„Der Markt für Elektroautos hat einen bedeutende Schritt getan“

Verfasst von am 22.02.2021 - 5 min

Im Jahr 2020 hat die Groupe Renault mehr als 115.000 Elektrofahrzeuge verkauft, davon über 100.000 ZOE. Das ist ein Allzeit-Rekord, über den sich Gilles Normand, SVP Elektrofahrzeuge und Mobilitätsservices, Groupe Renault, freut. Für ihn ist 2020 das Jahr der Elektrifizierung in Europa.

Trotz der Gesundheitskrise ist 2020 ein Rekordjahr für den Absatz von Elektrofahrzeugen in Europa, insbesondere für Renault.

Im aktuellen Kontext der Pandemie blieb der der Verkauf von Elektrofahrzeugen im Jahr 2020 sehr dynamisch, mit Wachstumsraten von über 90 % in den wichtigsten Märkten Europas. Diese Verkäufe machen mittlerweile mehr als 5 % des gesamten Marktvolumens aus – alle Motorisierungen eingeschlossen. Diese Tendenz erkennt man in großen Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Ein bedeutender Schritt wurde getan.

Im Jahr 2020 hat die Groupe Renault mehr als 115.000 Elektrofahrzeuge verkauft, davon über 100.000 ZOE. Was erklärt dieses ausgezeichnete Ergebnis?

Dieses Ergebnis ist mehr als nur ausgezeichnet. Es ist historisch! Ebenso wie der generelle Trend des Automarkts Richtung Elektro ist dieses Ergebnis auf die von Groupe Renault seit über zehn Jahren geleistete Pionierarbeit mit der elektrischen Technologie zurückzuführen. Wir haben nach und nach die Hürden, die Kunden von diesem Antrieb ferngehalten haben, entfernt, insbesondere bei der Ausbildung unserer Verkäufer, die den Kunden erklären können, weshalb die Nutzungskosten eines Elektrofahrzeugs geringer sind als die eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Aber auch dank Fortschritten bei der Reichweite – ein bedeutender Meilenstein wurde schon mit dem ZOE der zweiten Generation mit einer Reichweite von 300 km erreicht. Die dritte Generation erreicht heute fast 400. Wir haben ebenfalls an Anwendungen für das Fahrzeug und das Smartphone gearbeitet. Damit können beispielsweise funktionierende Ladestationen ausfindig gemacht werden, um seine Fahrt ohne Sorge planen zu können. Heute ernten wir die Früchte dieser Arbeit.

 
Bliebt der Markt für Elektroautos sehr dynamisch, mit Wachstumsraten von über 90 % in den wichtigsten Märkten Europas.
Gilles Normand SVP für Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste, Groupe Renault
Gilles Normand, SVP für Elektrofahrzeuge und Mobilitätsdienste, Groupe Renault

Haben andere Faktoren zum Boom der Elektrofahrzeugverkäufe beigetragen?

Natürlich. An erste Stelle stehen neue Regelungen wie die CAFE-Norm (Corporate Average Fuel Economy), die den CO2 Ausstoß aller Fahrzeuge auf dem Markt stark begrenzt. Wegen dieser Norm müssen Hersteller Elektrofahrzeuge in ihr Sortiment aufnehmen, und so entwickelt sich der Wettbewerb. Paradoxerweise hat uns diese Vervielfachung des Angebots nicht geschadet. Ganz im Gegenteil hat sie unsere Verkaufszahlen verbessert, da mache Kunden auf eine größere Auswahl warteten, bevor sie sich für ein Elektrofahrzeug entscheiden konnten. Und oft haben sie sich für den historischen Marktführer in Europa – den Renault ZOE – entschieden, da dieser das beste Preis-Leistungsverhältnis bei Reichweite und Ausstattung bieten konnte.

Zudem haben sich den Elektrofahrzeugen neue Märkte eröffnet, insbesondere bei Nutzfahrzeugen, wo der Kangoo Z.E. nun das neunte Jahr in Folge den Markt anführt. Nach den Flotten großer Unternehmen wie der französischen Post, und kleinen und mittelständischen Unternehmen, kaufen nun auch Handwerker Elektrofahrzeuge, die ideal für Fahrten auf dem „letzten Kilometer“ sind. Das machen sie auch, weil wir sie nicht allein lassen. Wir begleiten sie durch unseren neuen Partner Elexent, um ihnen den besten Komplettservice zu bieten – von der Beratung bis zur Installation und Vermietung von Ladestationen auf ihrem Betriebsgelände. Auch hier beseitigen wir Hürden für den Umstieg, und das merkt man sofort!

Nachdem Groupe Renault mit dem ZOE in das Segment der Kompaktwagen einstieg, folgt mit dem Twingo Electric und dem Dacia Spring nun die Klasse der elektrischen Stadtwagen. Besteht da nicht ein Risiko für interne Konkurrenz auf dem Markt?

