„Carwatt und Renault: Die Zukunft des Nachrüstens“

Verfasst von am 12.12.2019 - 3 min

Der Nachrüstspezialist Carwatt verwendet Second-Life-Batterien aus Elektrofahrzeugen der Groupe Renault, um Verbrenner zu Stromern umzuwandeln. Eine Alternative zum Kauf neuer Teile und eine Partnerschaft im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Lesen Sie die Erklärungen von Éric Planchais, Geschäftsführer von Carwatt.

Wie sind Carwatt und die Partnerschaft mit der Groupe Renault entstanden?

CARWATT entstand 2014 infolge einer Frage unseres Vorsitzenden, des ehemaligen Flugzeugpiloten Gérard Feldzer, an einen Manager der Groupe Renault: „Was machst du mit deinen Altbatterien?“ Dabei hatte er zahlreiche Möglichkeiten für eine Weiterverwendung dieser Second-Life-Batterien im Hinterkopf. Carwatt ist Teil der Kreislaufwirtschaft im Bereich der Mobilität im weitesten Sinne.

Éric Planchais, Geschäftsführer von CARWATT
Éric Planchais, Geschäftsführer von CARWATT

Können Sie uns Ihre Strategie erklären?

Eine der größten Hemmschwellen für die Umrüstung von Verbrennern zu Stromern ist die Zulassung der Fahrzeuge für den öffentlichen Straßenverkehr. Daher haben wir uns zunächst auf die Elektrifizierung von technischen Fahrzeugen, vor allem von Flughafenfahrzeugen spezialisiert. Da es sich bei Flughäfen um Privatgelände handelt, gelten nicht die gleichen Vorschriften wie auf öffentlichen Straßen und die Flugfeldgeräte benötigen keine Zulassung, weil sie als Flurförderzeuge gelten. 

Für die Umwandlung dieser Art von Verbrennern zu Elektrofahrzeugen haben wir uns für die Verwendung von Second-Life-Batterien aus der Automobilindustrie entschieden. Sie werden ohne weitere Veränderungen verbaut oder neu konfiguriert und funktionieren ohne oder mit bestimmten Originalkomponenten, zu denen beispielsweise das BMS (Battery Management System) gehört.

Wir haben die Batterien der E-Autos von Renault nicht ohne Grund gewählt! Sie sind gut konzipiert und sehr zuverlässig, weil sie sehr strenge Spezifikationen erfüllen müssen. Ihre Robustheit haben sie bereits bei ihrem ersten Leben in einem Elektroauto unter Beweis gestellt. Die Batterien des ZOE, des Kangoo Z.E. oder des Fluence Z.E., die wir von Renault kaufen, sind fünf oder sechs Jahre alt, haben aber kaum an Kapazität eingebüßt. Für unsere Verwendungszwecke ist ihre Leistung bei weitem ausreichend.

Können Sie uns einige konkrete Beispiele nennen?

Mit Air France – unserem größten Kunden – rüsten wir verschiedenste Fahrzeuge um. Wir beginnen mit der Serienumrüstung von Gepäckwagen, die mit Second-Life-Batterien ausgestattet werden und arbeiten derzeit an Studien für die Vorfeldfahrzeuge, die Fluggasttreppen, die Pushback-Fahrzeuge – und bald auch für die Vorfeldbusse! Wir entwickeln auch ein elektrisches Pumpsystem für die Betankung mit Kerosin.

Unser zweiter Fokus liegt auf der Umrüstung von Fotosafari-Fahrzeugen in Ostafrika. Dazu arbeiten wir mit lokalen Partnern und einem französischen Safarianbieter zusammen. Geringes Fahrtempo, lautloser Betrieb, um die Tiere nicht zu erschrecken, niedrige Wartungskosten – eine perfekte Einsatzmöglichkeit für einen Elektroantrieb! An den Photovoltaik-Anlagen der Lodges werden die Fahrzeuge wieder geladen.

Wir haben noch viele andere Projekte in Arbeit, wie die Elektrifizierung von Straßenreinigungsfahrzeugen, Pumpen auf Lastwagen oder die elektrische Unterstützung von Pferdekutschen in Afrika. Das Feld der Möglichkeiten ist groß!

Air France und Carwatt

Interessieren Sie sich auch für die Binnenschifffahrt?

Ja, allerdings. Mit unseren Partnern Akuo Energy und Faar Industry arbeiten wir an der Elektrifizierung der „Flâneuse du Nil“, eines Flusskreuzfahrtschiffes in Ägypten. Dabei geht es darum, 120 Quadratmeter Photovoltaik-Paneele und vier Second-Life-ZOE-Batterien zu installieren, um den Strombedarf für das Leben an Bord zu decken. Im Winter, wenn keine Klimaanlage benötigt wird, dürfte das Schiff ausschließlich mit Sonnenenergie auskommen. Das Projekt kann dann mit der Elektrifizierung des Antriebs des Schiffes, das derzeit von Schleppern gezogen wird, fortgesetzt werden.

 
Wir haben die Batterien der E-Autos von Renault nicht ohne Grund gewählt! Sie sind gut konzipiert und sehr zuverlässig, weil sie sehr strenge Spezifikationen erfüllen müssen. Ihre Robustheit haben sie bereits bei ihrem ersten Leben in einem Elektroauto unter Beweis gestellt.
Éric Planchais Geschäftsführer von CARWATT

Wie sehen Sie die Entwicklung von Carwatt und Ihrer Partnerschaft mit Renault?

2019 ist ein Wendepunkt, denn mit der Serienfertigung – insbesondere für Air France – machen wir jetzt Nägel mit Köpfen. Um diesen Übergang zur industriellen Fertigung zu ermöglichen, sind wir an einen neuen Standort in Coignières (südwestlich von Paris) umgezogen und stellen Ingenieure und Produktionsmitarbeiter ein. Die Partnerschaft mit Renault wird intensiviert. Von einigen wenigen Einheiten am Anfang, mit denen wir unsere Prototypen entwickelt haben, ist die Anzahl der verwendeten Batterien auf fast 40 Stück im Jahr 2019 gestiegen. In zwei Jahren werden wir mehrere hundert Batteriepakete benötigen, um die verschiedenen Einsatzmöglichen abzudecken.

Renault gibt uns auch Zugang zu seinen Batterie-Steuergeräten und schult uns im Umgang damit. So können wir Fehler schnell selbst auslesen und gewinnen dadurch Zeit. In Zukunft wollen wir nicht nur die Batteriemodule von Renault, sondern auch andere Komponenten der Antriebseinheit verwenden. Dies eröffnet neue Perspektiven für eine umweltfreundliche Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie.

Carwatt und Ihrer Partnerschaft mit Renault

Wie sehen Sie die Zukunft des Nachrüstens?

Das Nachrüsten ist sinnvoll, weil es die Industrie für kohlenstoffarme Fahrzeuge zu einem vertretbaren Preis ankurbelt. Aber wir haben noch viele andere Projekte! Die Elektrifizierung von Stadtbussen und insbesondere von Hybridfahrzeugen, deren Architektur bereits für den Einsatz von Elektrobatterien ausgelegt ist, zählt ebenfalls zu unseren Zielen.

  

Copyrights: Carwatt SAS, Carwatt

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