„Ein zweites Leben für die Batterien der Elektroautos“

Verfasst von am 27.06.2018 - 5 min

Amaury Gailliez ist Operations Manager Laden und Batterie bei der Groupe Renault. Eine seiner Hauptaufgaben besteht darin, nach einer – oft stationären –Second-Life-Anwendung für die Batterien der Elektrofahrzeuge zu suchen.

Welche Rolle spielt Ihre Abteilung für das Batteriemanagement?

Wir sind für die Batterie von ihrem Einsatz im Fahrzeug bis zum Ende ihrer Lebensdauer verantwortlich. Dazu gehören die Finanzierung durch den Kunden – ob durch Kauf oder Miete –, ihre Garantie usw. Die Batterien werden vom Reparaturzentrum im Renault-Werk in Flins repariert. Und wenn eine Batterie nicht mehr genügend Leistung für den Einsatz im Auto erbringen kann, nehmen wir sie zurück und geben ihr ein zweites Leben. Wir kümmern uns auch um das Recycling der Batterie. Wenn sie zum Beispiel bei einem Unfall beschädigt wurde, wird sie in einem zugelassenen Unternehmen aus dem Fahrzeug entfernt. Das ist gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass eine Elektroauto-Batterie zwischen 200 und 300 kg wiegt.

Welche Second-Life-Möglichkeiten gibt es für die Batterien der Elektroautos von Renault?

Die Second-Life-Anwendungen sind oft stationär, da dafür weniger Leistung als für eine Verwendung im Auto erforderlich ist. Die Batterien kommen in Wohnhäusern oder großen öffentlichen Gebäuden zum Einsatz. In den meisten Fällen werden sie zur Speicherung der Energie aus lokal installierten Solarmodulen oder Windturbinen verwendet. Die Batterien werden geladen, sobald die Sonne scheint und der Wind weht, damit kein einziges grünes – und „kostenloses“ – Kilowatt Strom verloren geht!

Wir bieten Second-Life-Batterien auch zur Verstärkung bestimmter Ladestationen für Elektrofahrzeuge an. Dies ist der Fall bei Schnellladestationen an Autobahnen, die enorm viel Energie innerhalb kürzester Zeit benötigen. Die Betreiber dieser Ladestationen können damit ihre Anschlussgebühren bei den Stromnetzbetreibern senken. In Deutschland und Belgien sind gegenwärtig zwei Stationen ausgestattet.

Es gibt auch andere Anwendungen für das Stromübertragungsnetz RTE. Ihr Ziel ist es, das Gleichgewicht zwischen Energienachfrage und -angebot zu steuern, um die Netzstabilität mit einer auf 50 Hertz geregelten Frequenz aufrechtzuerhalten.

Und schließlich finden wir sogar Second-Life-Anwendungen, mit denen unsere Batterien weiterhin mobil sind! Sie speisen ein Kühlsystem im Kangoo Z.E. und ZOE oder betreiben Elektroboote.

Amaury Gailliez
Amaury Gailliez, Operations Manager Laden und Batterie bei der Groupe Renault

Warum ist es notwendig, die Second-Life-Anwendungen der Batterie zu fördern?

Der Hauptgrund dafür ist die Verringerung der Umweltbelastung durch die Batterien. Anstatt die Batterie nur etwa 10 Jahre lang im Fahrzeug zu verwenden, erhält sie ein zweites Leben, das mindestens weitere 10 Jahre dauert. Das Recycling wird damit um die gleiche Dauer hinausgezögert. Außerdem wird die Second-Life-Batterie häufig zur Speicherung von Ökostrom verwendet. Das wiederum fördert die Entwicklung der erneuerbaren Energien.

Und das Interesse ist auch ökonomisch, denn dieses zweite Leben verleiht der Batterie einen zusätzlichen Wert. Und das ist wichtig, um das Elektrofahrzeug letztendlich für den Endkunden immer erschwinglicher zu machen.

Die Unternehmen, die diese Second-Life-Batterien bei uns kaufen, haben ebenfalls einen Vorteil, weil sie etwa 30 % günstiger sind als neue Batterien für den stationären Gebrauch. Es handelt sich um sehr robuste Batterien, die nach anspruchsvollen Vorgaben entwickelt wurden. Nach der Entwicklung des Speichersystems sind unsere Batterien sofort für den stationären Betrieb geeignet.

Können Sie einige bedeutende Partnerschaften von Renault in Bezug auf Second-Life-Batterien nennen?

Nennen wir zwei Beispiele. Wir haben eine Partnerschaft mit Powervault in Großbritannien für die Lieferung von Batterien an Privathaushalte. Und zusammen mit anderen Akteuren, wie Nissan und Bouygues Energies et Services, haben wir uns am europäischen Projekt ELSA (Energy Local Storage Advanced system) beteiligt. Dieses System wird derzeit an sechs europäischen Standorten getestet und ist für einen Einsatz in Städten oder für Einzelhandelsketten bestimmt.

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