Anita Sengupta:  von der Weltraumforschung zur Luftmobilität

Verfasst von am 08.10.2020 - 4 min

In ein paar Jahren werden elektrische Flugautos durch die Luft fliegen. Anita Sengupta, die berühmte Spezialistin für Raumfahrttechnik, die bereits für die NASA und Hyperloop gearbeitet hat, setzt sich nun für deren Demokratisierung ein. Bevor uns ein ganzes Ökosystem von Luftmobilität zur Verfügung steht, müssen allerdings noch viele Herausforderungen bewältigt werden...

Vor kurzem ist jenseits des Atlantiks ein neuartiger Plan erschienen. Das Weltwirtschaftsforum und die Stadt Los Angeles haben sieben Prinzipien für ethische städtische und Luftfahrt-Mobilität festgelegt. Ist dies der letzte Schritt bevor uns diese Maschinen durch unsere Metropolen fliegen? Bisher verdichtet sich das Interesse: Hersteller und Mobilitätsdienstleister bemühen sich um mehr Partnerschaften und eine höhere Finanzierung, verfeinern ihre Technologien und sind kurz davor, aus dem Himmel einen neuen Raum für leise und saubere Mobilität zu machen.

Portrait of engineer Anita Sengupta
Anita Sengupta

Anita Sengupta, die Ingenieurin, die die städtische Luftmobilität demokratisieren will

Nachdem sie 20 Jahre damit verbracht hat, Technologien für die Erkundung von Mars, Asteroiden und des fernen Weltraums zu entwickeln, um danach eine Doktorarbeit über Ionenantriebe für die NASA zu schreiben, hat Anita Sengupta am Virgin Hyperloop als Vice President of Engineering Systems mitgewirkt. Ihre beeindruckende Laufbahn bringt sie heute zur Erkundung der städtischen Luftmobilität mit dem von ihr mitbegründeten Start-up-Unternehmen Airspace Experience Technologies. Mit Sitz in der Motor City von Detroit, der ehemaligen amerikanischen Hauptstadt der Automobilindustrie, entwickelt diese Start-up-Firma die Zukunft der Luftmobilität.

Ein Markt, der laut dem Beratungsunternehmen Roland Berger bis 2050 einen jährlichen Wert von 80 Milliarden Dollar darstellen, und sich wie folgt entwickeln sollte: „Wir denken, dass die Dienste anfänglich sehr teuer und exklusiv sein werden. Längerfristig sollten sie sich jedoch bei skalierbarer werdenden Betriebskosten dem Premium-Transportsegment von heute, wie Taxis, annähern.“ erklärte Manfred Hader, der Leiter für Luft- und Raumfahrt und Verteidigung bei Roland Berger. Und an diesen Taxis arbeitet Anita Sengupta. Die Raketenexpertin verspricht Flugautos auf Bestellung, die zum selben Preis fünfmal schneller das Ziel erreichen als Fahrdienste wie Uber. Und das schon in wenigen Jahren.

Massenherstellung, Infrastrukturen, Sicherheit… die vielen Herausforderungen der städtischen Luftmobilität

Sicherer, sauberer und leiser als Hubschrauber – zudem können diese Fluggeräte mehr Personen transportieren. Das Ergebnis laut der britischen Firma Ayming: über ein hundert Firmen sollen an dem Betrieb von eVTOLs, (elektrischen Senkrechtstartern) arbeiten. Darunter auch die Firma von Anita, mit ihrem MOBI-One: einem umweltfreundlichen und leisen Luftfahrzeug, das bis zu fünf Personen transportieren kann. Die Firma ist gerade eine Partnerschaft mit Spirit Aerosystems, einem weltweiten Anbieter von Flugzeugkomponenten eingegangen. Ihr Ziel: Massiver Ausbau der Herstellung und Senkung der Kosten, in Aussicht auf die Markteinführung des MOBI-One. Die Ingenieure müssen jedoch noch mehrere Herausforderungen bewältigen, bevor sie diese Mobilitätsdienste der Zukunft anbieten können. Fliegen ist teuer: die japanische Firma SkyDrive plant, ihre zweisitzigen eVTOLs bis 2023 für ca. 300.000 bis 500.000 Dollar anzubieten. Das deutsche Start-up-Unternehmen Volocopter bietet seinerseits einen 15-minütigen Flug für 354 Dollar an. Das ist aber noch nicht alles. Die Energiespeicherkapazitäten bleiben begrenzt und stellen eine sehr reale Hürde dar. Experten erwähnen, dass eine Lithiumbatterie mit höherer Energiedichte entwickelt werden muss, um die Reichweite zu steigern. Ingenieure und Gemeinden arbeiten ebenfalls an der Sicherheit. Wie verhindert man Kollisionen und Staus in der Luft? „Die Luft wäre nicht voll von Lufttaxis. Diese würden mit angemessenem Sicherheitsabstand, mit einer „Luftraumblase“ für Notfälle fliegen. Abflugzeiten wären geregelt, womöglich von einem Flugverkehrskontrollsystem mit Fluglotsen, solange dies der Sicherheit wegen notwendig wäre, bevor das System letztendlich selbstständig würde“, erklärt Anita Sengupta der Wirtschaftstageszeitung Financial Times.

3D model of the Mobi-ONE prototype
3D model of the Mobi-ONE

Zudem verbleiben in diesem Wettbewerb weitere Herausforderungen: die Zertifizierung und die Infrastrukturen. Wie soll der Regelungsrahmen für diese eVTOLs aussehen? Wo sollen sie zwischen den Wolkenkratzern unserer Städten starten und landen? Ganz zu schweigen von der Nachfrage für diese neuen Transportmittel. „Im Allgemeinen führt die Nutzung des städtischen Luftraums zu weniger Verschmutzung und zu einer für Fußgänger angenehmeren Umgebung“, schätzt Anita Sengupta. Schlagkräftige Argumente, um zurückhaltende Bürger zu überzeugen, in diese elektrischen Flugtaxis zu steigen. Wie die Ingenieurin so gern bemerkt The sky is not the limit, only the beginning

 

Sarah Sabsibo, Journalistin bei L’ADN
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