Wie sieht eine Smart City aus?

Verfasst von am 27.01.2020 - 6 min

Den Bedürfnissen ihrer Bewohner Rechnung tragen, ihr Wohlergehen und ihre Sicherheit gewährleisten, Ressourcen und Umwelt schonen und ihre wirtschaftliche Stabilität erhalten: Das sind die Herausforderungen der Stadt von morgen. Die neue „Smart City“ stützt sich auf Technologie und auf ihre Bewohner, entwickelt Dienstleistungen, optimiert, vereinfacht, organisiert, antizipiert, passt an, individualisiert. Vorstellung eines Stadtmodells im Aufschwung.

Was ist eine Smart City?

Ursprünglich ist eine intelligente Stadt, so die deutsche Übersetzung der Smart City, eine Stadt, die sich auf die Erhebung und Nutzung von Daten stützt, um ihre Organisation und Verwaltung zu optimieren. Mittels Sensoren erfasst die Stadt Verhalten und Gewohnheiten ihrer Bewohner, um ihnen in Echtzeit bessere Informationen und ein besseres Service-Angebot zu bieten und gleichzeitig Ressourcen zu sparen. Diese „Intelligenz“ betrifft zahlreiche Bereiche wie das Transportwesen (Verkehr, Parken etc.), Strom- und Wasserversorgung, Müllentsorgung usw. Beim Abfall etwa messen vernetzte Mülltonnen die Füllung und senden, wenn sie voll sind, ein Signal für die Abfuhr. So lässt sich der Verkehr von Müllwagen optimieren (Lärm, Verschmutzung, Stau), Müll neben vollen Tonnen vermeiden, aber auch die Verteilung von Mülltonnen je nach Bedarf besser planen.

Seit einigen Jahren entwickelte sich daneben das Konzept der resilienten Stadt – einer Stadt, die sich an die unterschiedlichen Unwägbarkeiten, Krisen und Ereignisse anpassen kann, um deren negative Folgen zu beschränken. Dieser umfassendere Begriff beschränkt sich nicht auf die Informationsverarbeitung, sondern beinhaltet auch eine soziale Dimension, wobei die Bewohner im Zentrum des Projekts stehen. Am Anfang waren dies zwei unterschiedliche Herausforderungen, jedoch mit einem gemeinsamen Ziel – einer nachhaltigen Stadt, deren Struktur und Funktionsweise sich im Zeitverlauf zu mehr Flexibilität hin entwickeln.

Das Umfeld der Smart City

Zunächst einmal die starke Bevölkerungskonzentration: Heute lebt mehr als die Hälfte aller Menschen in der Stadt. Bis 2050 dürfte dieser Anteil auf zwei Drittel steigen. Weiterhin verbrauchen die Städte extrem viel Energie. Zwar nehmen sie nur 2 % der Erdoberfläche ein, aber verbrauchen 75 % der produzierten Energie und sind für 80 % der CO2-Emissionen verantwortlich. Der Energiewandel und der Kampf gegen die Klimaerwärmung sind daher nur über eine Veränderung der Städte möglich. Die Smart City ist dabei ein Schritt in die richtige Richtung.

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Was ist eine Smart City? Die Merkmale der Smart City

Die Merkmale der Smart City

Die Europäische Union ließ sich von der Vision von Rudolf Giffinger, Experte für analytische Forschung zur urbanen und regionalen Entwicklung an der Technischen Universität Wien und Referent in diesem Bereich, inspirieren. Seine Arbeiten deuten darauf hin, dass die Smart City in sechs Bereichen leistungsfähig sein muss.

Intelligente Wirtschaft

Dabei geht es um die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Stadt. Sie wird anhand von Faktoren wie Innovation, Unternehmergeist, Produktivität, Flexibilität des Arbeitsmarkts oder auch der Integration in den nationalen und internationalen Markt gemessen.

Intelligente Bürger

Anders ausgedrückt: das Human- und Sozialkapital der Stadt. Dabei geht es natürlich um das Qualifikationsniveau der Bevölkerung, aber auch um ihre Vielfältigkeit, ihre Offenheit, ihre Kreativität, die Qualität der sozialen Interaktionen oder der Teilnahme am öffentlichen Leben.

Intelligente Verwaltung

Die Rede ist dabei von einer transparenten, transversalen und gemeinsamen Verwaltung, bei der die Bürger mit eingebunden werden.

Intelligente Mobilität

Giffinger setzt vor allem auf den lokalen und internationalen Zugang zur Stadt, das Vorhandensein vernetzter Infrastrukturen, die IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) nutzen, und innovative, nachhaltige und sichere Transportsysteme.

Intelligentes Umfeld

Hier ist die Rede von Ökologie und Ressourcenverwaltung. Die Smart City muss ein hochwertiges Umfeld (Grünanlagen, Luftqualität) fördern, ihre Ressourcen nachhaltig verwalten und sich für den Umweltschutz einsetzen. Ökoviertel sind lokale Beispiele eines intelligent verwalteten Umfelds.

Intelligente Lebensweise

Hierzu zählen Faktoren, die mit der Lebensqualität verbunden sind: Kultur, Gesundheit, Sicherheit, Lebensraum, Bildung, Tourismus, sozialer Zusammenhalt usw.

Open Data im Dienste der Smart City

open data

Die Erhebung zahlreicher Daten in der gesamten Stadt und in allen Bereichen ist gut. Die Fähigkeit, sie miteinander zu vernetzen, um innovative Dienstleistungen zu entwickeln, ist noch besser. Open Data bietet für alle zugängliche, teilbare und nutzbare Daten und Interoperabilität – also die Möglichkeit, dass unterschiedliche Systeme oder Unternehmen ihre Daten miteinander vermengen und gemeinsam funktionieren. Dabei handelt es sich um einen Grundsatz, der der Silofunktion entgegengesetzt und zentral für die Entwicklung der Smart City ist, und der öffentlichen wie privaten Akteuren zugutekommt.

