Sanfte Mobilität – die Zukunft des Stadtverkehrs?

Verfasst von am 29.11.2019 - 5 min

E-Roller und E-Bikes, Motorroller und Autos im Carsharing – es gibt immer mehr neue Fortbewegungsmittel und damit zahlreiche Alternativen zum Privatauto. Ein Blick auf die neuen Formen nachhaltiger Mobilität.

Auf den großen, vielbefahrenen und überlasteten Verkehrsachsen entscheiden sich viele für Alternativen zum Privatauto. Sie sind schneller und sauberer, oft werden sie als „sanfte Mobilität“ bezeichnet.

Was ist sanfte Mobilität?

Neben dem Privatauto und dem öffentlichen Verkehr sind sanfte Mobilitätsmittel die dritte wichtige Transportart für die alltäglichen Wege. Dazu zählen alle Fortbewegungsmittel, die nur durch körperliche Anstrengung erzeugte Energie benötigen (Fahrrad, Fußmarsch, Roller, usw.). Ein anderer Name hierfür ist „aktive Mobilität“.
Ihre Definition kann aber auf alle umweltfreundlichen Transportarten ausgeweitet werden, wie etwa die Elektromobilität, zu der auch das Elektroauto gehört. Sanfte Mobilität erlebt insbesondere im städtischen Umfeld einen großen Aufschwung und bietet viele Vorteile: Zeit- und oft auch Geldersparnis und – natürlich – eine Verkleinerung des globalen ökologischen Fußabdrucks.

Zahlreiche Städte und Gemeinden fördern diese neuen Transportarten, um Schadstoffemissionen zu senken, aber auch, um die großen Verkehrsachsen zu entlasten. So hat etwa die Stadt Amsterdam (Niederlande) 400 Kilometer Radwege und 4 000 Ladestationen errichtet.

Allgemein ist die aktive Mobilität Teil des Ökowandels – mit einer klaren Tendenz: weniger Privatautos mit Verbrennungsmotor, mehr Elektrofahrzeuge, mehr Carsharing und mehr saubere Transportmittel.

Homme sur une trotinette

Die neuen Transportmittel der sanften Mobilität

Für relative kurze Wege insbesondere in der Stadt haben sich in jüngster Zeit viele innovative Fortbewegungsarten entwickelt. Die meisten unter ihnen nutzen Technologien, die auch in Elektrofahrzeugen zum Einsatz kommen. Diese neuen sanften Mobilitätsmittel, die keine Schadstoffe ausstoßen, erleben in den großen Ballungsräumen einen Boom.

Hier sind natürlich die E-Roller – ob Privat- oder Mietfahrzeuge – zu nennen. Mit den 30 km/h, die sie erreichen können, haben sie sich, neben E-Bikes und E-Scootern,  schnell einen Platz auf den Straßen erobert und sind jetzt in mehreren europäischen Hauptstädten im Selbstverleih verfügbar. Elektroautos im Carsharing sind indes fester Bestandteil des Stadtbilds.
Nicht so schnell, aber ebenso umweltfreundlich vervollständigen Elektro-Stehroller, elektrische Einräder und andere  Hoverboards das Ökosystem der sanften Mobilität. Auf dem Gehsteig kann man sich neben dem zu Fuß gehen für Inliner, Skateboard oder den Roller (ohne Motor) entscheiden.

Sanfte Mobilität in Europa

Zwischen den einzelnen Ländern des alten Kontinents bestehen erhebliche Unterschiede. Die Nutzung des Fahrrads etwa ist mehr oder weniger verbreitet. In Kopenhagen (Dänemark) nutzen ungefähr 35 % der Einwohner dieses Transportmittel für ihre täglichen Wege. Ähnlich sieht es in Amsterdam (Niederlande) mit einem Anteil von 32 % aus. In Rom oder Madrid hingegen scheint das Fahrrad noch kein Teil der Kultur zu sein.

Auch das E-Bike erlebt einen starken Aufschwung, der insbesondere durch eine entsprechende öffentliche Politik gefördert wird. Wie London oder Paris subventionierte auch Genf zeitweise den Kauf eines solchen Fahrrads, während ein Plan zur Förderung der sanften Mobilität den Bau zahlreicher Radwege vorsieht.

Auch wenn das Fahrrad dort nicht sehr verbreitet ist, entwickeln sich in Madrid andere Formen urbaner Mobilität.  Tatsächlich zählt die Stadt mit 1 600 betriebenen Fahrzeugen, darunter 500 Renault ZOE, zu den europäischen Champions beim Carsharing mit Elektroautos. Allgemein nimmt dieses Phänomen auf dem Kontinent zu. Im ersten Halbjahr 2019 waren von Paris bis Stockholm etwa 7 000 Elektroautos der Renault Gruppe, der europäischen Marktführerin im Carsharing verfügbar.

Auch der Verkauf von Elektroautos an Privatpersonen nimmt zu. Das gilt insbesondere für Oslo (Norwegen), wo jedes fünfte Auto emissionsfrei fährt und der Anteil der Elektroautos an Neufahrzeugen 2016 bereits 36 % erreicht hatte.

In jüngerer Zeit haben die E-Roller Europa erobert. Berlin, Athen, Brüssel, Lissabon – die Einwohner zahlreicher Haupt- und Großstädte haben sich von ihnen verführen lassen. Das gilt ganz besonders für Paris: 2019 waren in der französischen Hauptstadt 15 000 E-Roller unterwegs. Und das Phänomen verliert keineswegs an Fahrt.

 

Copyrights: Halfpoint, CreativeDJ

 

Meistgeteilte Artikel