„Eine neuer Elektro-Carsharingservice in Amsterdam“

Verfasst von am 10.01.2019 - 5 min

In Amsterdam gibt es einen neuen Elektro-Carsharingservice. Vincent Carré, Verantwortlicher für Elektrofahrzeuge und Neue Mobilität Europa der Groupe Renault, und Marco Boender, CEO von Fetch Car Sharing, erläutern dieses spannende Projekt im Detail.

Worin besteht die Initiative “Fetch Car Sharing” und inwiefern betrifft sie Groupe Renault?

Marco Boender: Ab dem 10. Januar 2019 werden in Amsterdam über die elektrische Carsharing-Plattform Fetch per Smartphone 200 Renault ZOE-Fahrzeuge verfügbar sein. Alles, was Sie tun müssen ist, sich anmelden, das Fahrzeug buchen, sich ans Steuer setzen und den Dienst nutzen. Mit einer Reichweite von 300 Kilometern werden die Kunden sogar in die Nachbarländer fahren können!

Vincent Carré: Fetch Car Sharing ist das Ergebnis einer engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Heute ist Renault mit 9000 Fahrzeugen, darunter 5000 ZOEs, der führende Anbieter von Elektro-Carsharingfahrzeugen in Europa. In jeder Stadt, in der wir präsent sind, bauen wir solide Partnerschaften auf, wie beispielswiese mit Fetch Car Sharing.

Wo stehen diese Elektro-Carsharing-Fahrzeuge?

MB: Es handelt sich um ein „Free-Floating-Konzept“. Das bedeutet, wir stecken ein geographisches Gebiet ab (einen virtuellen Umkreis), in dem der Kunde das Auto auf einem beliebigen Parkplatz – natürlich nicht widerrechtlich – abstellen kann. Bei Bedarf stellen wir die Fahrzeuge um, reinigen sie und laden die Batterien auf. Wir bringen sie an strategisch wichtige Orte, wo der Bedarf am größten ist, wie beispielsweise an öffentliche Verkehrsknotenpunkte oder in die Nähe von Wohnanlagen oder Bürogebäuden.

Was die Ziele dieses Dienstes angeht, an welches Publikum richtet er sich?

VC: Diese Art von Service war ursprünglich für Privatpersonen bestimmt. Dennoch richten wir ihn in allen europäischen Städten nach und nach auch auf die Berufswelt aus, mit sehr positiven Ergebnissen. Elektro-Carsharing richtet sich an alle.

MB: Unser Hauptziel besteht darin, die Fahrzeuge sowohl Privatpersonen als auch Kleinunternehmen zur Verfügung zu stellen. In Amsterdam gibt es eine Vielzahl von Start-ups, die aus einer oder zwei Personen bestehen. Sobald der Dienst in diesem Segment Fuß gefasst hat, werden wir uns auch den Markt der Großunternehmen ansehen.

Gilt Carsharing in Amsterdam als zusätzliche Mobilitätsoption?

MB: Die Parksituation ist so problematisch, dass die Menschen weder ein Erst- noch ein Zweitfahrzeug haben. Wir sind folglich auf öffentliche Verkehrsmittel und verschiedenen Formen der Mobilität, wie beispielsweise Elektro-Carsharing, angewiesen. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Menschen Carsharing am Wochenende nutzen – zum Beispiel, um Verwandte zu besuchen, aber auch, um sich innerhalb von Amsterdam fortzubewegen. Als zusätzliche Mobilitätsmöglichkeit brauchen die Menschen eine globale Lösung für den Alltag.

VC: Dieses Konzept gibt es in zahlreichen europäischen Städten. Der Trend zum Carsharing wird immer stärker, insbesondere in städtischer Umgebung, wo man die Anzahl der Verbrenner reduzieren möchte. Es gibt interessante Statistiken: 20 bis 30 % der Carsharing-Nutzer haben keinen eigenen Pkw mehr. Ein einziges Carsharing-Fahrzeug kann bis zu 10 private Pkws ersetzen.

Warum haben Sie den Renault ZOE für Ihren Elektro-Carsharingdienst gewählt?

ZOE Fetch Amsterdam

MB: Der ZOE ist das ideale Carsharing-Fahrzeug. Er ist absolut zuverlässig, was für uns natürlich sehr wichtig ist. Er hat eine große Reichweite, was für die Nutzer ein wichtiger Pluspunkt ist. Er besitzt einen geräumigen Innenraum, ist aber auch gleichzeitig sehr wendig und somit praktisch in der Stadt. Er ist einfach zu benutzen, was gerade bei Carsharing wichtig ist. Und er kann mit unserem Vernetzungssystem ausgestattet werden.

VC: Mit jeder ZOE-Generation konnten wir uns über die Zusammenarbeit mit Elektro-Carsharingunternehmen verbessern. Wir haben eine spezifische Schnittstelle entwickelt, die den Nutzer über den Standort der Fahrzeuge und ihre Reichweite informiert.

App Fetch

Wird Elektro-Carsharing Ihrer Meinung nach die Stadtlandschaft in den kommenden Jahren verändern?

VC: Ja, das zeichnet sich klar ab. Die Städte entwickeln sich weiter, sie kämpfen mit Staus und Luftverschmutzung. Carsharing ist eine gute Lösung für diese Probleme.

Warum braucht ausgerechnet Amsterdam einen Dienst wie Fetch Car Sharing?

MB: Weil sich die Dinge in diese Richtung entwickeln und weil die Vorschriften das Parken in Amsterdam sehr schwierig machen. Jedes Fetch Car Sharing-Fahrzeug ist zum Parken berechtigt, denn die Regierung ist der Ansicht, das Carsharing der richtige Weg ist. In den Niederlanden gibt es rund 41.000 Carsharing-Fahrzeuge, was für Europa relativ viel ist.

Was können Sie uns über die Zusammenarbeit zwischen der Groupe Renault und Fetch Car Sharing sagen?

MB: Ich bin sehr froh über unsere Partnerschaft. Dieser neue Dienst betrifft nicht einfach einen Hersteller oder ein Carsharing-Unternehmen. Es handelt sich um einen Sektor, der schnell wächst. Wie jede größere Veränderung in der Gesellschaft kann diese Entwicklung nicht von einem einzigen Unternehmen getragen werden. Es gilt das Prinzip der partizipatorischen Ökonomie: Wenn Sie nicht in der Lage sind, zu teilen, dann ist diese Branche nichts für Sie.

VC: Wir bei Renault setzen uns entschlossen für die Entwicklung von Elektrofahrzeugen und neuen Formen der Mobilität ein. Als führendes Unternehmen im Bereich der Elektromobilität mit einem umfassenden Elektroautoangebot haben wir das Glück, zu dieser Entwicklung beizutragen, indem wir die Kunden bei ihren Entscheidungen unterstützen und unsere Erfahrung und unser Wissen in spannenden Projekten wie Fetch Car Sharing weitergeben.

Foto der Titelseite: Marco Boender, CEO von Fetch Car Sharing und Vincent Carré, Europe Sales and Marketing Director for Electric Cars, Connected Cars and New Mobilities, Groupe Renault.

 

Copyrights: Pim Hendriksen

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