Mieteigentümer, Mieter und das Laderecht

Verfasst von am 07.11.2019 - 4 min

Der Einsatz von Elektroautos erfordert den Zugang zu Lademöglickeiten für Menschen, die in Mehrfamilienhäusern und Wohnanlagen leben. Es handelt sich sowohl um ein Bedürfnis als auch um ein Recht.

Studien zeigen, dass Elektroautos zumeist an privaten Orten – hauptsächlich zu Hause oder am Arbeitsplatz – geladen werden. Daher wurden Maßnahmen ergriffen, um die Bedürfnisse der Bewohner von Wohnanlagen zu befriedigen, auch wenn sie nicht über einen privaten Stellplatz verfügen.

In Frankreich ist dieses Recht als Teil des Mobilitätsgesetzes seit dem 1. Januar 2015 in Kraft. Die Regelung gilt für Gebäude, die über einen geschlossenen und überdachten Parkplatz verfügen. Jedoch ist sie in Wohngebäuden ohne Parkplatz schwieriger anzuwenden.

Deshalb gibt die europäische Richtlinie namens EPBD Energy Performance of Building Directive , deren Überarbeitung 2018 veröffentlicht wurde, einen Rahmen vor, den jedes Land in innerstaatliches Recht umsetzen muss. Für bestehende Gebäude schreibt die Verordnung den Miteigentümern vor, das Thema der Ladeinfrastruktur auf die Tagesordnung ihrer Miteigentümerversammlungen zu setzen.

Außerdem muss bei allen Neubauten ein Zugang zu einer kollektiven Ladeinfrastruktur geschaffen werden, deren Kosten dem/den Antragsteller(n) in Rechnung gestellt werden. Hierfür werden jedoch Zuschüsse bereitgestellt, sowohl für die Miteigentümer als auch für die Mieter des betreffenden Gebäudes. Der Stromverbrauch wird anschließend jedem Nutzer einzeln in Rechnung gestellt.

Französische Fördermittel für die Finanzierung

Die am 19. Juni 2018 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlichte Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden gibt den Rahmen für das Laderecht vor. Heute hat jede Person, nach vorheriger Benachrichtigung der Miteigentümer, das Recht, auf eigene Kosten eine Ladestation installieren zu lassen.

In Frankreich können die Ladepunkte mit Hilfe der Energieeinsparungszertifikate (einkommensabhängig) finanziert werden. Ein weiteres Programm zur Förderung der Elektroautos, das von Avere-France aufgelegt wurde, sieht einen Zuschuss von bis zu 40 % der Installationskosten in Mehrfamilienhäusern vor (mit Höchstbetrag). Im Frühsommer wurde von der Regierung im Rahmen des ADVENIR-Programms angekündigt, dass die ersten 3.000 Miteigentumsanlagen, die Ladestationen einrichten, eine Unterstützung in Höhe von 50 % der Installationskosten erhalten.

In Paris schließlich wurde eine Unterstützung für Miteigentumsverwalter und Sozialwohnungsträger mit einer Obergrenze von 500 Euro pro Ladepunkt und maximal vier Ladepunkten pro Gebäude eingeführt. Es ist also der richtige Zeitpunkt für die Pariser, in eine Ladestation zu investieren, wenn sie sich kürzlich ein Elektroauto zugelegt haben. Zumal der Entwurf des Mobilitätsgesetzes den täglichen Verkehr einfacher, günstiger und sauberer gestalten will.

Ein internationales Laderecht

Private Parkplätze

In Großbritannien werden durch ein spezielles Programm des Amts für emissionsarme Fahrzeuge (Office for Low Emission Vehicles) bis zu 75 % der Kosten finanziert.
Norwegen hat einen Subventionsfond für Energie und Klima geschaffen, womit bis zu 20 % der getätigten Ausgaben (nach Zusage) bis zu einem Höchstbetrag von 5.000 Kronen (ca. 500 Euro) pro Ladepunkt übernommen werden.

Auf einem anderen Kontinent, in Tokio (Japan), hat die Regierung im Jahr 2018 Maßnahmen für die kostenlose Installation von Ladepunkten in Immobilienkomplexen ergriffen. Auf Antrag der Bewohner einer Wohnanlage, die sich über den Bedarf und die Anzahl der zu installierenden Ladepunkte einig sind, werden ihnen kombinierte Zuschüsse des Staates und der Stadt Tokio gezahlt. Sie decken die Kosten für die Installation der Ladepunkte, aber nicht die Kosten für deren Wartung und auch nicht die Stromkosten.
Auch Indien ist im Rahmen seines FAME-Programms (Faster Adoption and Manufacturing of Hybrid & Electric Vehicles) auf diesem Gebiet sehr aktiv. Auch dort werden Fördermittel zur Implementierung von Ladeinfrastrukturen bereitgestellt, und zwar nicht nur für Autos, sondern auch für die berühmten Rikschas, jene dreirädrigen Fahrzeuge, die in Indien sehr verbreitet sind und ebenfalls auf Elektroantrieb umstellen.

Dank dieser verschiedenen finanziellen Unterstützungen und eines individuellen Engagements werden Neubauten oder bestehende Gebäude zunehmend den Bedürfnissen der Nutzer von Elektroautos angepasst.

 

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