Ein europäisches Abkommen für kreislauforientiertes Batterie-Recycling

Verfasst von am 27.06.2018 - 5 min

Angesichts des stark anwachsenden Elektroautomarkts möchte Brüssel nachhaltige Rahmenbedingungen entwickeln, die Raum für Innovationen und die Wiederverwendung von Batterien in einem zweiten Lebenszyklus schaffen.

Am 12. März 2018 unterzeichnete die Europäische Kommission zusammen mit der französischen und der niederländischen Regierung sowie mehreren europäischen Herstellern, darunter Bouygues, Nissan, Renault und Lomboxnet, eine “Innovationsvereinbarung” – den “Innovation Deal” – der das Recycling und die Wiederverwendung von Elektroautobatterien begünstigen soll. 

In der Vereinbarung ist eine Analyse der europäischen Gesetzgebung vorgesehen, um gesetzliche Hemmnisse für die Wiederverwendung von Batterien und ihre Komponenten zu finden und zu beseitigen. Das Ziel: die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft für Elektrofahrzeuge fördern.

Diese Kreislaufwirtschaft soll darin bestehen, die Lebensdauer der Elektroautobatterie durch die Förderung ihrer Reparatur zu verlängern, sie während ihres Einsatzes im E-Auto durch intelligentes Laden vielfältig zu nutzen, sie in ihrem Second Life-Zyklus zur Speicherung von Ökostrom einzusetzen oder am Ende ihres Lebenszyklus zu recyceln und jede ihrer Komponenten mit kurzen Recyclingwegen, also im gleichen Sektor, wiederzuverwenden.

Dies hat sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Eine Kreislaufwirtschaft für Elektroautobatterien könnte zu einer Verringerung der Rohstoffgewinnung beitragen und die Branche nachhaltig versorgen.

 

Ein intelligenter Kreislauf

ZOE Elektroauto-Batterie

Derzeit sind fast alle in Verkehr befindlichen Elektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien ausgestattet. Diese können in den Fahrzeugen acht bis zehn Jahre lang verwendet werden. Ihr Recycling liegt in der Verantwortung der Hersteller und erfolgt über Sammelsysteme, die sich mit dem Wachstum des Elektromarktes entwickeln. Das Recycling stellt sicher, dass potenziell gefährliche oder umweltschädliche Bauteile entsorgt werden.

Bestimmte Materialien, wie Kupfer, Aluminium, Kobalt, Nickel, Mangan und Lithium, können in der Metallurgie zur Herstellung von Legierungen und Stahl, oder in der chemischen Industrie zur Herstellung von Glaswaren oder Batterien wiederverwendet werden. Aus diesem Grund gehen die Autohersteller derzeit zahlreiche Partnerschaften mit Batterieherstellern und Recyclingunternehmen ein.

Die Verwendung erneuerbarer Energien fördern

Das von der Europäischen Kommission unterzeichnete Abkommen soll außerdem dazu beitragen, die Lebensdauer der Batterien bis zu deren Recycling zu verlängern. Selbst wenn sie nicht mehr über die für den Betrieb von Fahrzeugen erforderliche Leistung verfügen, sind Batterien, die mehr als zehn Jahre alt sind, immer noch von großem Nutzen und verfügen nach wie vor über eine beträchtliche Stromspeicherkapazität.

Renault-Fahrzeug-Ökosystem

In Kombination mit den Erzeugern erneuerbarer Energien – Sonnenkollektoren, Windkraftanlagen – haben sie die Fähigkeit, Strom zu speichern und ihn in Spitzenverbrauchszeiten oder zum Ausgleich von Netzüberlastungen wieder an das Stromnetz abzugeben. Die wiederaufbereiteten Batterien werden für “Smart Grids”, d.h. intelligente Stromnetze, verwendet.

Ziel dieser Stromnetze ist es, für ein Gleichgewicht zwischen Stromangebot und Stromnachfrage zu sorgen und den Verbrauchern eine zuverlässige, nachhaltige und wettbewerbsfähige Bereitstellung von Strom zu gewährleisten. In diesem Szenario wird das Elektrofahrzeug zu einem eigenständigen Akteur der Energiewende und trägt zum Ausbau erneuerbarer Energiequellen bei.

Mit Partnern wie Powervault entwickelt Renault klein und groß angelegte Speicherlösungen mit Altbatterien von Elektroautos. In Deutschland werden ca. 20.000 Altbatterien in Kombination mit Photovoltaikanlagen verwendet. In den Niederlanden wurden die Generatoren eines ganzen Stadions durch gebrauchte Batterien ersetzt. Mit derzeit noch in Entwicklung befindlichen Technologien soll es schon bald möglich sein, Energie aus einer Versorgungsquelle mit geringer Leistung in Altbatterien zu speichern und diese zum Laden von Elektroautos mit großer Leistung wieder abzugeben.

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