang der Karosserie, damit das Auto zu hören ist.

Europäische Norm zur Akustik von Elektroautos

Das Ziel dieser neuen europäischen Vorschrift ist es, die AVAS-Warnsysteme allgemein einzuführen und zugleich einen Rahmen für ihre Funktionen vorzugeben. Die Norm sieht etwa vor, dass ab dem Start bis „etwa 20 km/h“ – laut offiziellem Text – ein Signal abgegeben wird. Das gilt auch beim Rückwärtsfahren. Ebenso muss das AVAS manuell vom Fahrer deaktiviert werden können, sich aber automatisch beim erneuten Start des Fahrzeugs einschalten. Weiterhin sieht die Richtlinie vor, dass der Geräuschgenerator „in bestimmten Betriebsphasen des Fahrzeugs abgeschwächt werden kann“, ohne jedoch anzugeben, in welchen. Letztlich gelten auch für die Art des Signals und die Lautstärke Normen. Es muss „beständig“ sein, „eindeutig das Fahrzeugverhalten anzeigen“ und „dem Geräusch eines Fahrzeugs ähneln, das mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet ist“. Damit ist der Grundsatz eines Signals, dessen Merkmale sich mit der Geschwindigkeit ändern, festgeschrieben, während die Lautstärke die eines vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor nicht überschreiten darf. Man kann sich aber auf den Hersteller verlassen, dass diese Schwelle bei weitem nicht erreicht wird: Selbst mit Fußgängerhupe sind Elektroautos leiser, zur Freude aller – Fahrer, Mitfahrer und Passanten.

 

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