Das Design des ZOE aus der Sicht seiner Designer

Verfasst von am 07.07.2020 - 4 min

Der Renault ZOE, der 2009 als Konzeptauto und 2012 in seiner Serienversion vorgestellt worden war, gewinnt täglich mehr Kunden und Fans. Ein Rückblick auf die Entstehung eines Modells, das zur Ikone der Groupe Renault und der Elektromobilität schlechthin geworden ist, mit den Designern, die hinter dem Projekt stehen: Raphaël Linari, derzeit Design Director beim Renault Design Center Seoul und Außendesigner des ZOE Z.E. Concept im Jahr 2008, und Agneta Dahlgren, Design-Chefin für Elektroautos.

Hallo Raphaël und Agneta. Sie beide waren von Anfang an am ZOE-Projekt beteiligt. Wie lauteten der Auftrag und die Ziele, welche Problematiken und neue Herausforderungen ergaben sich mit der Neuheit Elektroauto – sowohl in Hinblick auf das ZOE Z.E. Concept, das 2009 vorgestellt wurde als auch auf die Serienversion des ZOE, die seit 2012 auf dem Markt ist?

Raphaël Linari (R.L.): Wenn man ein Konzeptfahrzeug ausgehend von einem leeren Blatt Papier entwickelt, hat man viel weniger technische Einschränkungen. Als Verantwortlicher für das Außendesign genoss ich eine größere Freiheit bei der Gestaltung der Architektur und der Proportionen des ZOE Z.E. Concept. So wurde beispielsweise für die Batterien und den Elektromotor die günstigste Position gewählt, um ein sehr fließendes und dynamisches Profil zu erhalten. Es ist eine Freude, die Technik dem Design unterordnen zu können!
Durch diese Anordnung der technischen Elemente konnten wir den Innenraum optimieren, den wir so geräumig und entspannend gestalten wollten wie einen japanischen Garten. So konnten wir diese wunderbaren, wie große Kieselsteine geformte Sessel entwerfen, genauso wie den flachen welligen Boden wie in einem Zen-Garten.

Agneta Dahlgren (A.D.): Das ZOE Z.E. Concept und der ZOE in seiner Serienversion, für den ich verantwortlich war, wurden gleichzeitig entwickelt. Unsere Marktstudien hatten gezeigt, dass die Umstellung auf ein Auto mit rein elektrischem Antrieb für die Verbraucher einen großen Schritt in die Zukunft bedeutete und sie daher verunsichern könnte. Aus diesem Grund unterscheidet sich die Serienversion des ZOE erheblich vom Konzept. Wir wollten ein Auto mit einer starken Persönlichkeit, das sich jedoch nicht zu sehr von dem entfernen sollte, was man normalerweise auf der Straße sah. Der ZOE hat seinen eigenen Charakter, ist aber kein „UFO“.

Agneta Dahlgren & Raphaël Linari
Agneta Dahlgren & Raphaël Linari

Inwiefern hat Sie das Konzept inspiriert?

A.D.: Wir haben seine beruhigende „Zen“-Note, seine spezifische Persönlichkeit, seine bläulichen Akzente beibehalten. Auch die Anspielung auf das Coupé-Design blieb durch die in den Fensterrand integrierten hinteren Türgriffe erhalten.
Das Interieur ist ebenfalls vom Konzept inspiriert – mit einfachen und natürlichen Formen, die für ein echtes Wohlgefühl an Bord sorgen. Der gesamte Innenraum wurde so gestaltet, dass er die Gelassenheit des ZOE ausstrahlt, seine Umweltfreundlichkeit im Gebrauch und seine Reinheit, insbesondere durch helle Farben. Und der Mitbewerb ist uns hier gefolgt!

 ZOE Konzept Innenarchitektur

Wie erklären Sie sich, dass das Design des ZOE auch 8 Jahre nach der Einführung noch immer so aktuell ist wie eh und je? Was macht die Identität seines Stils aus, was ist sein Markenzeichen, das über die Generationen hinweg unverändert bleiben sollte?

R.L: Der ZOE besticht mit einer „effizienten Sinnlichkeit“, einer ausgezeichnete Balance zwischen Form und Funktion, reine Volumen, die nicht altern. Dies ist eine Gemeinsamkeit zwischen dem Konzept und dem Serienfahrzeug. Außerdem haben beide Autos eine sehr ausdrucksstarke Frontpartie, die Sympathie weckt. Seit ihrer Premiere haben die Elektroautos bewiesen, dass sie ebenso angenehm anzusehen und zu fahren sind wie jedes herkömmliche Auto.
So ist die Serienversion des ZOE meiner Meinung nach zu einer weiteren Ikone im Renault-Programm geworden, genauso wie der Twingo oder der Clio.

