Bertrand Piccard, der Mann, der unsere Mobilität CO2-frei machen will

Verfasst von am 20.10.2020 - 4 min

Die erste Erdumrundung in einem Solarflugzeug? Ihm haben wir sie zu verdanken! Wenn er nicht gerade den Papst, Staatschefs oder Wirtschaftsriesen berät, verfolgt Betrand Piccard heute sein größtes Abenteuer: die Versöhnung von Wirtschaft und Umweltschutz.

Der Pilot, Psychiater und Präsident der Solar Impulse Stiftung, Betrand Piccard, beschäftigt sich in Interviews und Roundtable-Diskussionen mit den Zukunftsaussichten der Luftfahrtbranche, die derzeit eine schwere existenzielle Krise durchmacht und gezwungen ist, sich selbst neu zu erfinden. „Wir sollten dem Dogmatismus und der Versuchung, einen Sündenbock zu benennen, widerstehen. Wenn es eine Branche gibt, die der Herausforderung sich selbst zu wandeln gewachsen ist, dann ist es die Luftfahrtbranche”, sagt er in einer zusammen mit der Kunstflug-Weltmeisterin Catherine Manoury publizierten Kolumne für die französische Wochenzeitung Le Journal du Dimanche. Piccard beschäftigt sich jedoch nicht nur mit der Zukunft der Luftfahrt – seit kurzem setzt er sich für eine weitere Sache ein: die Demokratisierung von Wasserstoffautos.

Bertrand Piccard im Fliegeranzug
Bertrand Piccard, Schweizer Pilot und Gründer der Stiftung Solar Impulse

Eine auf die Umwelt und Rentabilität ausgerichtete Vision

Vor ein paar Wochen haben dutzende Firmenchefs und bedeutende Investoren die Europäischen Behörden zu einem ehrgeizigen Konjunkturprogramm zur Verwirklichung der grünen und digitalen Wende aufgerufen: „Um intensiver an der Verwirklichung des europäischen Langzeitziels, bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu werden, arbeiten zu können, sind eine Reihe von Maßnahmen notwendig. Aus Sicht der Unternehmen und der Investoren wünschen wir Klarheit in Bezug auf CO2-Neutralität als Weg zur Wende und einen Terminplan für alle Branchen, sowie eine Politik, die es ermöglicht, in CO2-neutrale Lösungen zu investieren. So könnten wir mit genügend Zuversicht, zeitlich und im angebrachten Maßstab investieren, um die Emissionen zu senken, anständige grüne Arbeitsplätze zu schaffen, Innovationen zu fördern und den klimaneutralen Umbau der Wirtschaft zu beschleunigen.“, sagten die Europäischen Zweige von beispielsweise Microsoft, Unilever und IKEA. Zu den Unterzeichnern gehörte auch ein gewisser Bertrand Piccard! Tatsächlich arbeitet der Pilot sehr hart, um Lösungen für ein grünes Konjunkturpaket zu finden und zu finanzieren.

CO2-freie Mobilität der Zukunft: ist Wasserstoff die Lösung?

Wenn man ihn nach der Zukunft des Transportwesens fragt, antwortet Bertrand Piccard: „Auf Wasserstoff basierende Mobilitätslösungen sind nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Die Elektrifizierung des Transportwesens ist der beste Weg, um die Mobilität auf Strecken bis zu 300 km CO2-frei zu gestalten. Darüber hinaus sollte man Wasserstoff verwenden. In Kalifornien, Japan oder Frankreich werden Wasserstofftankstellen gebaut. In Deutschland sah man letztes Jahr zum ersten mal Wasserstoffzüge Dieselzüge ersetzen. Wasserstoffautos, -LKW und -Busse fahren bereits auf unseren Straßen. Nun planen Wissenschaftler der NASA ein rein mit Wasserstoff betriebenes Flugzeug. “

Um das Potential des Wasserstoffs im Transportwesen zu belegen, legt der Schweizer Pilot auch gern selbst die Hand ans Werk. Letzten November hat Bertrand Piccard einen neuen Rekord für die größte mit nur einer Tankfüllung eines Wasserstoffautos zurückgelegte Entfernung aufgestellt. „Diese Technologie hat den Vorteil, gerade da wo Batterien schlecht abschneiden sehr gut da zu stehen.“ meint Bertrand Piccard.

Wasserstoffpumpe
Wasserstoffpumpe

Hat Frankreich seinen Aufruf gehört? Von dem 100 Milliarden Euro schweren Konjunkturpaket hat die Regierung dieser Energie über 7 Milliarden Euro bis 2030 zugeteilt. „Batterien stellten die erste Welle der Elektrifizierung dar. Um eine Reichweite von 500 bis 700 km bei einer Rekordladezeit von 5 Minuten zu erreichen, brauchen Autos eine weitere Energiequelle in der Form von Wasserstoff“, erklärte Pierre-Etienne Franc, Globaler Leiter der Wasserstoffenergieaktivitäten von Air Liquide, dem größten Wasserstoffverkäufer Frankreichs, in der Zeitung Figaro.

„Seit 20 bis 30 Jahren reden alle von der Wasserstoffmobilität, aber keiner macht sie möglich. In der ganzen Zeit wurde jenen, dies es versuchten, gesagt: „Das ist unmöglich!“ „Unmöglichkeiten gibt es aber in Wirklichkeit nicht. Diese bestehen nur in unserem Geist, unseren Dogmen und unseren Paradigmen“, erklärte Bertrand Piccard vor Kurzem. Dank unseren Investitionen auf Europäischer Ebene scheint die Wasserstofftechnologie die schwere Anfangszeit hinter sich zu haben und endlich ernst genug genommen zu werden, um ebenbürtig behandelt zu werden.

 

Sarah Sabsibo, journaliste bei L’ADN
L’ADN ist das Innovationsmedium im Web und im Zeitschriftenformat, das jeden Tag die besten Konzepte der neuen Wirtschaft analysiert.

 

 

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