„Second-Life-Zyklus: Altbatterien als stationäre Energiespeicher“

Verfasst von am 09.01.2019 - 5 min

Amaury Gailliez, Battery Business & Operations Director der Groupe Renault, und Matthew Lumsden, CEO von Connected Energy, erläutern, wie die beiden Unternehmen ausgediente Elektroautobatterien als stationäre Energiespeicher weiterverwenden und somit einem zweiten Lebenszyklus zuführen. Das Ergebnis dieser Partnerschaft? Eine intelligente Lösung, von der sowohl die Endkunden als auch die Energiesysteme profitieren.

Welche Art von Partnerschaft besteht zwischen der Groupe Renault und Connected Energy?

Matthew Lumsden, CEO von Connected Energy
Matthew Lumsden, CEO von Connected Energy

Matthew Lumsden: Connected Energy ist ein Entwickler und Anbieter kommerzieller E-STOR-Energiespeichersysteme für Kunden mit großem Speicherbedarf. Das Prinzip besteht darin, dass wir eine große Anzahl von Elektroautobatterien zu einer größeren Speichereinheit zusammenfügen. Seit über vier Jahren arbeiten wir mit der Groupe Renault an einer Lösung, wie man die gebrauchten Batterien der Elektroautos, die immer noch ausreichend Kapazität für eine Weiternutzung haben, als stationäre Speichersysteme verwenden kann. 

Amaury Gailliez, Battery Business & Operations Director der Groupe Renault
Amaury Gailliez, Battery Business & Operations Director der Groupe Renault

Amaury Gailliez: Unsere geschäftliche und logistische Zusammenarbeit mit Connected Energy zielt drauf ab, die hohe Lebensdauer unserer Batterien bestmöglich zu nutzen. Der erste Lebenszyklus einer Batterie dauert 10 bis 15 Jahre. Nach dieser Zeit besitzt sie immer noch 75 % ihrer Kapazität. Auch der zweite Lebenszyklus kann bis zu 10 Jahre dauern, wodurch nicht nur der ökologische Fußabdruck der Batterie gesenkt, sondern auch der Zugang zur Energiespeicherung in großem Umfang möglich wird.

Worin bestehen im Wesentlichen die Vorteile der stationären Energiespeicherung mit Altbatterien?

AG: Unsere Batterien werden für eine anspruchsvolle Nutzung entwickelt. Sie sind deshalb nachhaltig und zuverlässig konzipiert. Können unsere Batterien nicht mehr ihre maximale Kapazität liefern, sind sie immer noch so leistungsfähig, dass sie sich für eine stationäre Nutzung eignen. Diese erweist sich als besonders sinnvoll, da die Technik der Energiespeicherung für die Gewährleistung der Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit des Stromnetzes bald unerlässlich sein wird.

ML: Da mit der Zeit immer mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sein werden, wird es in Zukunft immer mehr nutzbare Speichereinheiten geben, sodass der Kauf und die Herstellung neuer Batterien überflüssig werden. Wir bieten aufgrund der hohen Konzeptionsstandards der Batterien absolut sichere und zuverlässige Produkte an. Durch das Zusammenschließen dieser Batterien zu größeren Einheiten können wir sie zur Speicherung erneuerbarer Energie oder zur Entlastung des Stromnetzes in Spitzenlastzeiten nutzen. Dies hat zur unmittelbaren Folge, dass die Energiespeicherung billiger wird und von mehr Strukturen genutzt werden kann. Mit dem Ausbau der Energiespeicherung wird zudem die Erzeugung von kohlenstoffarmem und günstigem Strom gefördert – was nicht nur eine gute Nachricht für den Sektor der Elektromobilität, sondern für alle Sektoren ist! Eine intelligente Lösung also!

Können Sie uns anhand einiger Beispiele aufzeigen, welche Vorteile dieser Second-Life-Zyklus für die Endkunden der Groupe Renault und Connected Energy hat?

Container E-STOR 60/90
Der Container E-STOR 60/90 mit einer Leistung von 60 kW und einer Energiespeicherkapazität von 60 kWh. Das System ist in dem von Statkraft betriebenen Wasserkraftwerk in Rheidol (Wales) installiert und an ein virtuelles Kraftwerk angeschlossen.

