Mobilitäten der Zukunft auf dem Weg zur Inklusivität

Verfasst von am 04.11.2020 - 4 min

Bei der Planung der Mobilitäten der Zukunft muss man auch an Inklusivität denken. Autonome Systeme, Begleitung in ländlichen Gebieten, Anwendungsszenarien... Es werden Lösungen gefunden, um in Zukunft für alle geeignete Fortbewegungsmittel zur Verfügung zu stellen. Eine kleine Auswahl von Initiativen, die Inklusivität fördern.

Die jüngste vom Forum Vies Mobiles (Mobile Leben) in Frankreich landesweit durchgeführte Studie zu „Mobilität und Lebensweisen im Jahr 2020“ besagt, dass 75 % der Franzosen sich in ihrer Mobilität eingeschränkt fühlen. Diese Ungleichheit kann im Alltag dramatische soziale Konsequenzen haben. Jeder vierte Franzose hat schon einmal wegen Transportschwierigkeiten eine Stelle abgelehnt. Die Akteure der Mobilität setzen jedoch alles daran, neue und allen zugängliche Modelle zu entwickeln und vielleicht zum ursprünglichen Versprechen der Mobilität – der völligen Bewegungsfreiheit – zurückzukehren. Die Ziele dabei sind eine Verringerung der sozialen Folgen solcher Ungleichheiten, der Abbau von Barrieren in ländlichen Gebieten und die potentielle Erschließung neuer Märkte.

Man setzt auf den Neuaufbau regionaler Transportnetzwerke

„In erster Linie liegt der Notfall in den sozialen und territorialen Brüchen, und letztendlich in der Ungleichheit des Mobilitätsangebots in Frankreich“, erklärte neulich Valérie Dreyfuss, Generaldelegierte des Laboratoire de la Mobilité Inclusive (Labor für inklusive Mobilität). Diese sozialen Brüche im Herzen der Regionen führen zu der Frage, welche Rolle den regionalen Behörden bei der Einrichtung neuer inklusiver Mobilitätsdienste zukommt. Wenn wir jedoch die Ungleichheit des Angebots korrigieren wollen, bedeutet das meistens, dass wir unsere Infrastruktur überdenken müssen. Transdev, ein französischer Mobilitätsdienstleister, arbeitet beispielsweise an Möglichkeiten, behinderten Menschen den Zugang zu Transportmitteln zu erleichtern. Dazu überarbeitet Transdev Haltestellen und installiert Zugangsrampen, verwendet Busse und Straßenbahnen mit niedrigem Boden und überarbeitet die Beschilderung, sowie visuelle, akustische oder tastbare Kommunikationskanäle.

Begleitung im Mittelpunkt der Mobilität

Ältere Person mit Mobiltelefon

Ist „Reisebegleiter“ ein Zukunftsberuf? Wenn wir die Mobilität inklusiver machen wollen, wird allem Anschein nach die Reisebegleitung von Behinderten ein unverzichtbarer Dienst in unseren Regionen. Die Online-Plattform Mon Copilote (mein Beifahrer) macht jedenfalls mit! Sie begleitet Personen mit eingeschränkter Mobilität, egal ob für Arbeitswege, zum Vergnügen oder um Alltägliches zu erledigen. Die Plattform erlaubt es „Fahrern und Beifahrern ihr Transportmittel zu wählen: Auto, Zug, Flugzeug, Bus, U-Bahn oder auch zu Fuß“ und dabei begleitet zu werden. Eine weitere Initiative: Wheeliz. Dieses von Charlotte de Vilmorin gegründete Start-up-Unternehmen stellt sich als das AirBnB für behindertengerechte Fahrzeuge vor und ermöglicht es Privatpersonen, sich ihre Fahrzeuge untereinander zur Verfügung zu stellen.

Sind autonome Systeme die Zukunft der inklusiven Mobilität?

Bei der versprochenen Schnelligkeit und Verlässlichkeit vergisst man leicht die Aspekte der Inklusivität, doch da haben autonome Fahrzeuge viel zu bieten! Shelley Lin, Professorin für Elektrotechnik und Informatik in Northeastern, USA, hat sich zum Ziel gesetzt, künstliche Intelligenz zu nutzen, um den Transport von Blinden und Sehbehinderten zu revolutionieren. Die Herausforderung ist jedoch groß! Daten müssen in Echtzeit analysiert und in verlässliche Befehle umgewandelt werden, wobei die Bewegungen und das Verhalten der Passagiere verstanden werden muss. Kurz gesagt muss eine zweiseitige Kommunikation zwischen dem Fahrzeug und den Passagieren hergestellt werden: „In einem autonomen Fahrzeug, sind sehende Personen stark abgelenkt. Sie sind sich ihrer Umgebung nicht so bewusst wie blinde Personen. Daher könnte unsere Arbeit auch ihnen, also einer großen Anzahl von Menschen, dienen“ erklärt Nicholas Giudice, Professor für Rauminformatik an der Universität von Maine.

Die Mobilitäten der Zukunft müssen die Fragen des Geschlechts, der Behinderung, des Alters oder auch der Diversität der Regionen und deren wirtschaftlichen Bedingungen berücksichtigen. Könnte die Pandemie die Wende der Mobilitäten hin zur Inklusivität beschleunigen? Das ist die Hoffnung des Weltwirtschaftsforums, das nun den Begriff der universellen Mobilität einbringt und auf Innovationen, öffentlich-private Partnerschaften und Zusammenarbeit setzt, um in Zukunft ausnahmslos allen Menschen Mobilität zu verschaffen.

 

Vincent Thobel, Journalist bei L’ADN
L’ADN ist das Innovationsmedium im Web und im Zeitschriftenformat, das jeden Tag die besten Konzepte der neuen Wirtschaft analysiert.

 

 

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