„Elektromobilität in Lateinamerika“

Verfasst von am 09.01.2019 - 5 min

Die umweltfreundlichen Elektroautos werden weltweit immer beliebter. Wie führt man sie am besten auf neuen Märkten ein? Erläuterungen von Adriano Castro, Leiter des Elektrofahrzeugprogramms von Renault für die Region Amerika.

Was kennzeichnet den lateinamerikanischen Elektrofahrzeugmarkt?

Der Markt beschränkt sich immer noch auf einen engen Käuferkreis, ist aber vergleichbar mit anderen Ländern, sogar mit europäischen. In Kolumbien beispielsweise, dem größten Markt Lateinamerikas, beträgt der Marktanteil von Elektrofahrzeugen 0,13 %, während er in Italien im Jahr 2017 bei 0,10 % lag. Man rechnet im Jahr 2018 markenübergreifend mit 1.000 verkauften Elektrofahrzeugen. Dennoch ist das Potenzial beachtlich. Erstens, weil bereits mehrere Länder auf verantwortungsvolle Energiequellen setzen. In dieser Region werden 70 % des Stroms über Wasserkraft erzeugt. Auch Wind- und Sonnenenergie entwickeln sich. Zweitens, weil die Behörden in der Regel eine echte Bereitschaft zeigen, Elektromobilität zu fördern. In den meisten Ländern werden für Elektroautos keine Zölle mehr erhoben, in einigen wurde auch die Mehrwertsteuer stark gesenkt.

Adriano Castro
Adriano Castro, Leiter des Elektrofahrzeugprogramms von Renault für die Region Amerika

In zahlreichen Städten, wie Santiago de Chile, Medellín oder Bogotá, sucht man nach Lösungen, wie man Staus und Luftverschmutzung reduzieren kann. In São Paulo beispielsweise gelten die Verkehrsbeschränkungen unter der Woche nur für Verbrennungsautos, Elektroautos sind davon befreit.

Wie positionieren sich Renault-Elektrofahrzeuge in dieser Region?

Renault Twizy von Bogotá (Kolumbien)
Der Renault Twizy auf den Straßen von Bogotá (Kolumbien)

In Lateinamerika ist Renault, wie auch auf dem europäischen Markt, wegweisend und führend. 2018 war jedes dritte, in Lateinamerika verkaufte Elektrofahrzeug ein Renault. Eine unserer Stärken besteht darin, dass wir mit dem Vierrad-Stadtflitzer Renault Twizy, auf den 40 % des Absatzes entfallen, dem Nutzfahrzeug Kangoo Z.E., dem ZOE und der Limousine Fluence Z.E. über ein komplettes Sortiment verfügen.

 
Wie auch auf dem europäischen Markt ist Renault in Lateinamerika wegweisend und führend. 2018 war jedes dritte, in Lateinamerika verkaufte Elektrofahrzeug ein Renault.
Adriano Castro Leiter des Elektrofahrzeugprogramms von Renault für die Region Amerika

Ein weiterer Vorteil ist, dass Renault in vielen Ländern präsent ist: in Brasilien, dem ersten Markt, auf dem Renault 2014 seinen Kangoo Z.E. verkaufte, in Kolumbien, wo der Twizy 2015 eingeführt wurde, in Uruguay, Mexiko oder auch die Bermudas.

Wir waren die ersten, die im März 2018 in Argentinien ein rein elektrisches Fahrzeug, den Kangoo Z.E., auf den Markt brachten. Er wird Anfang 2019 auf dem chilenischen Markt eingeführt. Unsere Hauptkonkurrenten bieten jeweils nur ein Fahrzeug an und sind nur auf einem oder zwei Märkten vertreten.

Wie sind Sie an den Markt herangetreten und wie entwickeln sich die Absätze?

