Wo und wie findet man öffentliche ladestationen?

Verfasst von am 17.06.2020 - 5 min

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Immer mehr Betreiber bieten in ganz Europa Ladestationen für Elektroautos an. Ob an der Autobahn oder auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums: Die Möglichkeiten, sein Elektroauto zu laden, wachsen immer schneller. Eine Bestandsaufnahme der Ladestationen in Europa.

2010 gab es in ganz Europa nur 3 200 Ladestationen für Elektroautos. Innerhalb von zehn Jahren ist diese Anzahl mit jetzt 200 000 verfügbaren Stationen beträchtlich angewachsen. Die Europäische Union peilt bis 2025 eine Million Ladesäulen an und geht davon aus, dass bis dahin 13 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs sind. Dieser spektakuläre Zuwachs zeugt von dem Interesse, das dem Elektroauto entgegengebracht wird.

Starke Unterschiede in Europa

Trotz dieser vielversprechenden Zahlen gibt es in Europa starke Unterschiede. Die Niederlande verzeichneten 2019 mit insgesamt 43 700 Ladestationen im gesamten Land die höchste Anzahl. An zweiter Stelle folgt mit 32 700 Deutschland, das in den nächsten zehn Jahren auf eine Million kommen will, darauf Großbritannien und Frankreich mit jeweils 28 000 Ladestationen und schließlich Norwegen mit 13 000. In Griechenland hingegen gibt es nur etwa 100 Ladepunkte im gesamten Land. Mehr noch als von der Fläche des Landes hängt die Anzahl der Ladestationen von politischen Anreizen auf lokaler und nationaler Ebene ab. Aber auch die Mobilitätsgewohnheiten der Einwohner – insbesondere in den Stadtzentren – haben einen Einfluss. So parken in den Niederlanden die Autos der Anwohner oft auf der Straße und benötigen eine Ladestation in der Nähe. 

Ladestationen an Autobahnen

An immer mehr europäischen Autobahnen gibt es Ladestationen für Elektroautos: eine Notwendigkeit, wenn man bedenkt, dass diese bei hohen Geschwindigkeiten am meisten verbrauchen. Daher wurden entlang der Autobahnkorridore und Hauptachsen Schnellladestationen eingerichtet. Sie bieten eine Leistung zwischen 24 und 175 kW, womit zum Beispiel ein Renault Zoe in einer 30-minütigen Pause eine Reichweite von 150 Kilometern erzielen kann*. Es gibt ungefähr 5 000 derartige Ladestationen in 15 europäischen Ländern. Die Anzahl der Projekte in diesem Bereich wächst stetig. Das von der Europäischen Kommission kofinanzierte Projekt des deutschen Stromversorgers E.ON und des dänischen Betreibers Clever etwa hat zum Ziel, die Autobahnen von Norwegen bis Italien zu versorgen. In Kürze sind 48 Standorte in Norwegen, Italien, Frankreich, Schweden, Dänemark, Großbritannien und Deutschland betriebsbereit. Früher oder später wird man auf den Hauptautobahnen, die diese Länder verbinden, alle 120 bis 180 Kilometer eine Ladestation finden. Ionity wiederum hat an allen europäischen Autobahnen mehr als 400 Ladestationen errichtet, jeder Standort verfügt dabei im Schnitt über sechs Ladepunkte.

Volltanken an Tankstellen, in Einkaufszentren, bei Restaurants und Cafés

Zahlreiche Tankstellen, die ihre Kunden ursprünglich mit Benzin oder Diesel versorgten, bieten ihnen jetzt Ladepunkte für Elektroautos. Das gilt zum Beispiel für Royal Dutch Shell: Das Unternehmen errichtet seit 2017 Ladestationen in ganz Europa. BP wiederum hat 20 Millionen Euro in das israelische Unternehmen StoreDot investiert, um seine Tankstellen in Europa mit Schnellladestationen auszustatten. Freizeitflächen wie Einkaufszentren, Restaurants und Cafés bieten immer öfter kostenlose Lademöglichkeiten an.

Mit Z.E. Trip und Z.E. Pass Ladestationen finden

Der in das Navigationssystem des Elektroautos integrierte Fahrassistent Renault Z.E. Trip zeigt Ihnen alle verfügbaren Ladestationen auf Ihrer Strecke an.
In wenigen Monaten wird es die Smartphone App Renault Z.E. Pass ebenfalls ermöglichen, nach vorheriger Registrierung der Kreditkarte oder des Paypal-Kontos Ladestationen zu finden und an 130 000 Ladestationen in ganz Europa direkt „beim Laden“ zu bezahlen.

Parkplätze mit intelligenten Ladesäulen

Einige Parkplätze bieten Lademöglichkeiten. Das gilt etwa für „Park & Charge“, eine europäische Infrastruktur, die das Laden von Elektroautos an 58 000 aufgeführten Standorten in ganz Europa erlaubt – darunter die Schweiz, Deutschland, Österreich, die Niederlande, Finnland, Frankreich, Spanien oder auch Italien.

Auch Q-Park bietet einen solchen Service, derzeit allerdings nur in den Städten Birmingham, Leeds, Liverpool, London, Manchester, Nottingham, Sheffield und York in Großbritannien. Auch an Flughäfen, wie etwa Heathrow in London oder Roissy Charles de Gaulle bei Paris, nimmt die Anzahl an Ladestationen zu.

In Frankreich hat Vinci Autoroutes Ladestationen auf den Parkplätzen der großen Rastplätze an den Autobahnen errichtet. Dazu kamen 2018 die ersten Ionity Stationen mit extrem hoher Leistung (350 kW). Auch zahlreiche Gemeinden und Ballungsräume haben Ladestationen im öffentlichen Raum eingerichtet: BeLib in Paris oder auch Izivia für den Großraum Lyon. Es gibt zudem Projekte für weniger dicht besiedelte Zonen wie in der Vendée, wo bereits 101 Ladestationen gebaut wurden.

Gleichzeitig passt sich die Gesetzgebung – insbesondere in einigen US-Bundestaaten – an die wachsende Anzahl Elektroautos an. In San Francisco etwa müssen auf den Parkplätzen der großen Einkaufszentren oder in Parkhäusern mit mehr als 100 Stellplätzen künftig auf mindestens 10 % der Fläche Ladestationen installiert werden.

 

* Die hier genannten Zeiten und Strecken wurden auf der Grundlage der Ergebnisse berechnet, die der neue ZOE im WLTP-Zulassungsverfahren erzielte (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure, Standardprüfzyklus: 57 % Stadtfahrten, 25 % Überlandfahrten, 18 % Autobahnfahrten. Dieses Verfahren soll die realen Nutzungsbedingungen von Fahrzeugen abbilden. Die Art der Fahrt nach dem Laden kann dabei jedoch nicht vorhergesehen werden. Die Ladezeit und die erzielte Reichweite hängen auch von der Temperatur, der Abnutzung der Batterie, der Leistung der Ladestation, dem Fahrstil und dem Ladezustand ab.

Copyrights :  HILL Dave, Bandits, BARSHON Paul

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