Laden sich Elektroautos schon bald beim Fahren auf?

Verfasst von am 27.12.2019 - 2 min

Dynamisches induktives Laden gibt einen Ausblick auf eine Zukunft, in der die Straße die auf ihr fahrenden Autos mit Strom versorgen könnte. Der Fahrer hätte also ein Elektroauto, das sich beim Fahren laden kann. Dadurch würden die Kapazität von Batterien und die Anzahl von Ladestationen weniger bedeutend werden.

Und wenn das beste Mittel zur Erhöhung der Reichweite von Elektroautos darin bestünde, das Ladeproblem mithilfe der Straßeninfrastruktur zu lösen? Kabellose Induktionsladetechnologien ermöglichen es heute, sehr ernsthaft den Bau von Straßen anzudenken, die ein Auto während der Fahrt mit Strom versorgen.

Elektroautos, die sich beim Fahren laden: Wie funktioniert das?

Beim induktiven Laden überträgt eine elektrische Spule (Drahtwicklung) über ein elektromagnetisches Feld Strom an eine andere Spule. Im Falle eines Elektroautos ermöglicht es dieses System, die Batterie zu laden, indem dieses auf einer entsprechenden Ladeplatte geparkt wird. Es gibt nur eine Voraussetzung: Das Auto muss über eine „Empfängerspule“ verfügen, die horizontal auf Höhe des Fahrgestells angebracht ist, um den Strom der im Boden installierten „Senderspule“ zu beziehen.

Dynamisches induktives Laden folgt dem gleichen Prinzip – nur bewegt sich das Auto fort. Bei diesem Modell fährt es über eine Reihe von Senderspulen, die in der Straße verbaut sind. Von jeder überquerten Spule bezieht es in Sekundenbruchteilen Strom.

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Induktionsstraßen werden schon getestet

Die im Rahmen des europäischen Projekts FABRIC durchgeführten Tests führten zum Bau einer Induktionsstraße in Satory im Großraum Paris (Frankreich), auf der Renault zwei Kangoo Z.E. fahren ließ, die für dynamisches kabelloses Laden gerüstet sind. Der Versuch zeigte, dass ein mit 100 km/h fahrendes Auto mit einer Leistung von ungefähr 20 kW versorgt werden konnte.

Die Insel Gotland in Schweden wird dank des israelischen Startups ElectReon ab 2022 über eine Induktionsstraße von ungefähr 1,6 km verfügen, die die zwischen dem Flughafen und dem Zentrum Visby, der Inselstadt, pendelnden Elektrobusse und -LKW mit Strom versorgt. Die örtliche Transportbehörde hofft, auf diese Weise die mit diesen regelmäßigen Fahrten verbundenen CO2-Emissionen deutlich senken zu können.

Die Herausforderungen beim Laden während der Fahrt

Die Machbarkeit ist bestätigt – trotzdem gibt es beim dynamischen induktiven Laden noch zahlreiche Herausforderungen, vor allem, weil die Umsetzung eine enge Zusammenarbeit mehrerer Beteiligter im Bereich Straßeninfrastruktur aus dem Strom- und dem Automobilsektor erfordert.
Technisch muss auch über die Dimensionierung der Ladevorrichtungen, ihre Finanzierung und ihren Einbau in die Straße sowie die genaue Funktionsweise der Stromübertragung nachgedacht werden.
Um das Energiekonzept von Elektroautos nachhaltig zu ändern und die Abhängigkeit von Batterien zu verringern, muss dynamisches induktives Laden von möglichst vielen genutzt werden können. Das bedeutet, es müssen Autos mit unterschiedlichsten Anforderungen versorgt werden. Eine Frage, die noch auf ihre Erforschung wartet.

 

Copyright: Jean-Brice Lemal

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