Was Sie über Beihilfen für den Kauf eines Elektroautos in Europa wissen sollten

Verfasst von am 19.11.2019 - 5 min

Was die Verringerung von Treibhausgasen in Europa angeht, tut sich einiges! Im Rahmen dieser Entwicklung rückt vor allem die Elektromobilität in den Fokus. Innerhalb von Europa weichen die Beihilfen für den Kauf von Elektroautos von Land zu Land erheblich voneinander ab. Dennoch…es entwickelt sich eine gewisse Dynamik. Erfahren Sie mehr dazu.

Das Elektroauto: eine Alternative, die dringend benötigt wird

Europas CO2-Reduktionsziele erfordern einen grundlegenden Wandel. Er wird nicht nur durch das europäische Anliegen begründet, die Treibhausgasemissionen zu verringern, sondern auch durch die Notwendigkeit für die Kommunen, Verkehrsstaus in den Städten zu verringern und die Luftqualität zu verbessern. Dies erklärt auch die zunehmenden Zufahrtsbeschränkungen der Städte. Hinzu kommen Initiativen, wie die Crit’Air-Plakette in Frankreich oder seit einigen Jahren die Förderung von Elektromobilität in Form von Steueranreizen. Jedes Land beschließt seine eigenen Maßnahmen entsprechend seiner lokalen Zwänge und Ziele. Trotz unterschiedlich starker Initiativen ist Europa vor China und den USA weltweit der geographische Raum mit den größten Ambitionen.

Umweltbonus oder Wechselprämie, worauf hat man in Frankreich Anspruch?

Triumphbogen und Autoverkehr

In Frankreich gibt es viele Hilfsmaßnahmen, aber zwei davon sind die Flaggschiffe der Landespolitik zur Beschleunigung des ökologischen Wandels: der Umweltbonus, genannt „bonus écologique“ und die Wechselprämie, genannt „prime à la conversion“.
Nach einem ersten Maßnahmenkatalog in diesem Jahr beginnt in den parlamentarischen Institutionen die Debatte zur Ausarbeitung eines neuen Haushaltsgesetzes. Das heißt, die aktuellen Regelungen könnten in den nächsten Monaten erneut geändert werden.

Der Umweltbonus – eine feste Größe

Der 2008 für Privatpersonen und Firmen eingeführte Umweltbonus oder „bonus écologique“ ist ein Anreiz für Autokäufer (PKWs oder Nutzfahrzeuge), Neuwagen mit geringem CO2-Ausstoß zu erwerben. Natürlich besteht keine Pflicht zum Kauf eines Elektroautos, dennoch gilt die Maßnahme vor allem dieser Art von Fahrzeug und verspricht den Käufern einen Bonus von bis zu 6000 Euro. Um diese Steuervergünstigung in Anspruch zu nehmen, müssen sie lediglich nachweisen, dass sie in Frankreich wohnhaft beziehungsweise als Firma ansässig sind. Die Käufer unterliegen jedoch entsprechend der Kategorie ihres Fahrzeugs bestimmten Verpflichtungen.

Eine Wechselprämie nur für Elektro- und Hybridfahrzeuge

Seit April 2015 ersetzt die Wechselprämie („prime à la conversion“) für die Anschaffung eines Elektroautos oder Plug-in-Hybrids die ehemalige Abwrackprämie („prime à la casse“). Im Gegensatz zum Umweltbonus wird diese ausschließlich für den Kauf eines elektrifizierten Fahrzeugs gewährt und setzt voraus, dass der Käufer sein altes emissionsstarkes Fahrzeug verschrotten lässt. Die Prämie kann bis zu 5000 Euro betragen und ist mit dem Umweltbonus kombinierbar.
Unabhängig davon, ob es sich um einen Kauf oder einen langfristigen Leasingvertrag handelt, gilt die Prämie für neue oder gebrauchte Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride gleichermaßen in Pkw- oder Nutzfahrzeugausführung. Sie wird ferner für Gebrauchtfahrzeuge und Verbrennermodelle mit Crit’Air-Plaketten der Kategorie 1 oder 2 sowie für zwei-, drei- und vierrädrige elektrische Kraftfahrzeuge gewährt. Das außer Verkehr gebrachte Fahrzeug kann ein Diesel sein, der vor 2001 zugelassen wurde, oder ein Benziner, der vor 1997 zugelassen wurde. Die Verschrottung muss innerhalb von sechs Monaten nach dem Rechnungsdatum des gekauften oder geleasten Fahrzeugs erfolgen. Die Käufer haben die gleichen Verpflichtungen, wie bei einem Umweltbonus.

Weitere Einzelheiten über den Anspruch auf die „prime de conversion“ in Frankreich finden Sie auf der Website der Regierung.

Lokale Förderung und Sonderzuschüsse der Umwelt zuliebe

Nicht nur der französische Staat unterstützt den ökologischen Wandel. Auch auf Ebene der Regionen und Gebietskörperschaften wird diese Entwicklung in Frankreich durch eine Bezuschussung von Privatpersonen und Firmen beim Kauf von Elektroautos gefördert. Diese Zuschüsse werden zusätzlich zum Umweltbonus und zur Wechselprämie gewährt.
So bietet die Region Île-de-France beispielsweise Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten für den Kauf von Elektroautos, Wasserstoffautos und Plug-in-Hybriden 6000 Euro. Auch das Engagement den Transportunternehmen gegenüber ist groß, denn ihnen werden für den Kauf eines Elektro- oder Wasserstoff-LKWs mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t 9.000 Euro in Aussicht gestellt. Die meisten Beihilfen können miteinander kombiniert werden. Hier empfiehlt sich jedoch, bei der Region oder der jeweiligen Kommune genaue Erkundigungen einzuholen.

