MaaS – die Zukunft der urbanen Mobilität?

Verfasst von am 30.12.2019 - 5 min

Natürlich muss das Transportwesen von morgen umweltfreundlicher sein. Es muss sich aber auch an die Gewohnheiten einer Gesellschaft anpassen, die sich ständig weiterentwickelt. Vor diesem Hintergrund könnte MaaS eine der tragenden Säulen urbaner Mobilität werden.

Was ist MaaS?

MaaS

MaaS für Mobility as a Service (Mobilität als Dienstleistung) ist ein Konzept, bei dem den Nutzern alle in einer Stadt oder Metropole vorhandenen Transportangebote zur Verfügung gestellt werden. Konkrete Gestalt nimmt es in Form einer mobilen App an, die eine „Komplettlösung“ vorschlägt, um von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Die Nutzer können die U-Bahn nehmen, dann ein Taxi oder ein Auto im Selbstverleih und den Rest des Weges mit Fahrrad oder Roller zurücklegen, ohne dass mehrere Abonnements oder Schritte erforderlich wären.

In Helsinki ist MaaS bereits Realität. Die finnische Hauptstadt vereinte als erste alle öffentlichen und privaten Verkehrsträger in nur einer App, Whim. Diese Plattform bietet nicht nur unterschiedliche Informationen, die für die Fahrt erforderlich sind (Fahrpläne, Geolokalisierung der Carsharing-Fahrzeuge usw.): Mit ihr ist es auch möglich, die Fahrt zu reservieren und zu bezahlen – je nach genutzten Transportmitteln pro Einzelstrecke oder im Monatsabonnement.

Andere europäische Städte praktizieren bereits mit öffentlichen Akteuren MaaS oder erkunden die Möglichkeiten. Das gilt etwa für Wien (Österreich) mit der App WienMobil, Göteborg (Schweden), Hamburg (Deutschland) oder Annemasse (Frankreich). Einige Städte greifen auch auf private Akteure wie etwa Whim zurück, der in Helsinki (Finnland), aber auch in Birmingham (Großbritannien) vertreten ist.

Was ist das Ziel von MaaS?

Der Gedanke besteht darin, ein vollständiges, flexibles Transportangebot zu bieten, das alle Betreiber des Sektors vereint. Diese Voraussetzung ist unabdingbar, damit die Nutzer sich entsprechend ihren Wünschen fortbewegen und dabei die saubersten Transportmittel wählen können.
Der andere Vorteil von MaaS in Verbindung mit dem Aufschwung von Elektroautos und Carsharing besteht darin, dass die Kohlenstoffbilanz des Transportwesens in den Städten verbessert wird und zugleich die großen Ballungsräume vom Verkehr entlastet werden.

Gibt es einen Unterschied zwischen Carsharing und Autovermietung im Selbstverleih?

 maas Anwendung

Die beiden Konzepte unterscheiden sich nicht grundsätzlich voneinander, wenn auch Carsharing eher mit Kurzstrecken in Verbindung gebracht wird.

In beiden Fällen handelt es sich um eine Dienstleistung, bei der der Nutzer Zugang zu einem Fahrzeug hat, ohne dessen Halter zu sein, und ohne für die laufenden Betriebskosten oder das Parken aufkommen zu müssen. Der Begriff Selbstverleih beinhaltet, dass jederzeit ohne Einbindung Dritter über das Auto verfügt werden kann. Meist kann es über eine entsprechende App gemietet werden.

Tatsächlich stellt Carsharing also eine Variante der Autovermietung im Selbstverleih dar, die sich besonders für Stadtfahrten eignet. Darüber hinaus bieten auch traditionelle Autovermieter immer öfter Carsharing-Dienste an. Dabei kann ein Teil ihrer Fahrzeuge rund um die Uhr genutzt werden, ohne dass man dafür an einen Schalter muss.

Es gibt unterschiedliche Arten von Carsharing:

Roundtrip-Carsharing

Nach Beendigung seiner Fahrt mit dem gemieteten Auto muss der Nutzer es an den Ausgangsort zurückbringen. Das bieten Renault Mobility in Frankreich oder Zipcar in Großbritannien an.

Flexibles oder One-Way-Carsharing

Der Grundsatz hierbei ist gleich, nur kann der Fahrer das Auto an einer Ladestation abholen und an einer anderen wieder abgeben. Das ist zum Beispiel bei Bluely in Lyon oder Zen Car in Brüssel der Fall.

Free Floating Carsharing (oder freie Flotte)

Der Nutzer ortet mittels Geolokalisierung das nächste verfügbare Auto, macht seine Fahrt und parkt es dann auf irgendeinem Parkplatz. Der Dienstleister holt es ab und bringt es an eine Ladestation. Man kann also von „vollständigem Selbstverleih“ sprechen.

In Madrid ist beispielsweise Zity mit einer Flotte von 500 verfügbaren Renault ZOE ein Free-Floating-Betreiber. 2020 startet das Unternehmen auch in Paris.

Carsharing in Europa

Seit mehreren Jahren nimmt Carsharing im Selbstverleih in Europa immer weiter zu.
In Deutschland zählt man bereits 1,26 Millionen Nutzer, in Madrid mehrere Hunderttausend. In Frankreich haben schon über 20 % der Pariser Autofahrer Carsharing praktiziert.

Die Branchenriesen sind über ganz Europa verstreut. So begleitet Renault mit seiner Elektroautoflotte verschiedene Akteure in Kopenhagen (Dänemark), Madrid (Spanien), Stockholm (Schweden), Palermo, Lecce oder Bologna (Italien) usw. Ganz zu schweigen von Frankreich: Außer Paris, wo derzeit 500 Fahrzeuge von Renault im Free Floating verfügbar sind, setzen nun auch Marseille, Aix-en-Provence, Avignon und Grenoble mit Renault Twizy des Anbieters Totem Mobi auf Carsharing.

 

Copyrights: Marco_Piunti, Mikko Lemola, svetikd

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