Ladestationen für Elektroautos: Welche Möglichkeiten gibt es?

Verfasst von am 02.06.2020 - 5 min

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Als notwendige Begleiterscheinung der Elektromobilität sind Ladestationen immer häufiger anzutreffen. Sie befinden sich überall: in Privathaushalten, an der Straße, auf Parkplätzen und Autobahnraststätten. Mit welcher Ladestation fährt man jedoch am besten? Hier ein Überblick über die Möglichkeiten.

Wo lädt man sein Elektroauto?

Wo und wie sollte man sein Elektroauto laden? Von der Ladestation zu Hause über Ladepunkte an Tankstellen und Autobahnraststätten bis hin zu Ladesäulen auf den Parkplätzen der Supermärkte haben Autofahrer heute Zugang zu einer umfassenden Ladeinfrastruktur für ihr Elektroauto: Tatsächlich gibt es 2020 in Europa mehr als 200 000 öffentliche Ladestationen zusätzlich zu den Lademöglichkeiten an privaten Orten wie etwa zu Hause, in der Firma usw. Die Anzahl der öffentlichen Ladestationen nimmt jedes Jahr weiter zu und beträgt in Frankreich fast 30 000, in Deutschland etwa 33 000 und in Großbritannien knapp 25 000. 10 bis 15 % davon sind Schnellladestationen. Jede Art von Ladestation hat ihre Vor- und Nachteile in Bezug auf Kosten, Geschwindigkeit oder Zugänglichkeit.

Die Heim-Ladestation

Ladestation zu Hause

Der beste Moment, um sein Elektroauto zu laden, ist, wenn man es nicht benutzt! Viele Fahrer laden ihr Elektroauto deshalb am liebsten über Nacht zuhause, damit die Batterie am nächsten Tag wieder einsatzbereit ist – zum Beispiel für den täglichen Weg zur Arbeit. So lässt sich im Winter vor dem Start automatisch der Innenraum heizen – ganz einfach mit einer mobilen App. Ebenso kann man im Sommer vor der Abfahrt die Klimaanlage starten. In beiden Fällen wird die Reichweite nicht beeinflusst, denn das Auto regelt nach und nach auf die gewünschte Temperatur, während es noch an der Ladestation hängt. 

Rein theoretisch reicht dafür eine einfache geerdete Steckdose aus. Sie ist allerdings nicht speziell für das Laden von Elektroautos konzipiert, weshalb die Stromleistung stark eingeschränkt wird. Das Resultat sind längere Ladezeiten. So dauert ein vollständiger Ladevorgang oft fast zehn Stunden. Montiert man jedoch eine der Leistung des Autos entsprechende Wallbox, lässt sich das Auto zuhause erheblich schneller laden. 

So scheint im Hinblick auf die Ladeoptionen zuhause eine Ladestation besonders interessant zu sein: die Wallbox. Diese häusliche Ladestation bietet jede Menge Vorteile. Sie ist über einen speziellen Stromkreis mit dem Schaltschrank verbunden. Die Leistung einer Haushaltssteckdose ist beschränkt (in Frankreich etwa auf 10 Ampere). Die Wallbox hingegen kann 32 Ampere – und je nach Modell sogar noch mehr – liefern. Diese höhere Leistung beschleunigt den Ladevorgang um 30 %. Die Wallbox wird meistens über einen Typ-2-Stecker an das Auto angeschlossen. Sie ist mit Komponenten ausgestattet, die die Stromversorgung so steuern können, dass beispielsweise Niederlastzeiten nach dem Prinzip des intelligenten Ladens bevorzugt werden. Es ist also nicht unvermeidlich, eine höhere Stromrechnung in Kauf nehmen zu müssen. Die Elektronik der Wallbox ist so ausgelegt, dass Energieverluste durch Erwärmung der Batterie beim Laden vermieden werden. Darüber hinaus ist sie mit Überspannungsschutzmechanismen ausgestattet, um die Sicherheit des Hauses und seiner Bewohner zu gewährleisten.

Diese Art Ladestation kostet zwischen 500 und 1 000 Euro. Dazu kommen mögliche Installationskosten, die manchmal vom Hersteller übernommen werden können. Gut zu wissen: In Frankreich können Privatpersonen eine Steuergutschrift von 300 Euro im Rahmen des Energiewandels erhalten. Auch in anderen Ländern gibt es Zuschüsse. Die Wallbox ist damit ideal, um schnell seinen Renault ZOE zuhause oder an jedem anderen privaten Zugangsort zu laden.

