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Stationäre Energiespeicher: drei neue Projekte in Europa

Verfasst von am 22.01.2021 - 4 min

Advanced Battery Storage ist ein Energiespeicherprojekt der Groupe Renault, für das Batterien aus Elektrofahrzeugen eingesetzt werden. Die ersten beiden dieser Anlagen wurden vor Kurzem in Frankreich und Deutschland in Betrieb genommen. Gleichzeitig wird in Großbritannien im Rahmen des SmartHubs-Projekts dieselbe Technologie zur Entwicklung eines lokalen Energienetzwerks eingesetzt. Wir analysieren diese zukunftsweisende Lösung und stellen ihre neuesten Entwicklungen vor.

Warum ist Energiespeicherung wichtig?

In Zeiten der Energiewende ist die Energiespeicherung ein Schlüsselfaktor, um den Anteil der sogenannten “erneuerbaren” Energien am Energiemix zu erhöhen. Eine der größten Herausforderungen für das Stromnetz ist das Management von Erzeugung und Verbrauch in Echtzeit, um die Stabilität der Frequenz des heimischen Netzes nicht zu gefährden. Diese Schwierigkeit steigt mit der Integration verschiedener Energiequellen, deren Produktionskapazitäten schwanken, wie z. B. Wind- oder Solarenergie. Stationäre Speicher, die es ermöglichen, Energiereserven aufzubauen und bei Bedarf freizugeben, fungieren als Puffersystem, um diese Lücke zu schließen und das angeschlossene Netz auszugleichen.

Advanced Battery Storage (ABS) - Douai

Stationäre Speicher und Batterien für Elektrofahrzeuge

Die Groupe Renault hat sich der nachhaltigen Mobilität verschrieben. Dabei geht sie über ihre Rolle als Automobilhersteller hinaus und betrachtet das Elektro-Ökosystem als Ganzes, in der Überzeugung, dass das Elektrofahrzeug ein integraler Bestandteil davon ist. In Partnerschaft mit verschiedenen Energieakteuren hat die Groupe Renault deshalb eine Speichertechnologie mit Second-Life-Batterien entwickelt. Wenn eine Batterie nicht mehr den Anforderungen des automobilen Einsatzes entspricht, kann sie, bevor sie recycelt wird, in einem “zweiten Lebenszyklus” für die großflächige Speicherung von Elektrizität verwendet werden – eine weniger reglementierte und anspruchsvolle Aufgabe in Bezug auf Energie und Leistungsdichte. “Mit der Batterie haben wir viel mehr als nur ein Tool für Mobilität. Ist das automobile Leben erst einmal vorbei, hat die Batterie einen enormen Restwert und kann für andere, weniger belastende Zwecke als den automobilen Einsatz verwendet werden, z. B. als stationärer Speicher. Für uns ist das der logische nächste Schritt”, erklärt Dr. Christophe Dudezert, Program Manager für Energy Services bei Renault und verantwortlich für die Entwicklung und den Einsatz des Projekts Advanced Battery Storage in Frankreich und Deutschland.

 
Der Restwert einer Elektroauto-Batterie ist enorm. Sie kann für andere Anwendungen wie stationäre Speicher verwendet werden – das ist für uns der nächste logische Schritt.
Christophe Dudezert Program Manager für Energy Services bei Renault
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Advanced Battery Storage: Elektroautos für die Energiewende

Drei neue Projekte in Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich

Derzeit laufen mehrere experimentelle Initativen, wie z.B. die in Porto Santo (Portugal) mit ZOE und Kangoo Z.E.-Batterien oder jene bei SyDEV (Syndicat Départemental d’Énergie et d’Équipement de la Vendée) in La Roche sur Yon (Frankreich) mit Kangoo Z.E.-Batterien. Außerdem wurden in Europa gerade drei neue Speicherprojekte gestartet.

Ende 2018 kündigte die Renault Gruppe den Start des Projekts “Advanced Battery Storage” (ABS) an, eines großen stationären Energiespeichers auf Basis von Elektrofahrzeugbatterien, der an mehreren Standorten in Europa ausgerollt und eine Kapazität von 70 MWh erreichen soll. Im Renault Werk George Besse in Douai, Nordfrankreich, befindet sich heute die erste ABS-Installation mit einer Gesamtkapazität von 4,9 MWh, die einerseits aus Second-Life-Batterien und andererseits aus neuen Batterien besteht, die auf ihren zukünftigen Einsatz auf dem Ersatzteilmarkt warten.

Seit Ende November ist eine zweite Station des ABS-Projekts in einem ehemaligen Kohlekraftwerk im deutschen Elverlingsen in Betrieb – die landesweit erste Anlage dieser Art. Der von der Renault Gruppe, The Mobility House und Fenecon entwickelte Speicher besteht aus 72 neuen Renault ZOE Batterien mit einer Kapazität von 2,9 MWh.

Connected Energy SmartHubs - batteries

In West Sussex, Großbritannien, werden im Rahmen des SmartHubs-Projekts mehrere Technologien kombiniert, darunter auch die stationäre Energiespeicherung in Containern, um ein lokales Stromnetz, das Sozialwohnungen, Unternehmen, den Verkehr usw. versorgt, mit sauberer und kostengünstiger Energie zu versorgen. Die von Connected Energy entwickelten 360 kWh E-STOR-Systeme mit jeweils 24 Kangoo Z.E. Second Life-Batterien werden an verschiedenen industriellen und gewerblichen Standorten installiert. Einige Container werden sogar mit Solarpaneelen und Ladestationen für Elektrofahrzeuge verbunden sein, um die Nutzung erneuerbarer Energien zu optimieren und die Kosten zu senken. Insgesamt werden im Rahmen des SmartHubs-Projekts 1.000 Second-Life-Batterien mit einer Gesamtkapazität von 14,5 MWh eingesetzt, was dem Energiebedarf von 1.695 Haushalten für einen ganzen Tag entspricht.

Die Entwicklung der stationären Speicherung zeigt die Möglichkeiten für Innovationen bei den heutigen ökologischen Herausforderungen. Es stellt sich auch die Frage nach dem Zugang zu dieser Lösung für Einzelpersonen. Darauf antwortet Christophe Dudezert: “Wir experimentieren mit vielen Dingen für Second-Life-Batterien, auch mit der Elektrifizierung von Booten. Aber das Abenteuer des Elektrofahrzeugs hat vor etwa zehn Jahren begonnen, und Batterien verbringen einen recht langen ersten Lebenszyklus in Autos. Wir haben also noch wenig Volumen und geben Großprojekten den Vorrang, die schließlich zu einer stationären Speicherung für den persönlichen Gebrauch führen werden.“

 

Copyrights : Groupe Renault