Großbritannien: eine Beihilfe namens „Car Scrap Allowance“

Autoverkehr in London

Wie sieht es in anderen Ländern Europas mit Prämien aus? Großbritannien möchte beispielsweise bis 2030 den Anteil an emissionsarmen Neuwagen auf 50 bis 70 % erhöhen. Damit dies gelingt, führte man bereits 2009 die Car Scrap Allowance ein: Dieses Programm ermöglicht britischen Bürgern, die länger als zwölf Monate Besitzer eines mindestens zehn Jahre alten Autos sind, für den Kauf eines Neuwagens eine Beihilfe von 2000 britischen Pfund bzw. 1800 Euro zu bekommen.
Die Förderung der Elektromobilität seitens der Regierung erfolgt auch über ein Zuschussprogramm für Elektroautos oder Plug-in-Hybride, unter der Bedingung, dass deren Reichweite größer/gleich 70 Meilen (ca. 113 km) ist.
Seit November 2018 wird der Kauf von Elektroautos und Wasserstoffautos mit dieser Reichweite mit 3500 britischen Pfund (3990 Euro) bezuschusst.

Italien zieht mit

 Autoverkehr am Kolosseum in Rom

Seit März 2019 gehört auch Italien zum Kreis jener Länder, die auf saubere Mobilität umstellen. Die Regierung kündigte an, bis 2022 eine Million Elektroautos in Verkehr bringen zu wollen und eine zweigleisige Subventionspolitik zu verfolgen: zum einen mit einem Bonus für den Kauf eines Elektroautos, zum andern durch eine Erhöhung der Steuern für Verbrennungsfahrzeuge. Die Zuschüsse für den Kauf eines emissionsarmen Neuwagens können bis zu 6000 Euro betragen, wobei Modelle über 50.000 Euro von der Maßnahme ausgeschlossen sind. Bei Hybriden hängt die Beihilfehöhe von der Schadstoffbelastung ab.
Auch die Besteuerung von Verbrennungsfahrzeugen unterliegt gewissen Bedingungen und hängt von deren Schadstoffausstoß ab (1100 bis 2500 Euro für besonders emissionsstarke Fahrzeuge). Eine steuerliche Maßnahme, von der jedoch kleine Familienautos ausgenommen sind. Nach Ablauf des Programms im Jahr 2021 wird sich zeigen, wie wirksam diese neue Initiative war.

Rumänien bildet die Ausnahme

Autoverkehr im rumänischen Parlament

Ein weiteres Land, das Beihilfen für den Kauf von Elektroautos in Europa gewährt, ist Rumänien. 2016 waren dort über 6 Millionen Fahrzeuge in Verkehr, von denen nur 200 Elektroautos oder Plug-in-Hybride waren. Ein schlechter Schnitt, den Rumänien über ein massives Beihilfeprogramm korrigieren wollte. Noch im gleichen Jahr startete die Regierung das Programm Rabla Plus. Es sah für Käufer eines elektrischen Neuwagens zunächst eine Prämie von 5000 Euro vor.
Rumänien befand 2017 jedoch, dass diese Maßnahmen nicht ausreichend sei und verdoppelte die Prämie auf 10.000 Euro für die Anschaffung eines reinen Elektroautos. Käufer eines konventionellen Hybridautos (nicht aufladbar) erwartet ein Bonus von 1450 Euro. Ein erheblicher Unterschied, der die Bereitschaft des Landes zeigt, auf „grün“ umzustellen.

Deutschland startet durch

Autoverkehr in Berlin bei Nacht

Deutschland, das zunächst hinter den anderen EG-Ländern zurücklag, hält seit 2017 mit seinen Nachbarn Schritt und stellt beträchtliche Beihilfen für den Kauf von Elektroautos zur Verfügung. Mit der Einführung neuer Elektromodelle auf dem Markt nehmen die Verkaufszahlen seit zwei Jahren merklich zu. Ein Prämiensystem sichert dem Käufer eines Plug-in-Hybrids 3000 Euro und dem eines reinen Elektroautos 4000 Euro zu. Neben diesen Maßnahmen zum Ausbau des Elektroautobestands verfolgt Deutschland in Zusammenarbeit mit den deutschen Herstellern eine Politik, die auf eine Abschaffung von Dieselfahrzeugen abzielt. Sie äußert sich insbesondere in zwei Maßnahmen: erstens einer Umweltprämie für Besitzer von Dieselfahrzeugen mit Euro 4 und früher, und zweitens eine Wechselpremiere für Fahrzeugbesitzer, die sich erst vor kurzem einen Neuwagen der Kategorie Euro 4 und 5 zugelegt haben und in einer der 14, von der Regierung als besonders schadstoffbelastet erachteten Städte leben.
Bei jeder dieser beiden Maßnahmen kann der Hersteller die Beträge selbst festlegen.

 

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