Sharing-Systeme: Europa im Freilauf!

Verfasst von am 20.01.2020 - 4 min

Entwicklung der Intermodalität, Ersatz des privaten Fahrzeugs, Entlastung der Stadtzentren, Verringerung der Umweltverschmutzung, geteilte und elektrische Mobilität – so präsentiert sich die Zukunft der Städte. Für ihre Entwicklung kann die Stadt auf Sharing-Angebote zählen. Aber was genau ist damit gemeint?

Was ist Carsharing?

Carsharing bedeutet, dass eine Person wann sie will, oft nur für kurze Zeit und ohne Einschaltung eines Vermittlers, über ein Fahrzeug verfügen kann. Diese Form der geteilten Mobilität ermöglicht es ihren Nutzern, ein Fahrzeug entsprechend ihren Bedürfnissen zu verwenden, ohne für seine Gesamtkosten aufzukommen. Das Carsharing entwickelt sich vor allem in Städten, die oft gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen sind und wo sich der Kauf eines Fahrzeugs im Verhältnis zu seiner Nutzung nicht immer lohnt. In Frankreich macht ein Auto laut ADEME im Durchschnitt 10 bis 12 % des jährlichen Budgets der Haushalte aus, wird jedoch nur 5 % der Zeit und in der Stadt gefahren. Außerdem sind 40 % der täglichen Autofahrten kürzer als 3 km.
Es gibt verschiedene Formen von Carsharing: mit Schleifenfahrt, mit Einwegfahrt oder im Free Floating. Die ersten beiden basieren auf einem System mit Verleihstationen mit einem für das Fahrzeug reservierten Stellplatz. Es muss dann am gleichen Ort (Schleifenfahrt) oder an einer anderen Station (Einwegfahrt) abgegeben werden. Beim Free Floating-Carsharing stellen Sie das Fahrzeug innerhalb eines Geschäftsgebiets und natürlich unter Beachtung der Parkvorschriften dort ab, wo Sie möchten.

Diese Carsharing-Dienste, die zunehmend mit Elektroautos funktionieren, können von Kommunen, privaten Akteuren, manchmal von einer Allianz beider oder von Privatpersonen angeboten werden.

Wie wird ein Carsharing-Auto gebucht?

Je nach Anbieter gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: mit oder ohne Abonnement, mit Reservierung (per Internet oder Telefon) oder ohne Reservierung. In der flexibelsten Version des Carsharings, beim Free Floating, ist es möglich, das Auto ohne Abonnement und nur über das Smartphone zu finden, zu reservieren, zu entriegeln, das Übergabeprotokoll beim Ein- und Aussteigen zu erstellen und das Auto zurückzugeben. Dies ist der Fall bei Zity in Paris in Frankreich.
Abgesehen von den möglichen Kosten für das Abonnement zahlt der Benutzer entsprechend der Mietdauer und den zurückgelegten Kilometern oder pauschal (z.B. tageweise). Der Mietpreis beinhaltet Versicherung, Kraftstoff, Parkgebühren und Wartung.

Die verschiedenen Verkehrsmittel mit Sharing-Angeboten

Neben Autos findet man auch Sharing-Angebote für Fahrräder, Motorroller und E-Scooter. Auch wenn die Verkehrsmittel unterschiedlich sind, so werden sie nach den gleichen Prinzipien abgerechnet und bereitgestellt. Bei den Motorrollern und den E-Scootern überwiegt das Free Floating und allgemein werden mobile Apps verwendet.

Fahrrad-Sharing

Wie könnte man die Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel besser fördern, als es zunächst als Sharing-Rad anzubieten? Keine Probleme mehr, zu Hause einen Platz dafür zu finden, keine Angst mehr vor Dieben, keine lästigen Wartungsarbeiten mehr. Die Geschichte begann 1965 in Amsterdam mit den Witte fiets (weiße Fahrräder). Diese Bewegung war von Provo – einer Protestgruppe, die die Stadt vom Auto befreien wollte – ins Leben gerufen worden. Aber es war die Stadt Kopenhagen, der Mitte der 90er Jahre das erste echte Fahrradverleihsystem mit 1000 Fahrrädern an 120 Leihstationen zu verdanken war. Andere europäische Länder folgten: Großbritannien, die Niederlande, Frankreich, Deutschland usw. Heute haben fast zwanzig europäische Länder in mehr oder weniger großem Maßstab das „Bike-Sharing“ eingeführt. Mittlerweile gibt es auch Sharing-Angebote mit E-Bikes.
Mindestens 18 europäische Länder bieten Bike-Sharing-Dienste an, die häufig von JC Decaux oder Clear Channel betrieben werden. Diese zwei Akteure der Stadtwerbung haben ihre eigenen Fahrradverleihsysteme (Cyclocity und SmartBike) entwickelt. In jüngerer Vergangenheit wurden die Straßen Europas (und der Welt) von den Rädern der chinesischen Giganten Ofo und Mobike überrollt. Der Ride-Hailing-Riese Uber ist mit seinen JUMP-E-Bikes, die bereits in Paris, London, Berlin und Lissabon zu finden sind, ebenfalls ins Rennen eingestiegen.
Um die Einführung derartiger Dienste in mittelgroßen Städten zu fördern, gibt es heute schlüsselfertige Lösungen wie Ecovelo, das elektrische oder konventionelle Fahrräder mit oder ohne Verleihstation und ohne erforderliche Bauarbeiten anbietet.