ML: Indem wir die Lieferketten beider Unternehmen nutzen, können wir mehr Kunden beliefern. Bei diesen Kunden kann es sich um Versorgungsunternehmen handeln, die Speicherlösungen für ihre Verbraucher suchen, oder um Industriekonzerne, die Energie aus ihren eigenen Energieerzeugungsanlagen vor Ort speichern möchten, um Energiereserven zu schaffen. Wir gehen auch auf Unternehmen mit spezifischen Anforderungen ein.
Insbesondere Ladestationen für Elektrofahrzeuge benötigen oft eine Hilfsstromversorgung, da das schnelle Aufladen vieler Autos zur gleichen Zeit das Netz belastet. Ein weiteres Beispiel sind Betriebe, die zur Aufrechterhaltung ihrer wesentlichen Funktionen im Falle eines Netzausfalls besonders belastungsfähig sein müssen, wie beispielsweise Wasserversorgungsunternehmen.
All diese Einsatzmöglichkeiten haben eines gemein: Sie tragen zu einem stabilen, reaktionsfähigen, nachhaltigen und effizienten Stromversorgungssystem bei.

Das Wasserkraftwerk Rheidol von Statkraft
Das Wasserkraftwerk Rheidol von Statkraft

AG: Durch die Zusammenarbeit mit Connected Energy eröffnen sich darüber hinaus Möglichkeiten für eine Optimierung von Produktion und Logistik. Letztere ist ein wichtiger Faktor in der Lieferkette, da Batterien sehr schwer und sperrig sind und für das Handling strenge Sicherheitsprotokolle gelten. Mit einer integrierten Lieferkette haben wir die Möglichkeit, den zweiten Lebenszyklus von Batterien im großen Maßstab vorzubereiten.

Batterie-Wiederaufbereitungslinie im Renault-Werk in Flins, Frankreich
Batterie-Wiederaufbereitungslinie im Renault-Werk in Flins, Frankreich

Diese Effizienzsteigerungen werden den Kunden zugutekommen, die somit von geringeren Gesamtkosten oder „TCO“ (Total Cost of Ownership) für Batterie und Fahrzeug profitieren. Dies wiederum trägt dazu bei, die Fahrzeuge breiter zugänglich zu machen und immer mehr dieser künftigen Speichereinheiten in Verkehr zu bringen. Eine Triple-Win-Lösung also, von der die Hersteller, die Kunden und auch die Umwelt profitieren.

Überholung einer Batterie im Renault-Werk in Flins, Frankreich
Überholung einer Batterie im Renault-Werk in Flins, Frankreich

Welche zukünftigen Entwicklungen erwarten Sie im Zusammenhang mit der Energiespeicherung durch Elektroautobatterien?

ML: Vom operativen Gesichtspunkt aus betrachtet glaube ich, dass die zunehmende Verfügbarbarkeit von Batterien Energiespeicherprojekte in immer größerem Umfang ermöglicht. Man wird viele Projekte auf Industrie- und Gewerbeflächen umsetzen können. Unsere derzeit betriebenen oder im Bau befindlichen E-STOR-Systeme haben Kapazitäten von 60 kW bis 6 MW. Wir hoffen jedoch, bis 2020 kommerzielle Systeme mit 20 MW einsetzen zu können. Ich gehe davon aus, dass die Energiespeicherung letztendlich in vielen Betrieben Bestandteil des firmeneigenen Energieversorgungssystems werden wird. Unser Ziel ist es, ihre wirtschaftliche Rentabilität im Vergleich zu anderen Technologien zu erhalten.

AGEines steht fest: Diese Lösung hat ein enormes Potenzial. Man nehme nur das Beispiel der Batteriekapazität: Wir haben mit Autos mit 22 kWh-Batterien begonnen, und werden bald die 100 kWh-Marke erreichen. Selbst wenn die aktuellen Batterien in ihrem ersten Lebenszyklus 20 % ihrer Kapazität verlieren, verfügen sie immer noch über sehr viel nutzbare Energie! In den kommenden Jahren werden Millionen von Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein, das heißt, es wird Millionen von Autobatterien geben, die künftig in einem zweiten Lebenszyklus zur Aufrechterhaltung eines effizienten und reaktionsfähigen Stromnetzes genutzt werden können.

 

Copyrights: Renault Communication Brésil, Connected Energy, Roland MOURON, PLANIMONTEUR

 

Wie Elektrizität das Automobil, die Energie, die Territorien verdändert...

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