Zunächst hatten wir uns an Unternehmen mit Firmenfahrzeugflotten gewandt, insbesondere an Stromgesellschaften (UTE in Uruguay, ITAIPU in Brasilien usw.), Paketdienste (Fedex, DHL) und Mietwagenfirmen.

Kangoo Z.E. in Brazil in 2014
Das Team von FEDEX Brasilien mit dem Kangoo Z.E., dem ersten Fahrzeug, das Renault 2014 an das Kurier- und Logistikunternehmen in Brasilien verkaufte

Partnerschaften mit bekannten lokalen Unternehmen sind sehr wichtig für das Image unserer Elektrofahrzeuge.
In einem zweiten Schritt wandten wir uns an den Endkundenmarkt: Der ZOE wurde im April 2018 in Kolumbien und im November in Brasilien auf den Markt gebracht. Unser Absatzvolumen steigt jährlich um 50 %. 2018 werden wir rund 400 Fahrzeuge verkauft und bis Ende des Jahres über 1.100 Elektroautos in Verkehr gebracht haben.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Einführung eines Elektroautos in einer neuen Region?

Zunächst muss ein Ökosystem aufgebaut werden, das die Kommerzialisierung von Elektroautos ermöglicht. Das bedeutet, man muss die Fahrzeuge an das lokale Stromnetz anpassen. In Lateinamerika wird es beispielsweise mit 110 Volt betrieben. Dann benötigt man die Typgenehmigung, was bis zu 12 Monate dauern kann, und vieles mehr.

In einigen Ländern waren wir gezwungen, für die Vermarktung des Twizy die Einführung einer neuen Klasse vierrädriger Fahrzeuge zu beantragen. Man muss mit den Behörden zusammenarbeiten, sie dazu anhalten, Anreize finanzieller oder anderer Art zu schaffen und die Ladeinfrastruktur auszubauen. In der Region gibt es immer noch wenig öffentliche Ladestationen. Auch unternehmenseigene Terminals für Firmen- oder Lieferfahrzeuge sind rar gesät. Dennoch nimmt die Zahl der Ladestationen an Tankstellen, Flughäfen, Universitäten und Einkaufszentren allmählich zu.

Unser Ziel ist es, Haushalte und Firmen mit Ladestationen zu versorgen. Wir haben mehrere Vereinbarungen mit Partnern unterzeichnet, um unseren kolumbianischen, brasilianischen und mexikanischen Kunden ein Paket anzubieten, das sowohl das Fahrzeug als auch die Installation einer Ladestation umfasst. Das senkt die Preise und macht den Nutzern das Leben leichter! Dank eines Finanzierungsangebots seitens unserer Tochtergesellschaft RCI bekommen Kunden, die einen Neuwagen erwerben, die Ladestation gratis dazu.

Was die Fertigung angeht, müssen wir dem Bedarf vorausgreifen und die Produktion insbesondere für Zeiten wachsender Nachfrage sorgfältig planen, um die Lieferfristen möglichst gering zu halten.

Welche Pläne und Prioritäten haben Sie für die kommenden Monate beziehungsweise das kommende Jahr?

Wir bauen das Netz unserer Renault Z.E. Expert-Betriebe, die auf den Verkauf und den Kundendienst von Elektrofahrzeugen spezialisiert sind, weiter aus. Im Januar 2019 werden wir zusammen mit dem Wasserkraftwerksbetreiber Itaipu Binacional ein zweites After-Sales-Schulungszentrum der Renault Academy in Brasilien eröffnen. In diesem Schulungszentrum für Techniker wird man sich ausschließlich mit Elektrofahrzeugen befassen.

Im Jahr 2019 werden wir in Kolumbien das erste Batterie-Reparaturzentrum der Region einweihen. Schließlich bereiten wir den zweiten Lebenszyklus der Batterien vor und arbeiten am Recycling. Wie überall auf der Welt!

 

Copyrights: Yannick BROSSARD, Renault Communication Brésil

 

Wie Elektrizität das Automobil, die Energie, die Territorien verdändert...

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