Ladestationen für Eigentümergemeinschaften

Angesichts der immer stärker werdenden Einschränkungen für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor im städtischen Umfeld sind Elektroautos – auch aufgrund ihrer Kurzstreckentauglichkeit – hier die ideale Lösung. Ballungsräume bedeuten automatisch auch eine große Anzahl an Mehrfamilienhäusern. Daher gewinnt die Frage nach Lademöglichkeiten für Eigentümergemeinschaften immer mehr an Bedeutung.

2018 wurde deswegen auf europäischer Ebene der Rahmen für ein «Recht auf einen Ladeanschluss» für Eigentümergemeinschaften mittels einer Richtlinie namens EPBD (Energy Performance of Building Directive oder «Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden») geschaffen. Mit anderen Worten: Bei gemeinsam genutzten Parkmöglichkeiten in Wohnblöcken oder Wohnanlagen ist die Installation einer Ladestation möglich. Das Thema muss lediglich auf der Eigentümerversammlung angesprochen und abgestimmt werden. Das ist oft eine reine Formalität. Für eine solche Installation gibt es sogar finanzielle Unterstützung. In Frankreich etwa lassen sich mit unterschiedlichen Hilfen für Privatpersonen oder Eigentümergemeinschaften bis zu 50 % der Kosten decken (Deckelung auf 360 bzw. 1 600 Euro). In Großbritannien beteiligt sich der Staat über ein spezielles Programm der Regierungsstelle für schadstoffarme Fahrzeuge mit bis zu 75 %. Norwegen wiederum hat einen Energie- und Klimasubventionsfonds aufgelegt und übernimmt bis zu 20 % der Ausgaben (nach Absprache) bis zu einer Höhe von 5 000 Kronen (etwa 500 Euro).

Das Laden in der Firma

Kangoo Z.E. lädt bei der Arbeit auf

Hat man keine Ladestation zuhause, kann man unter Umständen die vom Arbeitgeber bereitgestellte Ladesäule nutzen. Immer mehr Unternehmen statten ihre Parkplätze mit Ladesäulen für die firmeneigene Flotte oder die PKWs ihrer Mitarbeiter aus. Anreize in Form von teilweise hohen Steuervergünstigungen in fast allen europäischen Ländern sollen zur Installation von Ladesäulen motivieren. Eine gute Neuigkeit für die Beschäftigten, die ihr Elektroauto während der Arbeit kostenlos laden können! 

Die im Juni 2018 vom Europaparlament verabschiedete Richtlinie über die Energieeffizienz von Gebäuden sieht vor, dass alle Nichtwohngebäude mit mehr als zehn Parkplätzen mindestens über eine Ladestation für Elektroautos verfügen müssen.

Öffentliche Ladestationen

Öffentliche Ladestation des ZOE

Auf europäischer Ebene sind Städte und Gebietskörperschaften darum bemüht, den Aufschwung der Elektromobilität durch Investitionen in die öffentliche Ladeinfrastruktur zu begleiten. Inzwischen gibt es einen Ladepunkt pro neun zugelassene Elektroautos, wenn man aufladbare Hybridfahrzeuge mitberücksichtigt. Diese Zahl deckt sich schon fast mit dem von der Europäischen Union festgelegten Ziel. 

Diese Ladestationen befinden sich im Allgemeinen auf Parkplätzen, die speziell Elektroautos vorbehalten sind. Da sie öffentlich sind, können sie von allen Verkehrsteilnehmern zu attraktiven Ladetarifen genutzt werden. In manchen Gemeinden sind sie sogar kostenlos. Dennoch sollte man vor dem Laden prüfen, über welche Art von Ladestecker sie verfügen.

Insgesamt handelt es sich bei zwei Drittel um Schnellladesysteme. Das bedeutet, dass die entsprechenden Ladestationen eine Leistung zwischen 14 und 22 kW bieten. Hier muss man etwa zwei Stunden für einen kompletten Ladevorgang einkalkulieren. Daneben gibt es auch Schnellladestationen mit einer Leistung zwischen 24 und 130 kW. Etwa 10 % aller Ladestationen zählen heute zu dieser Kategorie, aber ihre Zahl steigt ständig: Das vereinfacht Langstreckenfahrten wie etwa über die Autobahnen.

Kostenlose Ladestationen für Elektroautos

Vor allem in den europäischen Großstädten wird das öffentliche Ladenetz stark ausgebaut, speziell in und um «verkehrsberuhigte Zonen», in die nur emissionsarme Fahrzeuge einfahren dürfen. In den Randgebieten der Städte dagegen kommt der private Sektor ins Spiel: Die Einkaufszentren beispielsweise haben erkannt, wie wichtig verfügbare Ladestationen für ihre Kunden sind!

