„Das erste vollelektrische Boot auf der Seine“

Verfasst von am 05.11.2019 - 4 min

Das Unternehmen Seine Alliance hat eines seiner Boote – die „Black Swan“ – zum ersten vollelektrischen Boot auf der Seine umgebaut. Das Gemeinschaftsprojekt, das in Zusammenarbeit mit der Groupe Renault und dem Integrator Green Vision entsteht, gibt einen Ausblick auf eine neue Generation „emissionsfreier“ Schiffe, für die Second-Life Batterien aus Elektroautos zum Einsatz kommen. Lesen Sie die Erklärungen von Didier Spade, CEO von Seine Alliance.

Wer ist die Seine Alliance und inwiefern engagiert sie sich für nachhaltige Entwicklung?

Das seit 30 Jahren auf der Seine präsente Unternehmen stellt seinen Kunden unter der Marke „Paris Yacht Marina“ ein Loft am Kai und Boote zur Verfügung, die am Pariser Binnenhafen „Port de Grenelle“ liegen. Nachhaltigkeit ist Teil unserer Identität. Wir haben schon immer nach den umweltfreundlichsten Antriebslösungen für unsere Schiffe gesucht. Wir sind das erste Unternehmen, das sich die Elektrifizierung seiner gesamten Flotte bis 2024 zum Ziel gesetzt hat.

Didier Spade
Didier Spade, CEO von Seine Alliance

Ist die Black Swan sofort einsatzbereit?

Sie wird es ab nächstem Frühjahr sein. Sie ist auch ein Vorführboot, das aus einem bestehenden Boot für kurze private oder berufliche Flusskreuzfahrten in Paris entwickelt wurde. Sie wird von zwei Elektromotoren angetrieben, die von Modulen aus Second-Life-Batterien von Renault-Fahrzeugen – insbesondere des Kangoo Z.E. – gespeist werden. Kein Lärm, kein Geruch, keine umweltbelastenden Emissionen – ein einzigartiges Erlebnis für die Passagiere! Die Black Swan, die im Port de Grenelle liegt, bietet Platz für 10 Personen – inklusive Bordservice – und wird für zweistündige Kreuzfahrten von ihrem Heimathafen bis zur Ile Saint Louis verwendet. Wir haben uns eine jährliche Nutzung für 150 bis 200 Kreuzfahrten zum Ziel gesetzt.

 
Der Antrieb von vollelektrischen Booten mit Second-Life-Batterien ist möglich, effizient und zuverlässig.
Didier Spade CEO von Seine Alliance

Warum haben Sie sich für Second-Life-Batterien und nicht für Neubatterien und für die Groupe Renault als Partner entschieden?

Verschwendung ruiniert unseren Planeten. Wir brauchen einen besseren Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Und es macht keinen Sinn, für den Antrieb von Binnenschiffen neue Batterien zu verwenden. Die Geschwindigkeit, die in Paris auf 12 km/h begrenzt ist, erreichen wir leicht mit Second-Life-Batterien, die zwischen zwei Fahrten aufgeladen werden. Da das Gewicht keine Rolle spielt, können wir mehrere Batterien installieren, um den Unterschied bei der Kapazität auszugleichen, ohne dass sich das auf die Leistung des Schiffes auswirkt. Vor diesem Hintergrund war die Partnerschaft mit der Groupe Renault – dem französischen Spezialisten für Elektrofahrzeuge, der sich stark für die Kreislaufwirtschaft seiner Batterien einsetzt – eine Selbstverständlichkeit. Auf technischer Ebene werden wir von der Firma Green Vision unterstützt. Das ist das erste Gemeinschaftsprojekt von drei französischen Unternehmen, um ein solches System zu entwickeln. Eine echte Herausforderung mit großen Ambitionen!

Paris Yacht Marina

Worin bestehen die Herausforderungen dieses Pilotprojekts?

Wir möchten vor allem zeigen, dass der Antrieb von vollelektrischen Booten mit Second-Life-Batterien möglich, effizient und zuverlässig ist. Die Herausforderung besteht darin, alle Schiffseigner dazu anzuregen, auf einen elektrischen Antrieb umzustellen. In Paris können 150 Schiffe potenziell mit Elektro- oder Hybridmotoren optimiert werden.

Wir möchten auch die öffentliche Hand für dieses Thema sensibilisieren, angefangen bei den Behörden, die für die Verwaltung der Binnenwasserstraßen Frankreichs zuständig sind, damit sich die Vorschriften, die derzeit für Schiffe mit mehr als 12 Passagieren ziemlich restriktiv sind, ändern und die Entwicklung einer elektrischen Binnenflotte ermöglichen.

Glauben Sie, dass Sie diese Technologie auf andere Projekte anwenden können, insbesondere auf das neue Passagierschiff „France“, an dem Sie beteiligt sind?

Die neue „France“ soll ein revolutionäres Schiff werden. Sie muss daher über ein höchst umwelteffizientes Antriebssystem verfügen. Das Interesse von Second-Life-Batterien ist unbestreitbar – besonders für das Manövrieren in den Häfen und für die Optimierung der Energie an Bord, das heißt den Stromverbrauch der Bordküche, der Beleuchtung, der Klimaanlage usw. Da das Gewicht auf Transatlantiklinern keine Rolle spielt, ist es durchaus möglich, mehrere Tonnen Batterien an Bord mitzuführen.

Generell ist das ein interessanter Lösungsansatz, zumal in einigen Teilen der Welt – wie beispielsweise in mehreren norwegischen Fjorden – Verbrennungsmotoren verboten sind.

Passagierschiff „France“

Wie sehen Sie die Zukunft der Binnenschifffahrt in Paris und anderen Städten der Welt?

Die allgemeine Bewegung hin zur Elektrizität, die durch immer strengere Umweltnormen verstärkt wird, ist unumkehrbar. Wenn sich die Gesetzeslage nicht ändert, eignet sich der Elektroantrieb mit Batterien bereits ideal für bestimmte Aktivitäten wie „Restaurant-Schiffe“, die mittags und abends mit niedriger Geschwindigkeit unterwegs sind. Für Schubboote und Motorschiffe, die über lange Strecken mit voller Leistung fahren, gibt es jedoch noch keine realistische Alternativlösung. Aber die Forschung macht Fortschritte… Es ist wie in den Anfangszeiten der Luftfahrt: Alle Hoffnungen sind erlaubt!

* Weder CO2-Emissionen noch regulierte Luftschadstoffe beim Fahren, ausgenommen Verschleißteile

 

Copyright: Seine Alliance

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