WLTP – eine bessere Informationsbasis für Autofahrer

Verfasst von am 16.03.2020 - 6 min

Seit dem 1. Januar 2019 ersetzt das WLTP-Testverfahren den NEFZ. Dieses neue, weltweit geltende Verfahren dient der Messung des Schadstoffausstoßes und des Verbrauchs von Verbrennungsfahrzeugen, sowie der Reichweite von Elektrofahrzeugen unter realitätsnahen Bedingungen.

Was versteht man unter einer Typgenehmigung nach dem WLTP-Verfahren?

Generell sind für eine Typgenehmigung eine Reihe obligatorischer Tests erforderlich, um die Übereinstimmung eines neuen, auf den Markt kommenden Fahrzeugs mit den neuen gesetzlichen Vorschriften zu bescheinigen. Dabei wird geprüft, ob die Fahrzeuge die Auflagen für Schadstoffemissionen, auch Abgasnormen genannt, erfüllen. Maßgeblich ist derzeit die Abgasnorm Euro 6.

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WLTP

Seit dem 1. September 2017 findet auf neue Fahrzeugmodelle das Testverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure) Anwendung. Es ersetzt nach und nach den 1990 eingeführten Prüfzyklus NEDC (New European Driving Cycle), auf Deutsch auch NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus), da dieser inzwischen als überholt gilt. Bei allen seit dem 1. Januar 2019 veröffentlichen Bezugswerten handelt es sich ausschließlich um WLTP-Daten.

Dieses neue Typgenehmigungsverfahren misst den Verbrauch und die Schadstoffemissionen (CO2- Ausstoß) von Verbrennungsfahrzeugen sowie die Reichweite von Elektroautos.

Was ist ein WLTP-Zyklus?

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Die von den Automobilherstellern vorgelegten Messungen basieren auf Tests, die teilweise im Labor und teilweise unter realen Bedingungen (RDE) durchgeführt wurden. Das im Vergleich zum NEFZ-Zyklus deutlich realitätsnahere WLTP-Verfahren deckt mit einem innerstädtischen, einem außerstädtischen und einem kombinierten Fahrzyklus ein Maximum an tatsächlichen Nutzungsbedingungen ab. So weicht beispielsweise eine im NEFZ-Zyklus gemessene Reichweite von 400 km einer Reichweite von etwas mehr als 300 km im WLTP-Zyklus.

Im WLTP-Zyklus werden die Tests wie auch im NEFZ im Labor auf dem Prüfstand durchgeführt, wobei jedoch die für bestimmte Fahrzeugmodelle angebotenen Ausstattungsoptionen berücksichtigt werden, da sie sich auf Gewicht und Verbrauch des Fahrzeugs auswirken können.

WLTP-Zyklus und RDE-Test

Für den WLTP gelten zwar strengere Fahrbedingungen als für den NFEZ, die Parameter der tatsächlichen Nutzungsbedingungen eines Fahrzeugs fließen jedoch nicht in die Ergebnisse ein. Zur Ergänzung dieser Daten ist also neben dem WLTP ein zweiter Test, genannt RDE (Real Driving Emissions) für die Zulassung neuer, auf den Markt kommender Fahrzeuge, vor allem europäische Modelle, erforderlich. Bei den zur Bestimmung der Schadstoffemissionen im realen Verkehr verwendeten Tests werden eine Reihe von Kriterien herangezogen, die im täglichen Gebrauch je nach Wetterbedingungen, Gelände, Beladung des Fahrzeugs, Fahrstil oder der Art der benutzten Straßen zu unterschiedlichen Resultaten führen können.

WLTP versus NEDC: Worin unterschieden sich die Testverfahren?

Der WLTP-Fahrzyklus dauert länger und ist realitätsnaher als der NEFZ, was zu starken Abweichungen bei den Ergebnissen führt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der WLTP den Kraftstoffverbrauch und die Abgaswerte im täglichen Gebrauch genauer widerspiegelt, da Fahrzeugtyp, Ausstattung und Optionen berücksichtigt werden. Während also ein Prüfzyklus nach dem WLTP mehrere Werte für ein und dasselbe Fahrzeug liefert, erhält man im NEFZ nur einen einzigen.

Die Unterschiede in Zahlen

Der WLTP dauert 30 Minuten, der NEFZ nur 20 Minuten. Die Streckenlänge beträgt im WLTP-Zyklus 23 km, im NEFZ nur 11 km.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit wird im WLTP mit 47 km/h und im NEDC mit 34 km/h angegeben, auch die Höchstgeschwindigkeit beträgt im ersteren Verfahren 131 km/h und im NEFZ 120 km/h. Während im NEFZ die Geschwindigkeitswechsel bei allen Fahrzeugen ähnlich waren, werden sie im WLTP an die Fahrzeuge angepasst. Das WLTP-Verfahren umfasst 52 % innerstädtische und 48 % außerstädtische Fahrsimulation, gegenüber 66 % bzw. 34 % im NEFZ. Der Prozentsatz der Stillstandzeit wurde von 24 % auf 13 % verringert.

Schließlich sind im WLTP die Testgeschwindigkeiten höher und der getestete Temperaturbereich größer, denn die Messungen erfolgen sowohl bei 14° C als auch bei 23 °C. Im WLTP-Zyklus wird auch die optionale Fahrzeugausstattung berücksichtigt, da sie sich direkt auf den Verbrauch des elektrischen Systems und das Gewicht auswirkt.

 

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