Parkplätze und Einkaufszentren

Kangoo Aufladen

Einkaufszentren und Fachmärkte nutzen Ladestationen, um Kunden mit Elektroautos durch kostenloses Schnellladen während des Einkaufs anzulocken und zu binden. Die Rechnung geht auf! Oft wird die Ladestation sogar zu einem Treffpunkt für Elektroautofans. Im Allgemeinen muss man sich am Eingang einen Code oder eine Marke geben lassen, um die Ladesäule zu aktivieren. Es gibt auch Abosysteme, über die sich mehrere Anbieter von Ladestationen nutzen lassen. Zu beachten ist, dass die Anzahl der Park- und Ladeplätze beschränkt ist und sie oft nur während der Öffnungszeiten der Fachmärkte zur Verfügung stehen. Schließlich ist es auch möglich, dass sie aufgrund des Missbrauchs durch einige «E-Fahrer» irgendwann nicht mehr kostenlos angeboten werden. So entschied sich eine große Handelskette kürzlich für ein gebührenpflichtiges Laden nach Minutentarif. Der Tarif erweist sich als abschreckend. 

Auch Parkplatzbetreiber werben mit der Installation von Ladestationen für ihr Parkplatzangebot. So kann man speziell für Elektroautos reservierte Parkplätze und einen Ladeservice zum Vorzugstarif nutzen. Am Flughafen Zürich können Sie Ihren Parkplatz online im Voraus buchen und an einer der 38 Ladesäulen des « Park & Charge»-Bereichs ohne Mehrkosten laden.

Auch für längere Aufenthalte gibt es komfortable Lösungen: Immer mehr Restaurants und Hotels bieten ihren Gästen an, während des Aufenthalts ihre Ladestationen zu nutzen.

Ladestationen an der Autobahn

Autobahnladepunkt

Für weite Strecken haben Elektroautofahrer endlich Zugang zu Ladestationen, die sich an Rastplätzen und Tankstellen entlang der Autobahnen und Fernstraßen befinden. Sie werden oft von Konsortien bestehend aus Automobilherstellern, Gebietskörperschaften und Akteuren aus der Energiewirtschaft verwaltet. 

Schnellladestationen

Es handelt sich meistens um Schnellladestationen mit hoher Leistung, sodass die Autofahrer ihre Fahrt bald wieder fortsetzen können. Die Kosten werden im Allgemeinen nach der Ladezeit oder der verbrauchten Leistung berechnet. Bei Schnellladestationen ist auch die Leistung der Autobatterie mit zu berücksichtigen. Der neue ZOE etwa verfügt über eine Batterie Z.E. 50, die für die technischen Vorgaben einer Ladestation mit einer Leistung von 50 kW geeignet ist. Wird das Auto an eine solche Station angeschlossen, ist es in nur einer Stunde und zehn Minuten komplett geladen. In einer halben Stunde tankt es genug Strom für eine Reichweite von 150 km*.

Es gibt Ladenetze, die über das ganze Land verteilt sind, wie beispielsweise Corri-door in Frankreich oder EnBW in Deutschland. Andere wiederum sind globaler ausgelegt. So sollen mit dem Projekt E-VIA FLEX-E auf den Hauptverkehrsachsen Südeuropas hochleistungsfähige Ladestationen eingerichtet werden. Mit einer mobilen App wie MY Renault wird Stromtanken leicht gemacht, da man direkt per Smartphone zahlen und unterschiedliche Ladenetze ohne Zugangskarte oder Abonnement nutzen kann. Bei Bedarf gibt es auch jede Menge Hilfestellung beim Suchen und Finden öffentlicher Ladestationen.

Und die Ladezeit? Beim Schnellladen erreicht die Batterie nach der Hälfte der Ladezeit bereits 80 % ihrer Kapazität. Um sie vollständig zu laden, also für die übrigen 20 %, benötigt man die zweite Hälfte der Ladezeit. In der Praxis laden sehr viele Menschen die Batterie ihres Elektroautos nur zu 80 %. Das gilt umso mehr an sogenannten Schnelladestationen, an denen bei vielen Elektroautos dieser Zustand schon nach nur dreißig Minuten erreicht ist. 

 

* Reichweite nach WLTP im kombinierten Zyklus (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure, Standardprüfzyklus: 57 % Stadtfahrten, 25 % Überlandfahrten, 18 % Autobahnfahrten). 

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