Im Bereich der Mobilität etwa trägt die Bereitstellung bestimmter Daten durch die Anbieter von Mobilitätsdiensten, wie sie in einer europäischen Verordnung oder dem französischen Mobilitätsgesetz vorgesehen ist, zur einfacheren Organisation multimodal zurückgelegter Strecken bei. Die erhobenen Daten bieten ein genaues Bild des zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbaren Transportangebots, mit dem Ziel für die beteiligten Anbieter, die Bedürfnisse der Nutzer noch besser zu befriedigen. Open Data erscheinen daher für Projekte im Bereich von MaaS (Mobility as a Service oder – auf Deutsch – „Mobilität als Dienstleistung“), die für eine nachhaltige Stadt so wichtig sind, unerlässlich. Zu ihnen zählen Jelbi in Berlin, MaaS Madrid in Spanien oder auch WienMobil in Wien.

Smart Cities in Europa – zwei Beispiele

Zwar gibt es heute noch keine vollständig intelligente Stadt, aber mehrere sind auf dem besten Weg dorthin, darunter auch Barcelona und Wien.

Barcelona, Modell einer Smart City

Die katalanische Hauptstadt ist in der Welt der Smart Cities beispielhaft, verfügt sie doch in vielen Bereichen wie Parken, Abfallentsorgung, Straßenbeleuchtung, Bewässerung von Grünflächen oder auch Luftqualität über intelligente Sensoren.

Beim Parken ermöglichen es Sensoren den Autofahrern, in Echtzeit die Verfügbarkeit von Parkplätzen zu erkennen, um überflüssige Runden zu vermeiden. Das reduziert nicht nur Staus, sondern bringt auch noch wertvollen Zeitgewinn. Ebenso gibt es Sensoren, die den Ablauf von Regenwasser, den Feuchtigkeitsgrad (Luft und Boden), Wind, Sonneneinstrahlung und Luftdruck messen, um die Bewässerung der öffentlichen Parks zu steuern. Es gibt Sensoren, um die Füllung der Mülltonnen für eine effizientere Abfuhr zu messen, aber auch, um Lärm, Luftverschmutzung, Temperatur, Helligkeit usw. zu erfassen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass ausgerechnet hier seit 2011 jedes Jahr der Smart City Expo World Congress, die Fachmesse schlechthin für Smart Cities, stattfindet.

Wien – intelligenteste Stadt der Welt?

 Wiener Innenstadt bei Nacht

Wien weiß um die ökologischen Auswirkungen einer Stadt sowie deren Funktion für eine nachhaltige Zukunft. Deshalb hat die Stadt einen Strategieplan namens „Smart City Wien“ erstellt. Dieser beinhaltet Ziele bis 2050, um für die Bewohner auch weiterhin mit die beste Lebensqualität weltweit zu gewährleisten und zugleich die Ressourcen zu schonen.

Dieser Plan erstreckt sich auf alle Gebiete: Arbeit, Freizeit, Bildung, Gesundheit, Mobilität, Infrastrukturen, Energie und alle Aspekte der Stadtentwicklung. Um die Ziele zu erreichen, verfolgt Wien einen holistischen Ansatz und berücksichtigt bei Innovationen humane und technologische Aspekte.

Um etwa das Ziel des erneuerbaren Energieanteils von 40 % bis 2030 zu erreichen, bietet die Stadt ihren Bürgern die Möglichkeit, Miteigentümer von Sonnenkollektoren zu werden, die von Wien Energie betrieben werden. Jedes Jahr erhalten diese Miteigentümer dann je nach investiertem Betrag eine kleine Vergütung oder können ihre Anteile jederzeit zum Kaufpreis veräußern. Seit 2012 traten schon mehr als 6 000 Wiener diesem Programm bei. Im Bereich Mobilität können die Einwohner von Wien auf Grätzlrad als Ersatz für ein eigenes Auto zählen, wenn sie große Mengen transportieren müssen. Diese Lastenfahrräder gehören Restaurants, Geschäften oder Unternehmen, die sie für die Lieferung oder den Transport großer Lasten nutzen. Die Bewohner können sie bei Bedarf kostenlos leihen. Ein Identitätsnachweis und die Hinterlegung einer Kaution genügen. Einige Räder sind sogar für das Mitführen von Kindern ausgerüstet. Derzeit gibt es fast hundert Projekte, um die Smart City weiter Realität werden zu lassen.

Zu den Städten, die mit ihrer intelligenten Entwicklung herausragen, zählen auch Stockholm, Kopenhagen, Lyon (mit dem Ökoquartier La Confluence), Oslo, London, Helsinki sowie Amsterdam und Paris.

Intelligente Stadt und nachhaltige Stadt

Die Konzepte einer nachhaltigen und einer intelligenten Stadt können ineinanderfließen. Theoretisch ist eine nachhaltige Stadt nicht zwangsläufig auch eine Smart City. In der Praxis zeigt es sich jedoch, dass die Intelligenz der Stadt es ihr ermöglicht, ihre Nachhaltigkeitsziele in den drei entsprechenden zentralen Bereichen zu verfolgen und umzusetzen: Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt. Das Ökosystem der Smart City hat nämlich bei gleichzeitiger Optimierung von Kosten, Ressourcen und Dienstleistungsverwaltung genau die gleichen Ziele.

  

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