Elektromobilität: Die Kommunen ziehen mit

Verfasst von am 08.11.2019 - 4 min

In Europa lassen die Großstädte, aber auch kleinere Ballungsräume Ladestationen und Shared Mobility-Lösungen einrichten.

Sie wollen der Problematik der Luftqualität und der Verkehrsüberlastung durch eine zunehmende Nutzung der Elektromobilität und der damit verbundenen Dienstleistungen begegnen. Viele europäische Ballungsräume haben bereits strenge Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung ergriffen und zukünftige Fahrverbote in den Innenstädten für bestimmte Fahrzeugkategorien bekannt gegeben.

Die europäischen Großstädte werden aktiv

Europa hat das Ziel, bis 2020 insgesamt 225 000 Ladestationen anzubieten. Das entspricht etwa einer Ladestation für 10 zugelassene Elektroautos und damit den Empfehlungen der Europäischen Kommission. Dies führt zu massiven Installationen in den Großstädten, wo die Zahl der elektrifizierten Fahrzeuge in den letzten Jahren stark gestiegen ist. In Oslo (Norwegen) beispielsweise fügt die Regierung 600 Ladestationen (davon 400 Schnellladestationen) zu den bestehenden 1.300 Stationen hinzu. Diese Zahl ist nicht überraschend, wenn man bedenkt, dass 2018 jedes dritte in Norwegen verkaufte Auto ein Elektroauto war.

In Paris gibt es derzeit 1.282 öffentlich zugängliche Ladestationen, gegenüber 4.000 in London (UK). In Amsterdam – mit nur 800.000 Einwohnern (im Vergleich zu 8,1 Millionen in London oder 2,1 Millionen in Paris) – stehen 3.000 Ladestationen zur Verfügung. Gleichzeitig kündigte die niederländische Hauptstadt an, dass sie ab 2030 Benzin- und Dieselfahrzeuge verbieten will.
In weniger dicht besiedelten Regionen werden Maßnahmen in kleinerem Maßstab ergriffen, aber sie existieren. In Frankreich beispielsweise plant die Stadt Saint-Etienne (im Raum Lyon) mit ihrem e.Totem-Projekt bis 2020 die Installation von 100 Ladestationen, darunter 20 Schnellladeterminals.

Elektromobilität: Die Kommunen ziehen mit

Auch die Gemeindeverwaltungen stehen auf Elektroautos

Im Zuge der Erhöhung der Anzahl der Ladestationen nutzen die Kommunen die Erneuerung der eigenen Fahrzeugflotte, um sie mit einem hohen Anteil an Elektroautos auszustatten. Dies ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Unterstützung der Elektromobilität, aber auch der Automobilindustrie. Denn diese muss seit dem 1. Januar 2020 ihren Absatz an Elektroautos im Verhältnis zu den Neuzulassungen von Verbrennern erhöhen, um die durchschnittlichen CO2-Emissionen, die durch eine EU-Verordnung vorgegeben sind, einzuhalten.

Um die Anzahl der Ladestationen noch schneller zu steigern, testen bestimmte Kommunen (Paris, London, Berlin, New York oder das französische Departement Vendée) die Möglichkeit, Fahrzeuge an eine Straßenlaterne mit 8 oder 16 Ampere Leistung anzuschließen. Das eignet sich z.B. sehr gut für Plug-in-Hybride. Auch in den Sammelgaragen bieten neue, halbschnelle Ladestationen (7,4 bis 11 kW) zusätzliche Möglichkeiten.

Zusätzlich fördern die Gebietskörperschaften die Elektromobilität durch den Bau von Ladestationen an den Straßen. Oft werden die Arbeiten teilweise staatlich finanziert. In Frankreich zum Beispiel sieht die Komponente „Gebietskörperschaften“ des Advenir-Programms eine Unterstützung von 2.160 Euro pro Terminal vor und deckt 75 % der Kosten für den Anschluss an das Stromnetz (bis zu 500 Meter vom Wohn- oder Arbeitsort der Eigentümer und Nutzer von Elektrofahrzeugen, die einen entsprechenden Antrag stellen).

Unterstützung durch intelligente Shared Mobility

Einige Gebiete begleiten ihre Fahrverbote und die Entwicklung der Ladeinfrastrukturen mit der Einrichtung intelligenter Shared Mobility-Lösungen. Entsprechende Programme gibt es in Madrid (Spanien) un Paris (France) mit Zity oder in Bologna (Italien) mit Corrente. Diese beiden Systeme ermöglichen eine einfache Nutzung der Flotten mit 500 bzw. 280 Renault ZOE. Ähnliche Systeme wurden auch auf Porto Santo (Madeira, Portugal) und Belle-Ile en mer (Frankreich) implementiert, wo die Programme ebenfalls von Renault unterstützt werden.

Darüber hinaus erhalten einige Viertel, wie z.B. Utrecht in den Niederlanden bzw. Presqu’île in Grenoble in Frankreich bidirektionale Ladestationen. Diese können nicht nur Elektrofahrzeuge aufladen, sondern die in ihren Batterien gespeicherte Energie bei Bedarf auch wieder in das Netz einspeisen. Diese Innovation mit der Bezeichnung „V2G“ (für Vehicle to Grid) dürfte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.

 

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