Fahrrad-Sharing

Roller-Sharing

Als Zwischenlösung zwischen Fahrrad und Auto kamen Mitte 2010 Sharing-Angebote für Motorroller auf den Markt. Es handelt sich fast ausschließlich um Roller mit Elektromotor. Die Begeisterung für diese Art der Fortbewegung ist groß, besonders in Spanien, Frankreich und Deutschland. Allein in Madrid und Paris sind 36 % aller Sharing-Roller weltweit im Einsatz.
Die Elektroroller von CityScoot stehen mittlerweile in Paris und Nizza bereit. In der französischen Hauptstadt wird der Verkehr mit diesen Rollern auf 10.000 bis 13.000 Fahrten pro Tag geschätzt. 2018 waren in Spanien knapp 9.000 und in Frankreich knapp 5.000 Roller im Rahmen von Sharing-Systemen unterwegs.

Sharing-E-Scooter

Sharing-E-Scooter

Die jüngsten Neuankömmlinge – die E-Scooter oder Elektro-Tretroller – haben einen kometenhaften Aufstieg erlebt. Der Hype begann Anfang 2018 in den USA mit Bird und Lime. Schon rasch haben sie die restliche Welt erobert, da die E-Scooter von Lime noch im Juni desselben Jahres und die von Bird im August in Paris angekommen sind. Heute ist Lime in fast 150 Städten auf der ganzen Welt vertreten und Bird in knapp hundert. Die beiden Firmen dominieren den Markt weitgehend, aber andere Akteure wie Bolt, Wind oder Jump sind ihnen dicht auf den Fersen.
Diese im Free Floating – also ohne Leihstation – verfügbaren elektrischen Tretroller haben die Städte veranlasst, neue Verkehrsvorschriften zu erlassen. Frankreich verabschiedete im Oktober ein Dekret zur besseren Regelung ihres Verkehrs. Der E-Scooter ist nun Teil der Straßenverkehrsordnung. Seine Benutzung auf den Bürgersteigen ist offiziell verboten und seine Geschwindigkeit wurde auf 25 km/h beschränkt. Die Pariser Stadtverwaltung erwägt auch eine Regulierung des Marktes durch eine Begrenzung der Anzahl der Anbieter und der im Umlauf befindlichen E-Scooter.

Roller-Sharing

Einige Carsharing-Angebote in Europa

2018 nannte der Bericht des Marktforschungsinstituts Berg Insight mit dem Titel „The Carsharing Telematics Market“ 500 Carsharing-Anbieter auf der ganzen Welt. Es gibt vielerlei Akteure: Carsharing-Spezialisten, aber auch Autovermieter, Autohersteller und öffentliche Verkehrsbetriebe. Es handelt sich oft um lokale, auf Ebene einer Stadt (oder eines Ballungsraums) verwaltete Sharingdienste. In den größten Städten werden diese Dienste oft von mehreren Unternehmen angeboten. In Madrid, das regelmäßig als Musterschüler für Carsharing genannt wird, teilen sich mindestens fünf Anbieter den Markt: Car2Go, Emove, Zity, Ubeeqo und Free2Move. Einige von ihnen, wie z.B. Car2Go oder Ubeeqo, sind in mehreren Ländern präsent. Was die Fahrzeuge betrifft, so ist der ZOE bei den Elektro-Carsharing-Diensten sehr beliebt. Er wird in Utrecht und Amsterdam in den Niederlanden, Paris, Bologna, Madrid und Kopenhagen angeboten.

Fokus auf das Carsharing in Frankreich

Zity Paris

Seit der Premiere von Autolib‘ 2011 in Paris haben mehrere Städte Carsharing-Angebote eingeführt: Bordeaux, Nantes, Lyon, Lille, Marseille, Straßburg usw. In Paris war nach dem Rückzug von Autolib‘ der elektrische Carsharing-Dienst Moov’in.Paris der erste, der wieder ein solches Angebot bereitstellte. Es folgten Car2Go, Free2Move und jetzt Zity. Nach Angaben des französischen Ministeriums für den ökologischen und solidarischen Wandel nutzten im Jahr 2017 5 % der französischen Bevölkerung das Carsharing. Diese Zahl steigt in der Pariser Region auf 11 % und in den Pariser Innenbezirken auf 20 % an.
Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Carsharing-Dienste wird es interessant sein zu sehen, wie sich die Apps entwickeln werden, um die Intermodalität zu fördern und die geteilte (und elektrische) Mobilität zum dominierenden Mobilitätsmodell in den Städten zu machen.

 

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