Wenn Elektromobilität die Autobranche transformiert

Verfasst von am 30.04.2020 - 5 min

Tags :

Die Elektromobilität, die elektrische Transportmittel und die damit verbundene Infrastruktur bezeichnet, entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem Hebel nachhaltiger Mobilität. Angesichts der fortgesetzten Dynamik steht sie jetzt für die Autobauer mit an vorderster Stelle.

Seit Anfang des Jahres 2019 wurden in Frankreich 7 117 Elektro-Leichtfahrzeuge zugelassen – ein Gesamtanstieg von 60 % seit Jahresanfang im Vergleich zu 2018. Und die Einführung neuer Modelle lässt eine weitere Ausdehnung der Elektromobilität in den nächsten Jahren erahnen. Der Marktanteil von Hybridfahrzeugen oder Elektroautos dürfte bis 2030 von 1 % auf 30 % steigen.

Mobilität – ein Servicebündel

Zity Paris

Das Interesse an Elektroautos geht Hand in Hand mit neuen Nutzungsarten. Carsharing, Carpooling und Plattformen für Fahrdienst-Services sind populär geworden. Angesichts des Aufkommens dieser neuen Angebote setzen die Autobauer auf Diversifizierung und erfinden sich selbst neu.
In diesem Sinne startete etwa Renault 2018 in Paris seinen Selbstverleih-Carsharing-Dienst unter dem Namen Moov’in.Paris und einen Elektroauto-Chauffeurdienst mit dem Unternehmen Marcel namens e-Co.

Carsharing und Carpooling vermindern die CO2-Bilanz

Bedenkt man, dass ein Auto 95 % der Zeit geparkt ist und bei 80 % der Fahrten nur der Fahrer im Auto sitzt, erscheint Carsharing als einzig sinnvoller Ansatz. So lassen sich die Nutzungskosten halbieren und die Ökobilanz deutlich verbessern.

Von Carsharing profitieren auch Unternehmen, insbesondere bei der Last-Mile-Zustellung. Diese ist teuer und verursacht etwa 20 % der Gesamtkosten in der Lieferkette. Diese Lieferungen sind häufig auch Ursache für Staus in den Innenstädten und belasten damit die Umwelt – immerhin verursachen sie 25 % der Treibhausemissionen.

Digitalisierung beschleunigt Elektromobilität in der Stadt

Die neuen Technologien und die vernetzten Dienste eröffnen zahlreiche Innovationsmöglichkeiten, die sich insbesondere für Elektroautos anbieten. Ein Beispiel ist das Konzept MaaS (Mobility as a Service), bei dem mehrere

Mobilitätslösungen über eine einzelne Plattform gebündelt werden.

Eines der ersten konkreten Projekte entstand in Göteborg, Schweden. Dieser Service vereint mehrere Transportmittel: öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder im Selbstverleih, Taxis oder auch Carsharing-Dienste. Mit seinem Smartphone kann der Nutzer die beste Strecke finden, sein Ticket erstellen, die Tür eines Carsharing-Autos öffnen und am Monatsende alle genutzten Leistungen zum günstigsten Tarif bezahlen!

Vergleichbare Projekte entstehen in mehreren Städten in ganz Europa, beispielsweise in Österreich oder in Finnland. In Frankreich ist zwar das MaaS-Konzept noch nicht sehr verbreitet, aber zahlreiche Abonnements bieten Zugang zu unterschiedlichen Transportangeboten.

Elektromobilität – ein ganzes Ökosystem

play

Video anschauen

Mit der Entwicklung des Elektroautomarkts entstand ein ganzes Ökosystem, das Autobauer, Gemeinden, Stromanbieter oder auch Betreiber von Ladestationen vereint.

Einige Hersteller wie Groupe Renault nutzen bereits die Möglichkeiten, die sich ihnen in den Bereichen Smart Charging und stationäre Stromspeicherung bieten, um das Elektroauto ins Zentrum eines intelligenten Strom-Ökosystems zu stellen. Das ist insbesondere auf den Inseln Porto Santo, Portugal, Belle-Île-en Mer, Frankreich, oder auch in Utrecht in den Niederlanden der Fall. Sie zählen zu den so genannten Smart Territories, in denen zahlreiche solcher Maßnahmen starteten.

Sei es die Bereitstellung von Autoflotten, von Einrichtungen, die den Ladevorgang in Abhängigkeit von Produktionsspitzen auslösen können, oder die Inbetriebnahme von Prototypen, die einen Teil der in ihrer Batterie gespeicherten Energie wieder abgeben können, damit im Netz Verbrauchsspitzen ausgeglichen werden: All diese Innovationen fördern den Energiewandel.

In einigen dieser Gebiete werden Batterien aus Elektroautos von Renault ein zweites Mal genutzt und dienen jetzt als temporärer Stromspeicher, um die von den Solar- und Windkraftwerken produzierte Energie direkt zu speichern. Übersteigt die Nachfrage die Kapazität der erneuerbaren Energiequellen, wird dieser Strom wieder ins Netz eingespeist.

Künftige Herausforderungen der Elektromobilität

Mehr als 80 % der befragten Personen weltweit „glauben an die Zukunft von Elektroautos“. Es ist die einzige Antwort auf die globalen Umweltprobleme. Eine Herausforderung bei seiner Entwicklung ist jedoch nach wie vor die Erschwinglichkeit für alle.

Die Optimierung der Batterien führt nach und nach zu einer Preissenkung, denn der Gebrauchtwagenmarkt stellt eine Alternative dar, die immer mehr Käufer verlockt. 2018 wurden 12 270 Elektroautos gebraucht gekauft – ein Anstieg von mehr als 60 % gegenüber dem Vorjahr.

Lange galten die Ladeinfrastrukturen als Hindernis beim Ausbau der Elektromobilität. In den letzten Jahren hat ihre Zahl jedoch stetig zugenommen: In Europa nähert sich die Zahl der Ladestationen inzwischen 200.000.

Ein Ausbau der Ladestationen in den Randbezirken und ländlichen Gebieten und die parallele Bündelung von Autos und Fahrten wird schnell den hohen Mehrwert von Elektromobilität offenbaren.

 

Copyrights : Olivier Le Moal, LEMAL Jean-Brice, PLANIMONTEUR

Meistgeteilte Artikel