A.D.: Der ZOE bleibt, was er ist: ein Auto mit Charakter. Er hat im Laufe der Jahre an Reife und Persönlichkeit gewonnen. Man könnte sagen, dass er von einem Kind zu einem jungen Erwachsenen herangewachsen ist; sein persönlicher Ausdruck hat sich intensiviert, mit einem Design, das nichts von seiner Frische eingebüßt hat.

 
Mit dem ZOE Z.E. Concept war es eine Freude, die Technik dem Design unterordnen zu können! Dadurch konnten wir den Innenraum optimieren, der so geräumig und entspannend wie ein japanischer Garten ist.
Raphaël Linari Außendesigner des ZOE Z.E. Concept im Jahr 2008

Im neuen ZOE ist die Innenverkleidung aus Recyclingmaterialien. Eine Wahl im Einklang mit dem umweltfreundlichen Charakter der Elektroautos?

A.D.: Ja, so ist es. Wir arbeiten schon eine Weile daran, aber die Entwicklung neuer Recyclingmaterialien erfordert Haptik-, Haltbarkeits- und Verschmutzungstests ebenso wie die Zusammenarbeit mit willigen und motivierten Zulieferern. Dies alles braucht Zeit. Vor allem weil beim ZOE diese Materialien nicht einfach nur aus dem Recycling stammen, sondern Teil einer echten Kreislaufwirtschaft sind, insbesondere mit der Wiederverwendung von Textilabfällen aus der Herstellung der Sicherheitsgurte.

Renault ZOE

Wird Ihre Arbeit am Design nicht zwangsläufig durch die kontinuierlichen technologischen Innovationen (neuer Motor, Steigerung der Batteriekapazität, notwendige Energieeffizienz usw.) beeinflusst oder sogar eingeschränkt?

A.D.: Natürlich gibt es Einschränkungen, aber sie können sowohl negativ als auch positiv sein. Die Verwendung der Plattform des ersten Modells schränkte uns in der Gesamtgröße des Fahrzeugs ein. Aber indem wir mit den Proportionen spielten – mit der Höhe, einer deutlichen und erhöhten Gürtellinie, schlanken, länglichen Scheinwerfern und indem wir die Räder weit außen am Fahrzeug platzierten – gelang es uns, dem ZOE ein muskulöses, aber nicht zu schwer wirkendes Design zu geben.
Für den neuen ZOE mussten wir neue Probleme bewältigen. Die Integration des gleich- und wechselstromfähigen Ladegeräts hinter dem vorderen Markenemblem erforderte eine senkrechtere Positionierung der Raute, aber das steht unserem ZOE ganz besonders gut! Wir haben auch Lösungen gefunden, um zum Beispiel dem Kunden jetzt Nebelscheinwerfer anzubieten.

R.L: Jede neue Technologie eröffnet neue Möglichkeiten für einen Designer. So bietet beispielsweise die Verwendung von LEDs für Scheinwerfer und Leuchten sehr unterschiedliche Interpretationen zwischen dem Konzept und dem Serienfahrzeug.

 
Der ZOE hat im Laufe der Jahre an Reife und Charakter gewonnen. Man könnte sagen, dass er von einem Kind zu einem jungen Erwachsenen herangewachsen ist. Sein persönlicher Ausdruck hat sich intensiviert, aber sein Design hat nichts von seiner Frische eingebüßt.
Agneta Dahlgren Design-Chefin für Elektroautos

Wie sehen Sie beide die Entwicklung des Designs der Elektroautos von Renault in den kommenden Jahren? Neue Einschränkungen oder doch mehr Freiheit?

A.D.: Die Schaffung einer speziellen Plattform für Elektrofahrzeuge innerhalb der Allianz ist ein Faktor, der dem Kunden enorme Vorteile bringt. Dadurch kann mehr Platz an Bord geschaffen werden, sowohl für die Insassen im Innenraum als auch in Hinblick auf den Stauraum. Dies dürfte in Zukunft eines der starken Argumente für die Elektrofahrzeuge von Renault gegenüber den Mitbewerbern sein, die andere Entscheidungen getroffen haben.
Außerdem verleihen der lange Radstand und die kurzen Überhänge, die durch den Elektromotor und diese neue Plattform ermöglicht werden, den Autos neue Proportionen und elegante Linien.

 neue ZOE Radfahrer

R.L: Wie Sie sehen können, sind beim ZOE vielleicht sogar noch stärker als bei anderen Modellen Design und Technologie immer eng miteinander verknüpft. Ein Auto wie der ZOE, elektrisch im Design und mit ständig aktualisierter Technologie, ist Teil der Pionierstrategie der Groupe Renault und wird es der Marke ermöglichen, ihre Rolle als Marktführer im Bereich der Elektromobilität in Zukunft zu behaupten.

 

Copyrights : Groupe Renault, Yannick BROSSARD, PLANIMONTEUR, Frithjof OHM, Frithjof Ohm INCL. Pretzsch

 

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