„Das E-Carsharing hat eine rosige Zukunft vor sich“

Verfasst von am 10.07.2020 - 4 min

Nach Madrid bringt die Groupe Renault den ZITY Service nunmehr auf die Straßen von Paris. Der gemeinsam mit Ferrovial entwickelte E-Carsharingdienst legt einen tollen Start hin. Gilles Normand, Leiter der Sparte Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste der Gruppe, nutzt diese Gelegenheit, um eine erste Bilanz zu ziehen.

Am 20. Mai wurde der Startschuss für die 500 Renault ZOE des Carsharingdienstes gegeben. Wie lauten die ersten Ergebnisse?

Mitte Juni, nur drei Wochen nach dem Start, hatte der ZITY Service in Paris bereits 10.000 Nutzer. Alle vier Minuten wird ein Auto für eine durchschnittliche Dauer von mehr als 4 Stunden gemietet. Die Pariser haben momentan das Bedürfnis, hinaus aufs Land zu fahren. Unser sehr flexibles Angebot mit Minutenpreisen und mit Tagespauschalen scheint exakt auf ihre Erwartungen einzugehen. Ein Viertel aller Fahrzeuge sind auch mit Kindersitzen ausgestattet.
Außerdem haben wir während der Gesundheitskrise wegen Covid-19 im Rahmen einer Aktion mit den Pariser Krankenhäusern und dem Roten Kreuz kostenlos 140 ZOE für das Pflegepersonal zur Verfügung gestellt. Das war ein echter Test im großen Maßstab und hat uns die Möglichkeit gegeben, sehr strenge Hygienemaßnahmen einzurichten, die unsere Kunden beruhigen.

Gilles Normand, Leiter der Sparte Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste der Gruppe
Gilles Normand, Leiter der Sparte Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste der Gruppe

Ist dieser gute Start auf die derzeitigen Umstände zurückzuführen oder glauben Sie, dass der Trend beständig ist?

Ist das die Wirkung der Neuheit, eine Folge der Tatsache, dass die Menschen versuchen, die öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden? Es ist noch zu früh, um es zu wissen. Aber wenn man die Situation in Madrid betrachtet, wo ZITY seit mehr als zwei Jahren existiert, haben wir dort bereits wieder 85 % der Aktivität „Vor Covid“ erreicht, während der gesamte Autoverkehr nur bei 70 % ist.

Ich glaube eher, dass die Gesundheitskrise die zunehmende Bereitschaft – vor allem der jüngeren Generationen – für eine neue, saubere und CO2-freie Mobilität verstärkt hat. Keine Parkplatzsorgen, keine Versicherung, keine Wartung, Fahrzeuge mit wenig CO2– und Feinstaubemissionen, Flexibilität … Das Carsharing-Angebot von ZITY trifft exakt ihre Erwartungen.

 
Das Carsharing-Angebot von ZITY trifft exakt die Erwartungen der Verbraucher!
Gilles Normand Leiter der Sparte Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste der Gruppe

Lässt Sie dieser Erfolg bereits eine Entwicklung von ZITY an anderen Orten ins Auge fassen?

ZITY funktioniert bereits im Pariser Vorort Clichy und seit dem 22. Juni in Boulogne-Billancourt, einer emblematischen Stadt für Renault, denn sie ist die Wiege unserer Gruppe! Sollte sich der Erfolg bestätigen, können wir die Einsatzzonen rund um Paris schrittweise ausdehnen. Aber wir müssen auf die Rentabilität des Dienstes achten, denn das ist die beste Garantie für seinen Fortbestand. Wir planen auch eine Einführung in anderen Städten Frankreichs.

In anderen Ländern Europas haben bereits ein Dutzend Städte ihr Interesse an ZITY geäußert. Unser Ziel ist es, bis Anfang 2021 ein oder zwei Projekte umzusetzen.

Zity Paris

Zity ist einer der Bausteine der Mobilitätsstrategie von Groupe Renault. Wie sehen Sie generell die Zukunft des Carharings?

Positiv! Bis 2030 dürfte der Markt für Automobil-Mobilität zu einem Drittel aus Benutzern solcher Dienste bestehen, die also nicht mehr Eigentümer, sondern nur Nutzer eines Autos sein werden. In den Städten ist die Multimodalität bereits im Vormarsch. Wir sind überzeugt, dass das E-Carsharing zu erschwinglichen Preisen morgen eines der Puzzlestücke sein wird, um auf diese Trends zu reagieren und die ökologischen Herausforderungen zu bewältigen.

Zwei entscheidende Faktoren werden seine Entwicklung vorantreiben: Zunächst die Städte, die im Carsharing eine Lösung sehen, um Verkehrsstaus, Umweltverschmutzung und Parkplatzflächen zu reduzieren. Die Dynamik des Carsharings hängt übrigens sehr stark von der Bevölkerungsdichte ab. Und zweitens die Unternehmen, die es für ihre Mitarbeiter oder für die Zustellungen auf der letzten Meile in den Innenstädten einsetzen.

ZITY Paris app

Wie entwickelt sich vor diesem Hintergrund das Carsharing-Angebot von Groupe Renault?

Wir haben bereits jetzt die passende Lösung, den geeigneten Fahrzeugtyp und die ausreichende Anzahl von Fahrzeugen für alle Anfragen von Kommunen oder Unternehmen. In den Großstädten bevorzugen wir das Free Floating, in den kleineren Kommunen und für Unternehmensflotten dagegen die stationsbasierten Systeme. Wir wollen nicht selbst in allen Städten Betreiber sein und arbeiten deshalb oft mit Partnern im Bereich der Elektromobilität wie GreenMobility in Kopenhagen, Oslo und seit kurzem auch in Göteborg und Malmö, oder mit Aimo in Stockholm oder mit Fetch in Amsterdam zusammen. 

Was die Fahrzeugmodelle betrifft, so funktioniert ZITY mit dem ZOE, während unser Partner TOTEM Mobi für Marseille den Twizy gewählt hat und Ikea seine Flotte mit Kangoo Z.E. aufgestockt hat. Renault Mobility – der stationsbasierte Carsharing-Dienst der Gruppe – bietet in Frankreich bereits die gesamte Fahrzeugpalette von Renault und Dacia an. Als Hersteller entscheiden wir über die notwendigen Entwicklungen der Fahrzeuge, damit sie sich für die Elektromobilität eignen. So arbeiten wir beispielsweise daran, dass der ZOE bereits bei seiner Herstellung mit dem elektronischen Gerät für die Kommunikation mit der Carsharing-App ausgestattet wird. 

Ganz besonders achten wir auf das Feedback unserer Kunden bezüglich der Qualität unserer Dienste und wir lernen aus allen unseren Erfahrungen, um uns auf diesem Markt mit seinem rasanten Wachstum weiter zu entwickeln: Von 11.000 Elektroautos, die 2019 in Carsharingdiensten angeboten wurden, waren 8000 von Renault. Man geht davon aus, dass die europäische E-Flotte bis 2025 auf 120.000 Fahrzeuge anwachsen wird. Unsere Elektromobilitätsdienste sind bereit, sich diesen neuen Herausforderungen zu stellen!

 

Copyrights: Groupe Renault, LEMAL, Jean-Brice, PLANIMONTEUR

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