Unsere Strategie war stets klar: zuerst positionieren wir uns in einer führenden Rolle unter den Kompaktwagen mit dem ZOE und dann, sobald der technologische Fortschritt uns ausreichende Reichweite und kompaktere Batterien garantieren ließ, würde unser Angebot ausgeweitet. Zuerst mit der Klasse darunter, also den kleinen Stadtwagen. Und da sind wir nun. Unsere Fahrzeuge stehen nicht in Konkurrenz, sie ergänzen einander. Der ZOE ist sowohl für die Stadt wie auch für weitere Wege gedacht. Dank seiner Vielseitigkeit kann man fahren, ohne seine Gewohnheiten groß zu ändern. Der Twingo Electric ist umso mehr in der Stadt zu Hause, wo er eine Fahrzeugklasse weiterführt, die ohne den Umstieg auf elektrische Antriebe zum Aussterben verurteilt ist. Der Dacia Spring hingegen ist für Kunden mit stark rationalen Bedürfnissen gedacht. Er wird das günstigste Elektroauto des Markts sein.

Danach wird unser Angebot auf die Klasse über dem ZOE ausgeweitet. Dafür greifen wir auf das Konzeptauto Mégane eVision zurück, von dem wir neue Modelle ableiten werden. Diese bauen auf der neuen modularen Plattform CMF-EV auf, die besonders vielversprechend ist.

Groupe Renault ist ebenfalls Marktanführer beim elektrischen Carsharing. Weshalb wurde dieser Weg eingeschlagen, obwohl er sich negativ auf Verkaufszahlen auswirken könnte?

Es handelt sich dabei um ein weiteres Angebot! Sich an neue Marktformen anzupassen ist kein Risiko. Ein Risiko wäre, dies nicht zu tun. Heutzutage ändert sich die Nachfrage der Kunden, gerade in der Stadt, wo manche nicht mehr Eigentümer ihres Fahrzeugs, sondern nur noch Verbraucher von Mobilitätsdiensten sein wollen. Viele Studien zeigen, dass 20 bis 30% der europäischen Kundschaft in gut zehn Jahren kein Auto mehr kaufen, und stattdessen auf Verbrauch nach Bedarf, wie Mietwagen und multimodale Mobilität, setzen wird. Eine Studie, die wir mit dem Umfrageinstitut Ipsos durchgeführt haben, deckt auf, dass der Klimawandel und die dringende Energiewende zu den Hauptsorgen der Europäer gehören. Zudem hat die Covid-19-Pandemie zu einer gewissen Abneigung gegenüber öffentlichen Transportmitteln geführt, wobei persönlichere Formen der geteilten Mobilität bevorzugt wurden. Der Carsharing-Markt hat in diesem Jahr weniger gelitten als die öffentlichen Transportmittel und der Automobilmarkt. Das ist ein Zeichen.

Welche Vorteile hat Groupe Renault auf dem Markt des elektrischen Carsharings?

Als europäischer Marktführer für Elektrofahrzeuge müssen wir im Bereich der geteilten Mobilität präsent sein. Dabei bringen wir ebenso wie auf anderen Märkten unsere über zehnjährige Erfahrung mit. Wir sind heute mit mehr als 10.000 Elektrofahrzeugen auf der Straße, von denen ca. 9.000 ZOEs sind, führend auf dem europäischen Markt für elektrisches Carsharing. Diesen Weg müssen wir fortsetzen und die nächsten Schritte dieser Wende vorbereiten.

Daher eignet sich der Dacia Spring bestens für eine Verwendung im Carsharing. Wie bei diesem Modell steht bei der Philosophie des Carsharings der Preis im Mittelpunkt. Genau deshalb sind wir vor kurzem eine Partnerschaft mit der Gruppe E.Leclerc eingegangen, die in ihren Mietwagenagenturen 3.000 Dacia Spring und 1.000 ZOE anbieten wird.

Ist 2020 schließlich das Jahr der Elektrifizierung?

Ich sage es nochmal: ein bedeutender Schritt wurde getan, soviel ist sicher. Zeitweise übertreffen Elektrofahrzeuge ihre Mitbewerber mit Verbrennungsmotor sogar schon. Das haben wir in Deutschland gesehen, wo im Oktober mehr ZOEs als Golfs verkauft wurden!

Man sollte auch nicht vergessen, dass Hybridfahrzeuge diesen Vorgang ebenfalls beschleunigen. Sie sind für Kunden, die für einen vollen Umstieg auf Elektromobilität noch nicht bereit sind, ein erster Schritt in diese Richtung. Und diese Erkundung des elektrischen Fahrens ist genau das, was wir mit unserem E-TECH Angebot und den entsprechenden Hybrid- und Plug-In-Hybrid-Fahrzeugen anbieten.

 

 

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